Bild: Alexander Raths - Fotolia.com

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Frauen gezielt zu fördern, um den Fachkräftemangel zu mildern, gestaltet sich schwieriger als vermutet, so die Analyse der bayerischen Unternehmerverbände der Metall- und Elektroindustrie.

von Susanne Bader

MÜNCHEN. Deutschland steuert auf einen spürbaren Fachkräftemangel zu. Diese Lücke könnte laut Experten zu einem Großteil mit weiblichen Fachkräften geschlossen werden, die derzeit nicht oder in Teilzeit arbeiten. Was aber hält die Frauen davon ab, Berufschancen vor allem in technischen Berufen zu nutzen? Und warum sind sie nach wie vor in Führungspositionen so weit unterrepräsentiert, dass von Seiten der Politik die Frauenquote in den oberen Unternehmensetagen gefordert wird? Diese Fragen zu beantworten, war den bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbänden und der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. (vbw) ein Anliegen, so dass sie im Rahmen einer Umfrage Antworten suchten.

„Allein in Bayern werden laut einer vbw-Studie über eine halbe Million Fachkräfte fehlen“, sagt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. „Frauen sind in der Berufswahl in vielen Branchen unterrepräsentiert. Diese Potenziale gilt es zu heben.“ Die Umfrage habe gezeigt, dass in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie der Frauenanteil immerhin 25 % beträgt. Dabei liegt der Anteil der Frauen in den ersten drei Führungsebenen jedoch nur zwischen 8 und 9 %.

Die Umfrage belege auch, dass „drei Viertel der bayerischen Unternehmen Schwierigkeiten haben, weibliche Mitarbeiter für Führungsaufgaben zu gewinnen.“ Einer der Gründe dafür sei, dass gerade die Metall- und Elektroindustrie ihre Führungskräfte aus dem mathematisch-naturwissenschaftlichen (MINT-) Umfeld rekrutiert. „Frauen wählen aber seltener diese Berufe als Männer“, sagt Brossardt. Und zwar in ganz Deutschland: Die MINT-Quote für Frauen betrug im Bundesgebiet 2009 ganze 20 %, wobei 12,8 % der Absolventinnen einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Abschluss und nur 7 % einen ingenieurwissenschaftlichen Abschluss erhielten.

Bereits hier klaffe eine Lücke, so Brossardt, denn wenn kaum eine Frau Ingenieurin werde, könnten Frauen kaum Chefpositionen in Technikfirmen einnehmen. Trotz allem Engagements seitens Unternehmen und Verbänden zeichne sich noch immer keine wirklich Verbesserung ab, denn die Zahl der MINT-Absolventinnen sei von 2005 bis 2009 zwar gestiegen, aber nur sehr gering. So stieg die Quote der Absolventinnen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich stieg von rund 11 % (2005) auf 12,5 % (2009), bei den Ingenieurswissenschaften legte sie jedoch nur um 0,1 % zu (Gesamt: 5,9 % im Jahr 2009). Die Erstabsolventinnen-Quote ist hier sogar rückläufig.

Die Familie ist ein weiterer Grund dafür, dass Frauen häufiger als Männer aus der klassischen Berufskarriere ausscheiden. „Wir brauchen ein neues gesellschaftliches Umfeld, das sich von tradierten Rollenbildern und dem Modell der Alleinverdienerfamilie verabschiedet“, fordert daher Brossardt.