Fluechtlinge_Rittal

Bild: Rittal

"[...] wir stehen in Deutschland vor der riesigen Herausforderung der Fachkräftesicherung. Und daher sollten wir in den Flüchtlingen auch die Fachkräfte sehen, die wir immer dringender brauchen," forderten Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, und Außenminister Frank-Walter Steinmeier am 20. Juni 2015 in einem Gastbeitrag in der 'Frankfurt Allgemeinen Zeitung'. Hintergrund: Bis 2050 fehlen jedes Jahr rund 400.000 zusätzliche Arbeitskräfte, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung errechnet hat.

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat jedoch starke Zweifel, dass die Fachkräftelücke so einfach geschlossen werden kann: "Die Geschichte vom gut ausgebildeten Flüchtling stimmt nicht", sagte die CSU-Politikerin der "Passauer Neuen Presse". Über ein Drittel habe nur eine Grundschul- oder gar keine Schulbildung. Es werde immer deutlicher, dass Flüchtlinge bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels nur sehr begrenzt helfen könnten, sagte Aigner.

Ifo: Qualifikationsstruktur ist schlecht

Diese Einschätzung belegen auch dioe jüngsten Zahlen, die das Münchener Ifo Institut nun herausgegeben hat. Demnach ist die Qualifikationsstruktur der Einwanderer aus den Krisenstaaten Syrien, Irak, Nigeria und Afghanistan wahrscheinlich schlecht.

"Nach Daten der Weltbank liegt selbst unter den 14-24jährigen der Anteil der Analphabeten in diesen Ländern bei 4, 18, 34 und 53 Prozent. Der Anteil der Hochschulabsolventen beträgt selbst im entwickeltesten dieser Länder (Syrien) nur 6 Prozent; die Gleichwertigkeit der Diplome mit deutschen ist in vielen Fällen nicht gegeben. Flüchtlinge sind zwar eher männlich und jünger als die Durchschnittsbevölkerung, dennoch ist klar: Sie sind schlecht für den deutschen Arbeitsmarkt vorbereitet. Neben Deutschkursen muss Deutschland auch in Berufsbildung investieren, was zusätzliche Kosten verursachen wird", argumentiert das Institut.

Dazu komme, dass viele Flüchtlinge dauerhaft in Deutschland bleiben werden und Familienangehörige nachholen. "Der Migrationsdruck aus Nordafrika und dem Nahen Osten wird allein schon wegen der demographischen Situation in diesen Ländern hoch bleiben."

Mindestlohn zu hoch für viele Flüchtlinge

Damit die Flüchtlingskrise nicht zu einer andauernden finanziellen Überlastung des deutschen Steuerzahlers führt, müssen Flüchtlinge laut ifo institut so schnell wie möglich in bezahlte Beschäftigung kommen, so dass sie selbst zu ihrem Lebensunterhalt beitragen können. "Es steht zu befürchten, dass viele von ihnen bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro keine Beschäftigung finden, weil ihre Produktivität schlicht zu gering ist. Daher ist der Mindestlohn generell abzusenken, so dass keine zusätzliche Arbeitslosigkeit entsteht", fordert das Institut.

Eine Anhebung der Hartz-IV-Regelsätze in der gegenwärtigen Situation sei indes mit Nachdruck abzulehnen, weil dies die Anreize der Immigranten, Arbeit aufzunehmen, verringern und zu zusätzlichen fiskalischen Lasten führen würde.

Modellsimulationen des ifo Institutes zeigen, dass selbst im Falle einer Aussetzung des Mindestlohngesetzes und stabiler Hartz-IV Sätze eine unterstellte sofortige Integration der Einwanderer in den deutschen Arbeitsmarkt nicht zu einem Gewinn für die deutsche Volkswirtschaft führt. "Zwar gibt es auf dem Arbeitsmarkt Vorteile, doch werden diese durch erhöhte Arbeitslosigkeit und Nettotransfers an die Immigranten überkompensiert", argumentieren die Experten.