Jamaika

Jamaika: Eine Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen könnte die nächste Bundesregierung stellen. - Bild: pixabay

Nach dem Ergebnis der Bundestagswahl ist eine Jamaika-Koalition das Maß aller Dinge. Kanzlerin Angela Merkel hat nur theoretisch noch die Wahl zwischen einer Fortsetzung der Großen Koalition ihrer Union mit der SPD und einem im Bund noch nie dagewesenen Bündnis mit FDP und Grünen. Tatsächlich muss sie alles auf letztere Variante setzen - spätestens, seit sich die SPD noch am Wahlabend auf den Gang in die Opposition festgelegt hat.

Durch das fulminante Wahlergebnis der AfD wird nun nur solch eine Jamaika-Allianz verhindern, dass die rechtspopulistische Partei stärkste Oppositionskraft wird. Für Merkel wäre Jamaika ohnehin kein Risiko, und die beiden potenziellen Koalitionspartner werden letztlich auch angesichts dieser Gemengelage wenig Chancen haben, sich am Ende zu zieren.

"Die Mehrheiten liegen auf den Tisch, jetzt heißt es, Zukunft daraus zu machen. Innovation statt kleinster gemeinsamer Nenner muss der Maßstab politischer Mehrheitsbildungen sein", fordert VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann. "Wir brauchen ein klares Signal für einen digitalen Aufbruch, für Bildung und Forschung, eine innovations-freundliche Steuerpolitik und vor allem Vorfahrt für Flexibilität und gute Ideen."

Mit der Wahl in Deutschland ist es nach Ansicht von Brodtmann an der Zeit, "den europäischen Knoten" aufzulösen. "Nun ist die Chance gegeben, dass Deutschland und Frankreich die Initiative ergreifen und den Mut für die notwendigen Reformen aufbringen."

In der AfD sieht Brodtmann keinen Partner für die Zukunft. "Nur Europa, freie Märkte und weltoffene Gesellschaften schaffen Wohlstand und Beschäftigung. Der Rückzug auf die eigene Scholle hat noch keinen vorangebracht."

Industriepolitik der Parteien im Überblick

Was heißt eigentlich Jamaika für die Industriepolitik? Im Vorfeld der Wahl haben die Parteien ihre industriepolitischen Pläne für Produktion zusammengefasst.

Einen Überblick finden Sie hier.

Ganz ähnlich äußert sich auch der Digitalverband Bitkom: "Verantwortung übernehmen!", fordert Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. "Die nächsten vier Jahre sind Deutschlands Schicksalsjahre. Jetzt entscheidet sich, ob die digitale Transformation gelingt. Und jetzt müssen alle, die sich politischen Extremen zuwenden, von unserem gewachsenen Wertekodex überzeugt werden. Wir brauchen für die kommenden vier Jahre eine mutige, stärker auch auf die Gesellschaft ausgerichtete Digitalpolitik, die alle mitnimmt. Wir brauchen Digital für alle. Und wir brauchen massive Investitionen in das Bildungswesen, in die technische Ausstattung von Schulen und in die Lehrerschaft."

Die Amerikanische Handelskammer in Deutschland (AmCham Germany) fordert unterdessen ein konsequentes Bekenntnis zum freien und fairen Handel und hat wirtschaftspolitische Handlungsempfehlungen zur Neujustierung der Agenda nach den Bundestagswahlen formuliert.

Deutschlands Wirtschaft zeichnet sich durch stabiles Wachstum und eine niedrige Arbeitslosenquote aus. Wichtig seien jetzt eine schnelle Regierungsbildung und die Fortführung des konstruktiven Dialogs mit den Partnern in der EU und in den USA. Der Standort Deutschland sei konfrontiert mit Unsicherheiten in der transatlantischen Partnerschaft, mit Migrationsbewegungen aus verschiedenen Teilen der Welt sowie mit anhaltenden Differenzen innerhalb der Europäischen Union. Die neue Legislaturperiode müsse dazu genutzt werden, die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Standortes zu erhalten und weiter auszubauen.

"Gerade in unsicheren Zeiten ist es wichtig, dass Europa eine Leuchtturmfunktion einnimmt und die Regeln des Welthandels mitgestaltet. Ein Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU würde Standards setzen, unseren Wohlstand sichern und Innovationen über Jahrzehnte hinaus fördern. Diese Standards können auch eine Signalwirkung für die Weltwirtschaft haben", sagt Bernhard Mattes, Präsident von AmCham Germany. "Europa und die USA stehen zusammen für fast ein Drittel des Welthandels."

9. Deutscher Maschinenbau-Gipfel

Der Maschinenbau gilt als die Leitbranche und das Aushängeschild der deutschen Industrie. Doch auch die starke Branche bleibt von geopolitischen Ereignissen Protektionismus, Brexit oder länderübergreifenden Spannungen nicht unbehelligt.

Auf dem 9. Maschinenbau-Gipfel in Berlin erfahren Sie, was Branchen-Experten zu den Themen denken – und welche Tipps sie für Sie haben. Wir haben die Antworten auf Ihre Fragen.

Hier erfahren Sie mehr zum Maschinenbau-Gipfel und können sich anmelden.