Kongress-Mitveranstalter Dr. Walter Döring. Bild: Döring

Kongress-Mitveranstalter Dr. Walter Döring. Bild: Döring

In Deutschland gibt es Erhebungen zur Folge 1850 Weltmarktführer: Sind die wirtschaftpolitischen Voraussetzungen besonders gut hier in Deutschland für die sogenannten Hidden Champions? 

Döring: Fakt ist doch, dass nämlich etwa 70 Prozent dieser Weltmarktführer Familienunternehmen, also Eigentümer-Unternehmen sind. Und völlig zu Recht genießen diese Unternehmer sowohl in der Gesellschaft als auch in der Politik einen besonderen Stellenwert. Die Kombination Eigentümer-Unternehmer ist verantwortlich für die vielen, vielen Innovationen, die Deutschland seit Jahren auf Spitzenpositionen im Exportmarkt bringt. Daher verdienen sie auch die Unterstützung durch die Politik, diesen erfolgreichen Weg gehen zu können. Als Beispiel seien hier Wirtschaftsdelegationsreisen in neue Zielmärkte genannt. Aber unterm Strich, es bleibt die herausragende Leistung von Eigentümer-Unternehmen, die sich in dem gesellschaftlichen Umfeld und überwiegend auch im politischen Umfeld der Bundesrepublik Deutschland gut entwickeln konnten und können. 

Warum sind familiengeführte Unternehmen als Weltmarktführer so erfolgreich? 

Döring: Familienunternehmen denken grundsätzlich in größeren Einheiten und nicht in erster Linie, was im Quartalsbericht zu stehen habe. Diese Unternehmen denken in Generationen und fühlen sich den Familien, dem Unternehmen verpflichtet und nicht einer Öffentlichkeit, der sie irgendwelche Berichte abzuliefern haben. Dazu kommt ein wesentlich größeres Innovationspotenzial, überdurchschnittlich hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung; sie besetzen Nischen konsequent und sie machen das Alles in aller Stille. Und interessanterweise ist der Weg von der Innovation zur Realisierung in Familienunternehmen kürzer, direkter. Das spricht für die Schnelligkeit, für die Geschwindigkeit und das rasche Umsetzen von unternehmerisch für wichtig gehaltenen Entscheidungen. Und das ist ein weiterer großer Vorteil, dass die Familienunternehmen auch im Entwickeln, im Erfinden, bei Innovationen schneller, direkter und präziser in der Umsetzung sind, als das große Konzerne oftmals können. 

  

Welchen Beitrag sollte die Politik – Wirtschaft wie Bildung – auf dem Hintergrund der großen Krisen und der kommenden Herausforderungen für diese Klientel in Zukunft leisten? 

Döring: Im Bereich der schulischen Ausbildung muss viel mehr auf Mathematik, Informatik, die naturwissenschaftlichen Fächer und Technik, die sogenannten MINT-Fächer, Wert gelegt werden. Und ich glaube, es ist auch richtig, wenn wir das, was wir vor Jahren mal in Baden-Württemberg begonnen haben, nämlich Unternehmer, Ingenieure in die Schulen schicken und die glänzenden Berufsperspektiven aufzeigen lassen – gerade auf dem Hintergrund des Ingenieurmangels – heute wieder in Angriff nehmen. Zudem müssen wir in unserer Gesellschaft deutlich darauf hinweisen müssen, dass die Zukunft und die wirtschaftliche Stärke unseres Landes – bei aller Wertschätzung der Geisteswissenschaften – doch zu einem Großteil von den Ingenieuren abhängt. Von Seiten der Politik muss den Unternehmen und den Mitarbeitern deutlich signalisiert werden, dass sie sind bei uns gewollt, ja begehrt sind. Es müssen Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, im bürokratischen wie im Steuerbereich. Noch immer ist die Steuergesetzgebung in Deutschland die umfangreichste auf der ganzen Welt. 

Ist die große Anzahl von Weltmarktführern gar ein Indiz dafür, wie intakt unsere Wirtschaft ist – heute und in Zukunft? 

Döring: Ja, selbstverständlich. Also, wenn man mit einer solchen Zahl von Weltmarktführern aufwarten kann wie die Bundesrepublik Deutschland, dann beweist das Mehreres. Es gibt in unserem Land höchst innovative, risikobereite, aber dennoch mit Augenmaß arbeitende Unternehmen. Dass diese auf exzellente Fachkräfte zurückgreifen können, belegt, dass es ein hervorragendes Human Capital gibt und dafür auch die Bildungs- und Forschungslandschaft stimmen muss. Dazu kommen noch eine sehr intakte Infrastruktur und dass das gesamtgesellschaftliche Klima deutlich besser ist, als es oft dargestellt wird. Wir müssen aber in Zukunft auch dafür sorgen, dass wir nicht wieder eine Entwicklung verschlafen, sondern dass wir Technologien – wie etwa im Bereich erneuerbarer Energien – schnell auf den Weg bringen und hier im Land auch umsetzen lassen. Das halte ich für eines der zentralen Themen: Was in Deutschland an Spitzenleistungen erforscht und entwickelt wird, muss dann auch hier realisiert werden, um es zum Exportschlager für die ganze Welt zu machen. 

Vita: Dr. Walter Döring 

- Studium der Geschichte und Anglistik in Tübingen 

- Promotion zum Dr. phil. an der Universität Tübingen 

- sechs Jahre Gymnasiallehrer an verschiedenen Gymnasien 

- 1996 – 2004 stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister des Landes Baden-Württemberg 

- 2004 Gründung Dr. Walter Döring Consulting 

- Lehrbeauftragter an der DHBW Stuttgart (Duale Hochschule Baden-Württemberg) 

- stellvertretender Vorstandsvorsitzender Windreich AG