BERLIN (Dow Jones/ks)–”Es wird notwendig sein, noch schneller und profunder auf neue Entwicklungen reagieren zu können”, heißt es in dem am Donnerstag in Berlin veröffentlichten industriepolitischen Konzept Brüderles.

“Es gilt, die Fähigkeit der Unternehmen und ihrer Beschäftigten, aber auch der Politik und der Sozialpartner zu steigern, schnell und flexibel auf immer neue Entwicklungen reagieren zu können”, heißt es in dem Grundsatzpapier mit dem Titel “Im Fokus: Industrieland Deutschland”. Brüderle sieht dabei vorrangig die Unternehmen gefordert. Aufgabe der Politik sei es lediglich, für verlässliche und marktkonforme Rahmenbedingungen zu sorgen.

Die Industriepolitik müsse weiter konsequent auf den “Markt als Entdeckungsverfahren” setzen. Der Staat solle sich so weit wie möglich aus Marktprozessen heraushalten. Direktes staatliches Eingreifen sollte sich auf wenige Ausnahmen beschränken. “Effiziente und zukunftsweisende Industriepolitik stützt sich nicht auf Ausgabenprogramme für einzelne Branchen, sondern konzentriert sich auf die begründeten Belange der Industrie”, heißt es im Konzept.

Ziel der Politik müsse es sein, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen auf “marktkonforme Weise” nachhaltig zu stärken. Dafür müsse die Politik für ein wettbewerbsfähiges Steuersystem, leistungsfähige Infrastruktur und sichere Investitionsbedingungen sorgen. Aufgabe der Unternehmen sei es, ihre Produktionsprozesse und das Management ihrer internationalen Wertschöpfungsketten kontinuierlich zu verbessern, um die Vorteile globaler Produktion nutzen zu können.

Ein zentraler Wettbewerbsfaktor für die deutsche Industrie werde eine sichere Rohstoff- und Energieversorgung bleiben. Durch den Aufholprozess wichtiger Schwellenländer werde sich die internationale Konkurrenz beim Bezug von Rohstoffen verstärken. Hier müssten Politik und Wirtschaft zusammenwirken, um Marktverzerrungen zu verhindern. “Entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie ist aber auch, konsequent auf Material- und Energieeffizienz zu setzen”, heißt es im Konzept.

Minister Brüderle warnt davor, durch die Abwehr von Veränderungen, durch Bequemlichkeit und Selbstgefälligkeit die Zukunft des Industriestandortes Deutschland aufs Spiel zu setzen. “Der menschliche Hang zur Bequemlichkeit und zum Festhalten am Status Quo ist die größte Gefahr auf der Suche nach Innovationen”, heißt es im Konzept. Nur wenn Deutschland in der Lage sei, seinen technologischen Vorsprung auch gegenüber neuen Konkurrenten in der Weltwirtschaft zu halten, werde es möglich sein, den hohen Wohlstand für breite Schichten der Bevölkerung zu bewahren.

“Gerade die Erfolge der deutschen Exportindustrie, die zum Teil sogar in der Krise Anteile auf den Weltmärkten hinzugewinnen konnte, dürfen nicht zur Selbstgefälligkeit verleiten”, heißt es im Konzept weiter. Würde man an den derzeitigen Produktionsmustern festhalten und sich den globalen Megatrends widersetzen wollen, wären der Bedeutungsverlust der heimischen Industrien und massive Einkommensrückgänge für die Bevölkerung die unausweichliche Folge, warnt der Minister.

Risiken für die deutsche Industrie sieht Brüderle einerseits im “zu späten Erkennen wichtiger technologischer Entwicklungen, andererseits im übereilten Setzen auf ‘falsche Pferde’”. Eine erfolgreiche deutsche Industrie werde mit technologisch führenden Angeboten aufwarten müssen. Als eine Schlüsselstrategie für die industrielle Produktion von morgen betrachtet es der Minister zudem, die Produktion sowohl im Konsumgüter- wie auch im Investitionsgüterbereich stärker zu individualisieren.