Martin Wansleben

Die deutsche Wirtschaft wird nach Berechnungen des DIHK dieses Jahr weniger kräftig wachsen als erwartet und nächstes Jahr an konjunkturellem Schwung verlieren. Der DIHK (im Bild DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben) senkte am Donnerstag seine Wachstumsprognose für 2015 auf 1,7 Prozent von zuvor 1,8 Prozent und sagte für 2016 ein schwächeres Wachstum von 1,3 Prozent voraus. - Bild: DIHK

Der DIHK senkte am Donnerstag seine Wachstumsprognose für 2015 auf 1,7 Prozent von zuvor 1,8 Prozent und sagte für 2016 ein schwächeres Wachstum von 1,3 Prozent voraus. Der konjunkturelle "Gegenwind nimmt zu", konstatierte die Kammerorganisation.

Die Bundesregierung hatte ihre Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum in diesem Jahr in der vergangenen Woche ebenfalls leicht auf 1,7 Prozent zurückgenommen, die Erwartung für 2016 aber bestätigt und mit 1,8 Prozent deutlich mehr Wachstum als der DIHK vorhergesagt. Die deutsche Wirtschaft soll sich nach Einschätzung von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) "stabil aufwärts" entwickeln. Die führenden deutschen Konjunkturforschungsinstitute sehen sogar für beide Jahre ein Plus von 1,8 Prozent.

Unternehmen sind inzwischen weniger zuversichtlich

Die skeptischere Prognose des DIHK wird aber durch eine Umfrage der Wirtschaftsorganisation untermauert, für die diese von Ende August bis Anfang Oktober nach eigenen Angaben mehr als 27.000 Antworten aus den Mitgliedsbetrieben ausgewertet hat. "In der gesamten Wirtschaft schwindet die Zuversicht für die kommenden Monate", folgerte der DIHK daraus. "Es wird ungemütlicher."

Nur noch 23 Prozent der Betriebe rechneten nun mit besseren Geschäften, während 14 Prozent einen Rückgang erwarten. Der daraus resultierende Saldo der Anteile besserer und schlechterer Erwartungen sank von 13 auf neun Punkte. Nur noch 30 Prozent der Betriebe rechnen inzwischen mit höheren Ausfuhren, während 14 Prozent einen Rückgang erwarten. Besonders vorsichtig zeigt sich demnach die Industrie, deren Sorgen vor allem mit Blick auf ihre Auslandsnachfrage deutlich wüchsen. Auch Händler und Dienstleister würden "allmählich skeptischer".
 

Lageeinschätzung in der Autobranche trübt sich ein

Ihre derzeitige Lage beurteilen die Betriebe laut der Umfrage allerdings noch positiv. "Im Herbst 2015 bekommt die Wirtschaft einen ordentlichen Schub von der Binnennachfrage", erklärte der DIHK zur Begründung. Der Saldo der Lageeinschätzungen über alle Wirtschaftszweige hat sich laut der Erhebung auf 35 Punkte von 32 Punkten im Frühsommer erhöht. Als gut schätzten 44 Prozent ihre Lage ein, als schlecht neun Prozent.

Bauunternehmen und Dienstleister haben ihre aktuelle Lage nach den Angaben zuletzt vor über 20 Jahren besser bewertet, doch sie profitierten vor allem von Sonderfaktoren - konkret den Niedrigzinsen und dem Ölpreisrückgang, der zusammen mit einer guten Einkommensentwicklung die Kaufkraft stärke. Jedoch trübten sich die Lageeinschätzungen in der Industrie im Herbst 2015 schon allmählich ein. Besonders gelte dies für die Vorleister und die Kfz-Industrie.
 

ZEW dämpfte deutsche Konjunkturerwartung

In ihrer aktuellen Prognose gehen die Konjunkturexperten des DIHK davon aus, dass die Konsumausgaben nächstes Jahr mit plus 1,5 Prozent weniger stark zulegen werden als in diesem Jahr, für das sie 2,0 Prozent erwarten. Die Bruttoanlageinvestitionen sollen 2015 um 2,2 Prozent und 2016 um 1,9 Prozent wachsen. Für die Exporte sagt der DIHK eine Steigerung um 5,0 Prozent dieses und 3,5 Prozent kommendes Jahr voraus und für die Importe einen Zuwachs von 6,0 Prozent im laufenden Jahr und 4,5 Prozent im nächsten. Die Inflationsrate soll sich 2016 wieder auf 1,2 Prozent beschleunigen.

Die deutschen Konjunkturhoffnungen hatten erst am vergangenen Dienstag einen empfindlichen Dämpfer erhalten, als der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobene Index der Konjunkturerwartungen für Oktober auf 1,9 Punkte von 12,1 Zählern im September fiel. Nach Einschätzung des ZEW-Präsidenten Clemens Fuest dämpfen "der Abgasskandal bei Volkswagen und die Wachstumsschwäche der Schwellenländer" die Konjunkturaussichten für Deutschland