Unerwarteter Rücktritt: Nachdem sich die griechische Bevölkerung gegen die Reformpläne

Unerwarteter Rücktritt: Nachdem sich die griechische Bevölkerung gegen die Reformpläne ausgesprochen haben, nimmt Finanzminister Varoufakis seinen Hut. - Bild: dpa

Einige Mitglieder der Eurogruppe hätten ihm klar gemacht, dass sie es vorziehen würden, wenn er nicht mehr an ihren Treffen teilnehmen werde, erklärte Varoufakis am Montag in seinem Internetblog. Sein Abschied sei von Ministerpräsident Alexis Tsipras als “potenziell hilfreich” betrachtet worden, weshalb er “heute” das Finanzministerium verlasse.

Der Rücktritt des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis sei “eine sehr wichtige Nachricht” und eine “sehr positive Entwicklung”, sagt Demetrios Efstathiou, ein Analyst der ICBC Standard Bank. Denn Varoufakis habe das Vertrauen seiner europäischen Amtskollegen verloren, und die weiteren Verhandlungen dürften sich ohne ihn “etwas einfacher” gestalten, vermutet Efstathiou.

Griechenland stürzt ins Unbekannte

Unterdessen haben die Griechen mit ihrem unmissverständlichen “Nein” zum Angebot der internationalen Geldgeber ihr Land und die Eurozone ins völlig Unbekannte gestürzt.

Der Eurogruppen-Chef und niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hält den Ausgang der Abstimmung für “sehr bedauerlich für die Zukunft Griechenlands”. Er fügte hinzu: “Schwierige Maßnahmen und Reformen sind unvermeidbar.” Viele Beobachter inner- und außerhalb Griechenlands rechnen nunmehr mit einem Ausscheiden des Landes aus der Währungsunion.

Thilo Brodtmann, VDMA-Hauptgeschäftsführer, warnt mit Blick auf das Referendum vor einseitigen Zugeständnissen: „Das griechische Volk hat sich gegen die Erfüllung bestehender Verträge entschieden. Damit rückt eine Lösung der Haushalts- und Wirtschaftskrise in immer weitere Ferne.”

Griechenlands Regierungschef Alexis Tspiras möge das Vertrauen einer Mehrheit seiner Bürger haben, das Vertrauen der anderen Europäer und der europäischen Investoren hat er dagegen nicht. “Hilfe für die in Not geratene griechische Bevölkerung ist eine Frage der Solidarität innerhalb Europas – das darf aber nicht zu weiteren einseitigen Zugeständnissen an die Regierung in Athen führen“, argumentiert Brodtmann.

Karoline Kopp/Dow Jones Newswires