Ingo Kramer, Arbeitgeberpräsident

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. - Bild: BDA

Insgesamt bräuchten die Firmen laut Arbeitgeberverband BDA 212.000 Mitarbeiter in den sogenannten MINT-Berufen zusätzlich, wie die Arbeitgeber mitteilte. Unter den MINT-Berufen werden Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker zusammengefasst.

Die sogenannte MINT-Lücke erreichte Ende Oktober den Höchststand seit Beginn der Berechnungen im Jahr 2011. Im Vergleich zum Vorjahresmonat vergrößerte sie sich um 9 Prozent.

Die nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge werden laut der Wirtschaft den zusätzlichen Bedarf nach Fachkräften in diesem speziellen Segment zumindest ein Stück weit abdecken.

Flüchtlinge gegen Fachkräftemangel?

Thomas Sattelberger, Vorstandsvorsitzender der Initiative "MINT Zukunft schaffen": "Die Zahl der Flüchtlinge, die eine MINT-Beschäftigung in Deutschland finden, steigt deutlich an. Bis zum Jahr 2020 könnte sie sich auf bis zu 40.000 erhöhen. Flüchtlinge leisten damit einen wichtigen, wenn auch begrenzten Beitrag zur MINT-Fachkräftesicherung."

Um noch mehr Flüchtlinge ausbilden können, sollten laut Sattelberger alle Förderinstrumente ab Abschluss des Ausbildungsvertrages zur Verfügung stehen. Teilzeitausbildung und Teilqualifizierung müssten demnach stärker genutzt werden. Es geht um 300.000 junge Flüchtlinge im ausbildungsfähigen Alter.

Axel Plünnecke, Leiter Kompetenzfeld Bildung, Zuwanderung und Innovation am Institut der deutschen Wirtschaft Köln, ergänzt: "In Ostdeutschland wird in den nächsten zehn Jahren ein deutlich höherer Anteil der MINT-Beschäftigten als im Westen altersbedingt ausscheiden. Gleichzeitig sind im Osten (ohne Berlin) nur rund 2 Prozent der MINT-Beschäftigten Ausländer im Vergleich zu rund 9 Prozent im Westen."

Da Zuwanderer vor allem dahin ziehen, wo sie Netzwerke haben, müsse sich der Osten bei Zuwanderung und Integration deshalb besonders anstrengen. Sonst drohe Ostdeutschland aufgrund fehlender MINT-Kräfte bei Innovationskraft und Wachstum zurückzufallen.