Flüchtlinge Arbeit

Bundesregierung und das Handwerk in Deutschland wollen mit einer gemeinsamen Initiative in den nächsten zwei Jahren bis zu 10.000 junge Flüchtlinge gezielt ausbilden und in Arbeit bringen. - Bild: Friedhelm Loh Group

Für das Programm stellt das Bundesbildungsministerium bereits in diesem Jahr 20 Millionen Euro zur Verfügung, wie Ministerin Johanna Wanka am Freitag in Berlin mitteilte. An der "Qualifizierungsinitiative für junge Flüchtlinge" sind außerdem der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und die Bundesagentur für Arbeit beteiligt.

Ziel der Initiative ist es Wanka zufolge auch, Ausbildungsplätze in solchen Regionen zu besetzen, die bislang wenig oder gar keine Auszubildenden bekommen. ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer verwies darauf, dass im vergangenen Jahr bundesweit 17.000 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden konnten.

"Große Anstrengung"

Das Programm wendet sich an Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge sowie an Asylbewerber oder Geduldete mit Arbeitsmarktzugang. Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass die jungen Flüchtlinge nicht mehr schulpflichtig und unter 25 Jahre sind.

Das Potenzial scheint riesig. Die Hälfte der rund eine Million Flüchtlinge, die im letzten Jahr nach Deutschland kamen, war unter 25 Jahre, wie Wanka erklärte. Es sei dann schnell gesagt worden, dass man mit diesen Menschen das Fachkräfteproblem lösen und der demografischen Entwicklung entgegensteuern könne. Doch sei dies "überhaupt kein Automatismus, sondern es bedarf großer Anstrengungen", sagte die CDU-Politikerin.

Junge Frauen gezielt fördern

Im Rahmen der Initiative sorgt das Bildungsministerium für eine individuelle Betreuung und Vorbereitung der Flüchtlinge. Dies geschieht unter anderem drei Monate lang in überbetrieblichen Ausbildungsstätten. Dort lernen die Flüchtlinge verschiedene Berufsfelder kennen und erwerben fachsprachliche Kenntnisse. Außerdem können sie in der Zeit bis zum Beginn des Ausbildungsjahres ein Betriebspraktikum machen.

Es gehe nicht darum, "alle irgendwie zu bilden", sondern darum, zielgerichtet vorzugehen, sagte Wanka. Man werde insbesondere darauf achten, junge Frauen anzusprechen und zu fördern.

Wollseifer erklärte, das Handwerk brauche "keine Schubkarrenschieber. Wir brauchen Fachkräfte in Deutschland". Man wisse schon, dass man nicht alle offenen Ausbildungsplätze besetzen könne. Aber man könne das Problem zumindest ein wenig lindern.

BA trifft Auswahl

BA-Chef Frank-Jürgen Weise sagte, seine Behörde werde eine Auswahl der in Frage kommenden Flüchtlinge treffen und diese beraten. Dabei werde es auch darum gehen, bereits vorhandene Fähigkeiten richtig zu beschreiben und eventuell bestehende Qualifikationen anzuerkennen.

Ein Problem für die Arbeitgeber sei der ungeklärte Status eines Flüchtlings, sagte Weise: "Wenn der nicht geklärt ist, wird nicht eingestellt." Die Statusfeststellung müsse und werde deshalb schneller erfolgen, sagte Weise, der auch Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ist.

Außerdem sollen die Flüchtlinge bei Bedarf berufsbegleitend qualifiziert werden und vor allem Deutsch lernen. Sprechen und lesen gehe ganz gut, "das Schreiben braucht länger", sagte Weise. Es werde deshalb für die Flüchtlinge schwierig, den hohen Standards in der Berufsschule gerecht zu werden. Die Standards könne und wolle man jedoch nicht absenken.