Deutschland gehört nicht mehr zu den drei größten Rüstungsexporteuren. Waffen aus China kommen

Deutschland gehört nicht mehr zu den drei größten Rüstungsexporteuren. Waffen aus China kommen weltweit immer häufiger zum Einsatz. - Bild: Krauss-Maffei Wegmann

Staatliche Rüstungskonzerne wie die Norinco Group nehmen auf Waffenmessen mittlerweile einen prominenten Platz ein. Sie haben sich neue Käuferschichten jenseits der bisherigen Kunden in Südasien erschlossen. Beispielsweise beliefern sie Nigeria mit bewaffneten Drohnen für den Kampf gegen die Terrorgruppe Boko Haram.

Militärs und Politiker der USA und ihrer Verbündeten haben zwar Bedenken hinsichtlich Chinas schnellwachsenden militärischen Potenzials und seiner territorialen Ansprüche im Pazifik geäußert. Chinas Rolle als Exporteur hat bislang jedoch weniger Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Deutlicher Anstieg der Waffenausfuhren

Die Waffenausfuhren Chinas sind seit der Fünfjahresperiode per Ende 2009 bis Ende 2014 um 143 Prozent gestiegen, wie aus dem jährlichen Bericht des Stockholm International Peace Research Institute hervorgeht, dem üblicherweise von Politikern und Rüstungsunternehmen eine große Aufmerksamkeit zuteil wird.

China repräsentiert lediglich 5 Prozent des globalen Waffenexportmarktes, dessen Volumen etwa 300 Milliarden US-Dollar pro Jahr beträgt. Die USA kamen im Zeitraum 2010 bis 2014 auf 31 Prozent, Russland auf 27 Prozent. Chinas Anteil hat sich jedoch im vergangenen Jahrzehnt mehr als verdoppelt.

“Die Ausrüstung, die Sie heutzutage aus China bekommen, ist wesentlich besser als das, was Sie vor zehn bis 15 Jahren bekommen haben”, sagte Siemon Wezeman, ein hochrangiger Forscher des Stockholmer Instituts. Kunden, die früher im Westen oder in Russland eingekauft haben, könnten sich jetzt an China wenden, wo sie oftmals Waffen ähnlicher Qualität zu deutlich niedrigeren Preisen bekämen, sagte der Forscher.

Ein bevorstehender 3,4 Milliarden US-Dollar schwerer Deal für die Lieferung eines Raketenabwehrsystems an die Türkei zeigt, wie chinesische Waffenhersteller Kunden außerhalb ihrer traditionellen Märkte gewinnen.

Zwei Drittel der chinesischen Waffenexporte gingen an Pakistan, Bangladesch und Myanmar. Afrika ist zu einem Schlüsselmarkt geworden. Laut Stockholmer Institut belieferte China dort 18 Länder.

Chinesische Waffenhersteller sind vermehrt auf globalen Waffenmessen zu finden, um ihre Erzeugnisse anzupreisen. So haben sie auch im Februar an der Messe Idex in Abu Dhabi teilgenommen. Staatliche chinesische Firmen warben für eine ganze Reihe von Waffen, darunter das hochentwickelte Luft- und Raketenabwehrsystem FD-2000, das Flugzeuge in einer Entfernung von bis zu 125 Kilometern vom Himmel holen kann. Außerdem wurde die bewaffnete Drohne Wing Loong gezeigt, die stark an die General Atomics Reaper erinnert, welche das US-Militär in Afghanistan und im Irak einsetzt.

Während sich die Verantwortlichen im Pentagon über die hochentwickelten Langstrecken-Marschflugkörper ärgern, die China im Pazifikraum aufstellt, wird ihre steigende Verbreitung ebenfalls mehr und mehr zum Thema.

“Eine der Sorgen über China ist nicht nur, dass sie ihre Waffen modernisieren – wir erwarten keinen Konflikt mit China -, sondern dass sie sie exportieren”, sagte Frank Kendall, Chef-Waffeneinkäufer des US-Verteidigungsministeriums, letztes Jahr vor dem Kongress.

Das chinesische Außenministerium betont, dass Peking bei Exporten “umsichtig und verantwortungsvoll” vorgeht, und sich an seine internationalen Verpflichtungen hält.

Der Aufstieg seiner heimischen Waffenindustrie hat auch dazu geführt, dass China in der Rangliste der Importeure zurückgefallen ist. In der Periode 2005 bis 2009 war das Land größter Importeur der Welt, jetzt liegt es auf dem dritten Platz, wie der Bericht aus Stockholm zeigt. Die Waffeneinfuhren gingen in dem Zeitraum um 42 Prozent zurück.

Für Deutschland ging es in der globalen Rangliste der Exporteure weiter nach unten. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat mehreren Waffengeschäften seine Zustimmung verweigert.

Die deutschen Waffenexporte gingen in den fünf Jahren per Ende 2014 um 43 Prozent im Vergleich zum Zeitraum 2005 bis 2009 zurück. Die restriktivere Exportpolitik belastet Rüstungskonzerne wie die Rheinmetall AG.

Saudi-Arabien ist einer der Märkte, bei denen sich Deutschland mit Waffenexporten zurückhält. Auch Schweden hat letzte Woche eine militärische Kooperation mit dem Königreich aus dem Nahen Osten beendet. Dennoch ist Saudi-Arabien mittlerweile der zweitgrößte Waffenimporteur der Welt nach Indien. Forscher Wezemann erwartet, dass das Land auf absehbare Zeit ganz weit oben bleiben wird. Die größten Lieferanten der Saudis sind Großbritannien und die USA.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke