"Wir werden nicht in die Schlichtung gehen", sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Montag und blieb

"Wir werden nicht in die Schlichtung gehen", sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Montag und blieb trotz heftiger Klagen aus Politik und Wirtschaft hart. - Bild: GDL

Ab Dienstagnacht sind auch im Personenverkehr deutlich weniger Züge auf den Gleisen.

Die GDL ignoriert bisher alle Aufrufe, einen Schlichter hinzuzuziehen und den Arbeitskampf zu beenden. “Wir werden nicht in die Schlichtung gehen”, sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Montag und blieb trotz heftiger Klagen aus Politik und Wirtschaft hart.

Bahnvorstand Ulrich Weber hatte danach an Weselsky appelliert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und den Ausstand in letzter Minute abzublasen. Weber weiß dabei auch die Bundesregierung hinter sich.

Regierung zweifelt an der Verhältnismäßigkeit des Streiks

Sowohl Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) als auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zweifeln an der Verhältnismäßigkeit des Streiks, der der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn zu werden droht. Merkel verwies auf die gravierenden Folgen für die Fahrgäste und Wirtschaft. Deshalb müsse alles daran gesetzt werden, eine Lösung zu finden. “Ich sehe den Weg der Schlichtung, aber ganz offensichtlich ist es noch nicht soweit. Aber da müssen wir hinkommen.”

Worauf die Kanzlerin anspielte, ist der derzeitige Unwillen Weselskys, auf eine Schlichtung umzuschwenken. Voraussetzung dafür ist aber auch die Zustimmung der GDL. Erst dann könnte ein altgedienter Politiker wie zum Beispiel Kurt Biedenkopf versuchen, einen Kompromiss auszuloten. Weselsky beharrt jedoch darauf, auch für Schaffner und anderes Zugpersonal Tarifverträge abzuschließen. “Wir lassen nicht über Grundrechte schlichten”, beharrte der GDL-Chef.

Denn Kern des harten Kampfes sind nicht höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten, sondern der Machtkampf zweier Gewerkschaften um die Bahn-Beschäftigten. Die GDL will ihren Machtbereich auch auf Schaffner und die Mitarbeiter der Bordgastronomie ausdehnen, die bisher von der Eisenbahnergewerkschaft EVG vertreten werden. Für die Spitze des Schienenkonzerns ist das eine Horrorvorstellung, weil es unterschiedliche Tarifverträge für die gleiche Berufsgruppe bedeuten könnte. Das wiederum könnte für stete Unruhe und Zwietracht bei der Belegschaft führen.

An der Ausgangslage des Streiks hat sich seit zehn Monaten nichts geändert. GDL-Chef Weselsky wirft der Bahn vor, zu tricksen und zu täuschen. Der oberste Lokführer will es jetzt wissen und setzt auf die harten Bandagen. Im Personenfernverkehr hat das zur Folge, dass nur jeder dritte Zug rollt. Bis Sonntag müssen sich Fahrgäste und Unternehmen, die Güter auf der Schiene transportieren, auf erhebliche Einschränkungen einstellen.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke