Die Deutsche Bank bekommt überraschend eine neue Führung: Jürgen Fitschen (li.) und Anshu Jain

Die Deutsche Bank bekommt überraschend eine neue Führung: Jürgen Fitschen (li.) und Anshu Jain (re.) hören auf. - Bild: Deutsche Bank/Mario Andreya

Wechsel in der Chefetage der Deutschen Bank: Jürgen Fitschen und Anshu Jain haben überraschend ihren Rücktritt angekündigt.

Wie “Zeit Online” berichtete, wird Anshu Jain zum 30. Juni 2015 zurücktreten, Jürgen Fitschen zum Abschluss der Hauptversammlung im Mai 2016. Das teilte die Deutschen Bank mit und bestätigte damit mehrere Medienberichte.

UBS-Manager John Cryan wird neuer Chef

Aufsichtsratsmitglied John Cryan wurde gleichzeitig zum 1. Juli 2015 zunächst zum Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank ernannt. Nach dem Ausscheiden von Fitschen soll Cryan alleiniger Vorstandsvorsitzender werden.

Der Aufsichtsrat habe Jain gebeten, bis Januar 2016 als Berater der Bank zur Verfügung zu stehen. Fitschen soll einen geregelten Übergang sicherstellen und bis zum Abschluss der Hauptversammlung am 19. Mai 2016 im Amt bleiben. Die Verträge von Jürgen Fitschen und Anshu Jain hatten ursprünglich eine Laufzeit bis zum 31. März 2017.

Mit den plötzlichen Rücktritten gilt nun ein Schwenk in der strategischen Ausrichtung der Bank als möglich. Zur Enttäuschung einiger Anleger hatten Jain und Fitschen den radikalen Umbau Bank mit der Teilung in zwei selbständige Gesellschaften für das Investment-Banking und das Retail-Bank-Geschäft kurzfristig fallen lassen, wie es in gewöhnlich gut informierten Kreisen heißt.

Rücktritte gelten nun als Schwenk in der strategischen Ausrichtung

Vermutlich stehe die Entwicklung in Zusammenhang mit einem neuen Fünfjahresplan der Bank zu den strategischen und finanziellen Zielen. Jain habe darauf mit Fitschen gesprochen, der mit ihm übereinstimmte. Im Anschluss hätten die beiden CEOs den Aufsichtsratchef Paul Achleitner informiert. Auch Großaktionären wie Blackrock seien die Rücktrittspläne bereits bekannt gewesen.

Den Höhepunkt erreichte die Frustration für die Beteiligten laut der Quellen, als zur Hauptversammlung nur 61 Prozent die Strategie der Vorstände unterstützen. Das sei ein Schlag ins Gesicht der Vorstände gewesen.

Mit dem Rückzug Jains und Fitschens setzt sich die Rücktrittswelle bei den großen Banken fort. In diesem Jahr sind bereits der Vorstandsprecher der britischen Bank Standard Chartered Peter Sands und der Credit-Suisse-Chef Brady Dougan zurückgetreten. Das Umfeld für die Banken gilt als schwierig, auch wegen der immer schärferen Regulierungsschrauben.

John Cryan war von 2012 bis 2014 Präsident Europa von Temasek, dem Staatsfonds Singapurs. Von 2008 bis 2011 war er Finanzvorstand der UBS und hatte seit 1987 verschiedene Funktionen im Corporate Finance-Geschäft und in der Kundenberatung von UBS und SG Warburg inne. Er verfügt über einen Abschluss der Universität Cambridge. Er ist Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank und legt dieses Amt nun nieder.

Zeit Online/Dow Jones Newswires/Guido Kruschke