Ingo Kramer

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hat von der Bundesregierung vollen Einsatz für das Freihandelsabkommen TTIP bis zum Schluss verlangt. - Bild: BDA

"Was wir im Moment erleben, ist ein Desaster für die Wirtschaftspolitik", sagte Kramer am Mittwoch in Berlin. Der Chef des Bundesverbands der Arbeitgeberverbände (BDA) ging hart mit Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ins Gericht, ohne ihn direkt zu erwähnen. "Wenn es schwierig ist, darf man sich nicht in die Büsche schlagen. Wir sind hier nicht beim Minigolf", schimpfte Kramer.

Freihandelsabkommen seien nie leicht zu verhandeln und es bedürfe nun Persönlichkeiten mit "Fingerspitzengefühl und diplomatischem Standvermögen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nahm er von seiner Kritik aus. "Die Kanzlerin steht wie eine Eins hinter diesen Verhandlungen", meinte der BDA-Chef.

Gabriel hatte am Wochenende die Verhandlungen über den Vertrag zwischen der Europäischen Union und Washington für de facto gescheitert erklärt. Ein Abschluss der Gespräche bis zum Jahresende sei zeitlich nicht mehr zu schaffen. Aus der Wirtschaft und seitens des Koalitionspartners CDU hatte er daraufhin heftige Angriffe einstecken müssen. CDU-Generalsekretär Peter Tauber nannte das Urteil des SPD-Chefs eine "bodenlose Unverschämtheit" und "grundfalsch".

Die EU-Kommission und die Regierung der USA haben sich bis zur Wahl des nächsten US-Präsidenten im November Zeit gegeben, um das Abkommen in den Grundsätzen unter Dach und Fach zu bringen. Sowohl Hillary Clinton als auch Donald Trump, die als Kandidaten der beiden großen Parteien um die Nachfolge von Barack Obama im Weißen Haus antreten, haben sich skeptisch bis ablehnend zu TTIP geäußert.