BDI, Lang

"Der schwierigste Teil der Verhandlungen liegt noch vor uns", sagt BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang.

"Die Verhandlungen müssen jetzt an Tempo zulegen", forderte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. Die deutsche Industrie sei "erleichtert" über den Durchbruch, mit dem eines von vielen Hindernissen auf dem Weg zu einem geordneten Brexit aus dem Weg geräumt sei. Die Einigung zeige, dass es mit politischem Willen gelingen könne, auch in schwierigen und sensiblen Fragen Ergebnisse zu erzielen.

"Der schwierigste Teil der Verhandlungen liegt noch vor uns", warnte Lang allerdings. Die Wirtschaft brauche jedoch schnellstmöglich Klarheit über das zukünftige Verhältnis. "Unsere Unternehmen müssen rasch wissen, welches Modell Downing Street sich für ein künftiges Abkommen vorstellt und wie die Übergangsphase dorthin aussehen soll." London dürfe sich dabei aber keinen falschen Illusionen hingeben.

Auch der Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung zeigte sich "erfreut" über den Durchbruch. "Das ist eine sehr gute Nachricht. Nun sollte die EU ein umfassendes Freihandelsabkommen mit Großbritannien anstreben, damit die volkswirtschaftlichen Kosten des Austritts für alle Seiten begrenzt bleiben", sagte er. Der Brexit werde durch wachsende Handelskosten erheblichen wirtschaftlichen Schaden anrichten. "Bei Freihandel könnten die zusätzlichen Kosten mehr als halbiert werden", meinte Fuest.

 
Juncker konstatiert "genügend Fortschritte"


Dann würden die Gesamtverluste für die EU auf 27 Milliarden Euro sinken, für Großbritannien würde ein Wegfall des Nettobeitrags zum EU-Haushalt die wachsenden Handelskosten ungefähr ausgleichen, erklärte der Wirtschaftsprofessor unter Berufung auf ein an seinem Institut entstandenes Papier. Erfolge der Handel künftig nur auf Basis der Regeln der Welthandelsorganisation WTO, würden die Verluste für Großbritannien demnach 16 Milliarden Euro pro Jahr betragen. Für die EU summierten sie sich demnach auf rund 44 Milliarden Euro pro Jahr. "Der Brexit kennt nur Verlierer", resümierte Fuest.

Die EU-Kommission hat den Mitgliedstaaten am Freitagmorgen empfohlen, in die zweite Phase der Verhandlungen mit London über die künftigen Beziehungen einzusteigen. Jetzt sei der EU-Gipfel am Freitag kommender Woche "am Zug", hieß es in einer Erklärung der Behörde. Die Staats- und Regierungschefs müssten dann entscheiden, ob auch aus ihrer Sicht "ausreichende Fortschritte erzielt worden sind, damit die zweite Verhandlungsphase beginnen kann".

Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der britischen Premierministerin Theresa May, aus seiner Sicht seien "genügend Fortschritte erzielt" worden, um nun in die zweite Phase der Verhandlungen eintreten zu können. May sicherte zu, dass es durch den Brexit "keine harte Grenze" mit strengen Pass- und Zollkontrollen zwischen Irland und Nordirland geben werde. Dies war neben den Rechten von EU-Bürgern in Großbritannien nach dem Brexit und den Finanzforderungen an London eine der drei zentralen Fragen in den Gesprächen.