GB Brexit Flagge

Das Vereinigte Königreich tritt aus der Europäischen Union aus. Der Vorsprung des Brexit-Lagers ist nun uneinholbar. - Bild: Pixabay/Comfreak

Großbritannien kehrt Europa den Rücken: Eine Mehrheit von 51,9 Prozent der Briten hat beim EU-Referendum für den Austritt des Landes aus der Europäischen Union gestimmt. Nach Auszählung von 374 der 382 Stimmbezirke gibt es 16,8 Millionen Stimmen für den Austritt und 15,7 Millionen für den Verbleib. Die Finanzmärkte wirbelt das am Freitagmorgen bereits kräftig durcheinander: Das Britische Pfund stürzt um rund 11 Prozent auf etwa 1,33 Dollar ab. Das ist ein Allzeittief.

Der Euro rutscht in der Spitze auf 1,0911 Dollar ab und verliert damit rund 5 Cent gegenüber dem Stand vom späten Donnerstag. Aktuell kann die Gemeinschaftswährung wieder die Marke von 1,10 Dollar zuürckerobern.

Am Aktienmarkt wird der FTSE-100 von IG Markets außerbörslich über 7 Prozent niedriger gestellt. Der DAX wird vorbörslich bei 9.500 Punkten gesehen, das ist ein Minus von 7,4 Prozent zum Vortag. Öl der Sorte Brent saust um 6 Prozent abwärts auf 47,10 Dollar je Barrel. WTI-Öl verliert in der gleichen Größenordnung.

Zugleich flüchten die Teilnehmer in die sicheren Häfen. Der Goldpreis steigt um rund 7,5 Prozent auf 1.356 Dollar je Feinunze, in Euro legt das Edelmetall zweistellig zu. Auch Anleihen werden gekauft.

ifo-Präsident Fuest: Brexit-Entscheidung ist Niederlage der Vernunft

Der neue Präsident des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung hat den Ausgang des britischen EU-Referendums bedauert.

"Die Entscheidung der britischen Wähler für den Brexit ist eine Niederlage der Vernunft", sagte Clemens Fuest am Freitag laut einer Mitteilung des Institutes.

"Die Politik muss jetzt alles tun, um den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen", forderte Fuest. Dazu gehöre es sicherzustellen, dass Großbritannien so weit wie möglich in den Binnenmarkt integriert bleibe.

Fuest forderte, die Verhandlungen darüber schnell zum Abschluss zu bringen, "damit die Phase der Unsicherheit über die künftigen Wirtschaftsbeziehungen möglichst kurz bleibt".

Steinmeier: Ein trauriger Tag für Europa

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) reagierte entsetzt auf den absehbaren Sieg der Brexit-Befürworter.

"Die Nachrichten aus Großbritannien am frühen Morgen sind wahrlich ernüchternd", sagte Steinmeier am Freitagmorgen in Berlin laut einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes.

"Es sieht nach einem traurigen Tag für Europa und für Großbritannien aus." Zuvor hatte sich bereits SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel enttäuscht gezeigt. "Damn! Ein schlechter Tag für Europa", twitterte Gabriel am Freitagmorgen.

DZ-Bank: Briten sind Hauptverlierer

Die Europäische Union dürfte durch den Brexit nach Einschätzung der DZ Bank weltpolitisch zunächst als geschwächt gelten und damit an Gewicht verlieren.

Wirtschaftlich dürfte Großbritannien selbst der größte Verlierer der Entscheidung sein, heißt es in einer ersten Einschätzung. "Doch auch die deutsche und die gesamte europäische Wirtschaft werden Wachstumseinbußen zu verkraften haben", prognostiziert die DZ Bank.

Die Finanzmärkte dürften kurzfristig mit hoher Volatilität auf die Entscheidung reagieren. Vor allem wird aber laut DZ Bank die nun bevorstehende Phase der Unsicherheit über die Modalitäten des Austritts die Kapitalmärkte belasten.

Irland und Schottland kündigen eigene Referenden an

Nach dem Votum der Briten für den Austritt aus der EU will die nordirische Partei Sinn Fein die Nordiren über eine Vereinigung mit Irland abstimmen lassen. Zur Begründung nannte Sinn-Fein-Chef Declan Kearney am Freitagmorgen, die von London aus regierten Nordiren hätten bei dem Referendum für den EU-Verbleib gestimmt. Der Norden werde allein durch das Abstimmungsergebnis in England aus der EU gedrängt.

"Sinn Fein wird jetzt unsere alte Forderung nach einer Umfrage über die Grenze vorantreiben", sagte Kearney. Nordirland gehört mit Schottland, Wales und England zu Großbritannien. Neben den Nordiren hatten auch die Schotten bei dem Referendum für den EU-Verbleib gestimmt.

Die schottische Premierministerin Nicola Sturgeon sagte am Freitagmorgen, sie sehe die Zukunft Schottlands "als Teil der EU", schließlich hätten sich die Schotten mit 62 Prozent für den Verbleib ausgesprochen. Ihre Aussage deutete an, dass sie einen neuen Anlauf zu einem zweiten Unabhängigkeitsreferendum erwägt. Beim ersten Mal vor zwei Jahren hatte eine knappe Mehrheit der Schotten gegen die Abspaltung von Großbritannien gestimmt.