DÜSSELDORF (Dow Jones/ks)–Bislang galt die Regel, dass sich der Lohnzuwachs an der Inflationsrate und Produktivitätsentwicklung orientiert, die Tarifparteien aber nicht die Folgen politischer Reformen zu kompensieren versuchen. Die IG Metall stelle dies nun infrage, berichtet die “Wirtschaftswoche” (WiWo) am Wochenende vorab aus der am Montag erscheinenden Ausgabe.

“Wir müssen darüber nachdenken, die Lohnformel zu erweitern. Neben Inflationsrate und Produktivitätsentwicklung kann das heißen, künftig auch sozialpolitische Faktoren bei der Lohnforderung einzubeziehen”, sagte Oliver Burkhard, Chef des einflussreichen IG-Metall-Bezirks Nordrhein-Westfalen. Laut Burkhard könnte die Tarifpolitik künftig etwa “dazu beitragen, die paritätische Finanzierung in der gesetzlichen Krankenversicherung wiederherzustellen.”

Burkhard brachte zudem “einen Lohnzuschlag für die Altersvorsorge” ins Spiel. “Die Arbeitgeber haben die Rente mit 67 und die Gesundheitsreform zu Lasten von Arbeitnehmern unterstützt. Sie allein profitieren davon finanziell. Über Tarifabschlüsse könnten sie den Beschäftigten ein Stück davon weitergeben.” Beobachter davon aus, dass die neue Lohnformel auf dem IG-Metall-Gewerkschaftstag im Oktober, der die politischen Leitlinien für die nächsten vier Jahre festklopft, offiziell auf die Agenda kommt.