Martin Eisenhut, A.T. Kearney, Davos, Weltwirtschaftsforum, Digitalisierung

Dr. Martin Eisenhut ist Partner und Managing Director Central Europe bei A.T. Kearney. - Bild: A.T. Kearney

Gastkommentar von Dr. Martin Eisenhut:

"Davos 2017 wird der internationalen Führungsriege in Erinnerung bleiben. Denn dort, wo sich alljährlich Entscheider treffen, um die Geschicke der Welt neu zu justieren, herrschte diesmal vor allem eines: Verunsicherung. Vorbei die Zeiten, in denen die Globalisierung der Grundkonsens zwischen Politik, Unternehmen und Wissenschaft bildete.

In den USA sitzt mit Donald Trump ein Präsident im Weißen Haus, der anstatt auf Brücken auf Mauern und Abschottung setzt. Chinas Staatschef Xi Jinping verteidigt plötzlich den Freihandel. Mittendrin die Europäische Union, die um Einheit ringt angesichts ernsthafter Renationalisierungsbewegungen.

All dem nicht genug zeigte Davos, dass auch Wirtschaftsführer die wachsende soziale Ungleichheit in der Welt als eine der zentralen Herausforderungen sehen. Im Gegensatz zu manch früheren Tagungen diskutierte man jedoch ernsthaft nicht nur die Chancen, sondern auch die Risiken der fortschreitenden Digitalisierung.

Derweil scheint in Anbetracht dieser Entwicklungen auch für die Industrie der Blick in die Zukunft schwammig – Werden deutsche Autobauer in den USA mit hohen Strafzöllen kämpfen müssen? Welche Regelungen wird es für den Handel mit Großbritannien geben? Welche Veränderungen die Industrie 4.0 für die Produktion mit sich bringt, weiß derzeit auch noch niemand so genau. Klar ist, dass die Fabrik 4.0 ein Ort sein wird, der digitaler, virtueller und ressourceneffizienter ist. Drei zentrale Eigenschaften der Fabrik der Zukunft haben wir auf dem WEF herausgearbeitet.

Erstens: Digitale Fertigungsprozesse werden verbunden, automatisiert und flexibel! Das Internet der Dinge, Analytik und künstliche Intelligenz werden Effizienz, Ausfallzeiten und Wartungen verbessern, im besten Fall minimieren. Durch den Einsatz von Virtual Reality können Mitarbeiter Design, Produktionsprozesse und Materialflüsse optimieren, während 3D-Druck eine optimale Anpassung schafft.

Zweitens: Zwischen Mensch und Maschine entstehen neue Beziehungen, und das nicht nur in Konkurrenz, sondern vor allem auch in Partnerschaft. Augmented Reality und Wearables verändern die Art und Weise, wie Angestellte in der Fabrikhalle Dinge zusammenbauen oder Entscheidungen treffen. Produktivität und Qualität werden signifikant steigen, aber nur, wenn dies einher geht mit höherer Flexibilisierung und bestens ausgebildeten Beschäftigten.

Und drittens ändern sich auch Struktur und Lage der Fabriken. Die Fabrik 4.0 ist hoch effizient und nachhaltig, zunehmend modularisiert mit austauschbaren Produkten, die für mehrere Produktions-Chargen leicht konfiguriert werden können. Dafür braucht es kleinere und flexiblere Einheiten, die sich direkt an der Abnahmestelle befinden, sodass auf lokale Anforderungen mit einer reaktionsfähigeren Lieferkette geantwortet werden kann. Dezentralisierte Produktion wird zur Norm – und zwar on demand.

In Davos war man sich einig, dass die disruptiven Kräfte der Digitalisierung eine Chance für die Produktion sind, einen neuen Stellenwert zu erlangen und die Reindustrialisierung in hoch entwickelten Ländern einzuleiten. Dafür braucht es aber neben visionären Energien und Durchsetzungswillen vor allem Mut! Erfolgreich als Unternehmer wird sein, wer die Digitalisierung als Chance begreift. Dazu gehört auch, die Wertschöpfungskette infrage zu stellen.

Mein Appell an die Industrie ist, sich nicht der Verunsicherung hinzugeben! Die größere Bedrohung als Roboter sind aktuell die weltpolitischen Entwicklungen. Es wäre wünschenswert, wenn sich die Politik öfter ein Beispiel an den Unternehmen nehmen würde, die schon jetzt mit Mut und Innovationslust der Industrie 4.0 ihren Weg bereiten, anstatt technischen Fortschritt und Globalisierung für das eigene Versagen verantwortlich zu machen. Ich bin gespannt, wie das die Diskussion und Stimmung in Davos 2018 prägen wird."

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