Nach einem Medienbericht werden die Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen,

Nach einem Medienbericht werden die Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, noch heute ihren Rücktritt bekannt geben. - Bild: Deutsche Bank/Mario Andreya

Der erwartete Rücktritt der beiden Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, könnte die künftige strategische Ausrichtung der Deutschen Bank verändern.

Wie “Dow Jones” aus gewöhnlich gut unterrichten Kreisen erfuhr, ist mit einer Ankündigung der Rücktritte noch am Sonntag zu rechnen. Jain werde den Rücktritt zum Monatsende einreichen und der Bank weiter als Berater zur Verfügung stehen. Fitschen wolle die Bank nach der nächsten Hauptversammlung im kommenden Mai verlassen.

Serie von Misserfolgen

Die Rücktritte folgen nach einer Serie finanzieller Misserfolge und Geldstrafen, drunter 2,5 Milliarden Dollar wegen des Manipulierens von Zins-Benchmarks wie dem Libor. Einige Großaktionäre hatten zuletzt immer lautstärker ihr Missfallen über die Performance der Bank und ihre Ungeduld mit den Plänen für einen Umschwung geäußert.

Zusätzlichen Druck habe der Prozess gegen Fitschen wegen des Kollapses des Kirch-Konzerns aufgebaut. Fitschen hat die Anschuldigungen allerdings zurückgewiesen.

Der Aufsichtsrat werde am Nachmittag zusammentreten und einen Nachfolger für Jain auswählen. Die besten Chancen hat laut der Kreise John Cryan, früherer Finanzvorstand der UBS.

Schwenk in der strategischen Ausrichtung?

Mit den plötzlichen Rücktritten gilt nun ein Schwenk in der strategischen Ausrichtung der Bank als möglich. Zur Enttäuschung einiger Anleger hätten Jain und Fitschen den radikalen Umbau Bank mit der Teilung in zwei selbständige Gesellschaften für das Investment-Banking und das Retail-Bank-Geschäft kurzfristig fallen lassen.

Den Höhepunkt erreichte die Frustration für die Beteiligten, als zur Hauptversammlung nur 61 Prozent die Strategie der Vorstände unterstützen. Das sei ein Schlag ins Gesicht der Vorstände gewesen.

Mit dem Rückzug Jains und Fitschens setzt sich die Rücktrittswelle bei den großen Banken fort. In diesem Jahr sind bereits der Vorstandsprecher der britischen Bank Standard Chartered Peter Sands und der Credit-Suisse-Chef Brady Dougan zurückgetreten. Das Umfeld für die Banken gilt als schwierig, auch wegen der immer schärferen Regulierungsschrauben.

Der unmittelbare Anlass für die Rücktritte schwebe im Dunkeln, aber Jain habe in den vergangenen Wochen entschieden, dass nun der richtige Zeitpunkt für einen Führungswechsel gekommen sei. Vermutlich stehe die Entscheidung in Zusammenhang mit einem neuen Fünfjahresplan der Bank zu den strategischen und finanziellen Zielen. Jain habe darauf mit Fitschen gesprochen, der mit ihm übereinstimmte. Im Anschluss hätten die beiden CEOs den Aufsichtsratchef Paul Achleitner informiert. Auch Großaktionären wie Blackrock seien die Rücktrittspläne bereits bekannt.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke