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Der Handel zwischen Deutschland und Mexiko stieg 2017 um 25 Prozent auf 20 Milliarden Euro. Merkel und Mexikos Präsident Nieto kündigten ein neues Freihandelsabkommen an. - Bild: Gunnar Knüpffer/Produktion

Künstliche Intelligenz, fühlende Roboter oder selbstfahrende Gabelstapler – die Hannover Messe zeigt, was es mit der viel beschworenen Industrie 4.0 auf sich hat. Doch zur Eröffnung der Messe ging es vor allem um etwas völlig anderes.

Mit eindringlichen Aufrufen zu freiem Handel hat die weltgrößte Industrie-Leistungsschau Hannover Messe begonnen. Die Grundsatzeinigung auf ein Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Mexiko sei eine „wirklich gute Nachricht“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntag bei der Eröffnung der Messe.

Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto aus dem diesjährigen Partnerland erklärte trotz protektionistischer Töne von US-Präsident Donald Trump: „Wir haben viel Vertrauen, dass es uns gelingen wird, ein Freihandelsabkommen mit Nordamerika zu schließen und dass es zum Vorteil für alle Partner wird.“

Das aktualisierte Abkommen zwischen der Europäischen Union und Mexiko soll Zölle für Agrarprodukte weitgehend abschaffen, künftig können 99 % der Waren frei gehandelt werden. Insgesamt sollen europäische Unternehmen bis zu 100 Mio Euro pro Jahr an Zöllen sparen.

Die bis zum 27. April dauernde Hannover Messe – verknüpft mit der Logistik-Messe Cemat – soll den neuesten Stand bei Digitalisierung und Vernetzung von Produktionsabläufen (Industrie 4.0) abbilden. Mehr als 5 000 Aussteller aus 75 Ländern stellen neue Produkte und Technologien rund um die Zusammenarbeit von Robotern und Menschen, künstliche Intelligenz sowie die Vorbereitung der Stromnetze auf die E-Mobilität vor.

Peña Nieto kündigte es als Ziel an, sein Land als attraktiven Wirtschaftsstandort zu präsentieren. Die meisten der rund 125 Mio Einwohner seien jung, es sei ein dynamischer Markt, der Investoren Rechtssicherheit biete. Mexiko sei eine der am stärksten in die Welt integrierten Ökonomien.

Merkel betonte, Mexiko sei Deutschlands wichtigster Handelspartner in Lateinamerika. „Wir sind nicht nur gute Handelspartner, wir sind auch gute Investitionspartner“, erklärte sie mit Blick etwa auf die Auto-, Pharma- und Logistikbranche.

Der Handel zwischen Deutschland und Mexiko sei auf über 20 Mrd Euro im vergangenen Jahr gestiegen – ein Plus von 25 % im Vorjahresvergleich.

Während der Hannover Messe  werde zudem eine Kooperationsvereinbarung zwischen Mexiko und Deutschland zum Thema Industrie 4.0 unterschrieben, kündigte die Kanzlerin an. Dies sei eine gute Nachricht für all diejenigen, denen eine gute Zusammenarbeit auch in dem kommenden Jahren am Herzen liege.

Die deutsch-mexikanische Wirtschafts-Partnerschaft lebe auch davon, dass die Länder mehr verbindet als man auf den ersten Blick vermuten könne. „Uns verbinden Werte und Überzeugungen“, sagte Merkel. „Wir glauben daran, dass multilaterale Zusammenarbeit ein Mehrwert für alle sein kann.“ Mexikaner und Deutsche wüssten um die gemeinsamen Herausforderungen und träten für einen freien Welthandel ein, der auf gemeinsamen Regeln basiert. Es komme auf einvernehmliche Verhandlungslösungen an. Dafür würde die Welthandelsorganisation WTO den richtigen Rahmen bieten. Bilaterale Handelsabkommen seien dabei eine gute Ergänzung.

Die CDU-Politikerin kündigte zudem mit Blick auf den Trend zur künstlichen Intelligenz die Bündelung aller Kapazitäten in der Forschung und bessere Vernetzung mit der Wirtschaft an. Denn bei der „Plattformwirtschaft sind wir längst nicht so gut andere, zum Beispiel die USA und China“, sagte Merkel. Auch will China bis 2030 der führende Anbieter für Künstliche Intelligenz werden. Auf dem Feld müsse Deutschland aufholen. „Die sechs Monate Regierungsbildung dürfen nicht der Maßstab sein für die Geschwindigkeit, mit der wir hier arbeiten", sagte die Kanzlerin.

Zudem kündigte Merkel einen verstärkten Breitbandausbau an. Beim Aufbau des 5G-Netzes wolle sie gemeinsam mit den Bundesländern systematisch vorgehen.

Auch will die Kanzlerin die steuerliche Forschungsförderung in dieser Legislaturperiode umsetzen. „Ich glaube, dieses Mal müssen wir es schaffen“, sagte sie bei der Eröffnung.

VDMA-Präsident Carl Martin Welcker erklärte, ein besseres Partnerland als Mexiko hätte es 2018 angesichts der politischen Herausforderungen, vor denen die Welt steht, kaum geben können. „Die beiden Länder Mexiko und Deutschland wissen um die Bedeutung der eigenen Wertschöpfung.“ Handel und globaler Warenaustausch seien „hier wie dort die Basis für breiten und wachsenden Wohlstand“, betonte er.

„Ganz gleich, ob virtuelle oder echte Mauern - jeder verliert, gleichgültig ob links oder rechts der Mauer“, sagte er mit Blick auf entsprechende Pläne von US-Präsident Trump.