Deutsche Bank, Brexit, Chefvolkswirt

Großbritannien braucht laut Folkerts-Landau ein starkes und dynamisches Europa. - Bild: pixabay

Der Abschied Großbritanniens aus der Europäischen Union sollte aus Sicht des Chefvolkswirts der Deutschen Bank ohne Groll ablaufen. "Großbritannien und Europa brauchen sich auch weiterhin gegenseitig", mahnte David Folkerts-Landau. Brüssel sollte deshalb allen Forderungen widerstehen, Strafmaßnahmen gegen Großbritannien zu ergreifen, nur um einen Warnschuss an die anderen Mitgliedstaaten abzugeben. "Dies muss die freundschaftlichste aller Scheidungen werden, bei der beide Seiten ohne Groll zusammenarbeiten", sagte er.

Großbritannien braucht laut Folkerts-Landau ein starkes und dynamisches Europa. "Denn dorthin gehen 45 Prozent der Exporte des Landes", sagte er. Auch in der Sicherheitspolitik seien Europa und Großbritanniens aufeinander angewiesen.

Wie sein Vorstandschef John Cryan sieht auch der Chefvolkswirt der Deutschen Bank den Brexit als Warnschuss für die Europäische Union. "Dass Großbritannien nun seinen eigenen Weg geht, spiegelt ein verbreitetes Misstrauen in das europäische Projekt wider", sagte Folkerts-Landau. Dies sei wiederum eine Folge des schwachen Wirtschaftswachstums. "Die Europäische Union wäre heute erfolgreicher und attraktiver für die Wähler, wenn die Reformen früher begonnen hätten und eine immer lockerere Geldpolitik es nicht so einfach gemacht hätte, schwierige Entscheidungen zu vermeiden."

Europa wird ohne Großbritannien ärmer sein, so Folkerts-Landau: "Europa wird ohne seinen hellsten Stern auf jeden Fall ein dunklerer Ort sein; das wäre vermeidbar gewesen."