DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben hat gefordert, die Flüchtlinge möglichst schnell "in

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben hat gefordert, die Flüchtlinge möglichst schnell "in Ausbildung, Weiterbildung und den Arbeitsmarkt" zu integrieren. - Bild: DIHK

Jetzt macht die deutsche Wirtschaft zusätzlichen Druck auf die Politik und will ein entschlosseneres Handeln, um besonders eine Arbeitsmigration von Flüchtlingen zu erleichtern.

“Die Politik muss weitere Weichen stellen, um eine schnelle Integration von Flüchtlingen zu ermöglichen”, verlangt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in einer Stellungnahme für Dow Jones Newswires. Zuletzt beschlossene Erleichterungen zur Aufnahme einer Beschäftigung oder eines Praktikums seien wichtige Schritte gewesen. Darüber hinaus müsse aber ein “Spurwechsel” vom Asylweg in die Arbeitsmigration möglich sein. “Dann könnten Menschen, die keine Chance auf Asyl haben, aber entsprechende Qualifikationen mitbringen, leichter den Weg ins Arbeitsleben finden.”

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben hat gefordert, die Flüchtlinge möglichst schnell “in Ausbildung, Weiterbildung und den Arbeitsmarkt” zu integrieren. “Das ist auch eine zusätzliche Chance für Unternehmen, die händeringend Fachkräfte suchen,” sagte er vergangene Woche in einem Interview mit Dow Jones Newswires, in dem er harte Kritik an der Großen Koalition übte. “Zahlreiche Zollbeamte kontrollieren jetzt den Mindestlohn, aber wir haben keine Betreuungskapazität für Flüchtlinge.” Der Staat gebe in zahlreichen Bereichen Geld aus, in denen es aus Sicht der Wirtschaft unangebracht ist – neben dem Mindestlohn für die Mütterrente oder die Rente mit 63. Das Geld fehle, “um die Flüchtlingswelle bewältigen zu können”.

Die Kammerorganisation betonte nun die Chancen des Zustroms von Flüchtlingen für die Wirtschaft, auch wenn zwischen arbeitsmarktorientierter Zuwanderung und Zuwanderung aus humanitären Gründen klar unterschieden werden und beides “nicht gegeneinander ausgespielt werden” solle. “Dennoch gibt es Überschneidungen: Flüchtlinge können über Qualifikationen verfügen, die in deutschen Betrieben gefragt sind”, konstatiert der DIHK.

Für immer mehr Unternehmen werde der Fachkräftemangel zum wirtschaftlichen Risiko, dies gelte mittlerweile für fast 40 Prozent – 2010 waren es laut DIHK noch lediglich 16 Prozent. Etwa jedes vierte Unternehmen berichte von konkreten Schwierigkeiten, seine offenen Stellen zu besetzen. Besonders in technischen Berufen sowie im Gesundheits- und Pflegebereich bestehen nach den Angaben Fachkräfteengpässe, aber auch im Gastronomiebereich hätten viele Betriebe Probleme, passende Arbeitskräfte zu finden. Gerade bei der Stellenbesetzung für beruflich Qualifizierte hätten die Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten, geeignete Kandidaten zu finden – häufiger als zum Beispiel bei der Einstellung von Hochschulabsolventen.

Der DIHK fordert die Politik deshalb dazu auf sicherzustellen, “dass junge geduldete Ausländer in einer Ausbildung bis zum Abschluss sicher vor Abschiebung sind”. Bei den gesetzlichen Möglichkeiten für eine anschließende Beschäftigung bräuchten die Auszubildenden und die Unternehmen mehr Sicherheit – doch derzeit gebe es eine sehr unterschiedliche Verwaltungspraxis. “Die Bundesregierung hatte es bei der im Juli beschlossenen Bleiberechtreform in der Hand, hier für Sicherheit zu sorgen. Diese Chance hat sie leider nicht genutzt”, bemängelt die Wirtschaftsorganisation. “Nun liegt es bei den Bundesländern, dass ihre Behörden die Regeln zumindest zugunsten der jungen Flüchtlinge anwenden.”

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke