Michael Hüther, Kritik, Unternehmen, Trump, Willfährigkeit, Widerstand

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, hat internationale Konzerne wie Ford für ihre Willfährigkeit gegenüber US-Präsident Donald Trump angegriffen. - Bild: IW Köln

Er verstehe nicht, wie einem so rüde auftretenden Politiker vorauseilender Gehorsam gewährt werde, kritisierte Hüther am Montag in Berlin. "Das Beispiel Ford ist nicht beispielgebend", legte er nach. "Mit welcher Haltung treten die auf?" Bei anderen Themen wie höheren Umweltschutzauflagen hätten sich die Unternehmen stets mahnend zu Worten gemeldet, bemängelte der Chef des wirtschaftsnahen IW.

Nachdem Trump dem Autohersteller via Twitter angedroht hatte, in Mexiko gefertigte Autos mit hohen Strafzöllen zu bewegen, hatte der Konzern eine Investitionsentscheidung abgeändert. Eigentlich wollte Ford für 1,6 Milliarden Dollar eine neue Fabrik in Mexiko bauen.

Stattdessen sollen nun 700 Millionen Dollar in das bestehende Werk in Flat Rock im US-Bundesstaat Michigan investiert werden. Trump hat sich neben Ford auch die Konzerne General Motors, Toyota und BMW explizit vorgeknöpft.

Hüther ist - wie die Mehrheit der Ökonomen insgesamt - davon überzeugt, dass Trumps Kurs unter dem Strich zu weniger Jobs in den USA und zu höheren Preisen für die Verbraucher führen werde. "Abschottung würde die Wettbewerbsfähigkeit der US-Industrie, die ohnehin begrenzt ist, weiter beschädigen", erklärte der Wirtschaftsprofessor aus Köln.

Deutschland wäre durch scharfe protektionistische Beschlüsse Washingtons besonders betroffen, weil die USA der wichtigste Absatzmarkt für Produkte "Made in Germany" sind. Knapp 10 Prozent der deutschen Ausfuhren gehen über den großen Teich in die Vereinigten Staaten. Bei der deutschen Automobilindustrie sind es sogar 15 Prozent. "Das ist die Achillesferse, die wir besonders heftig zu spüren bekommen würden", so Hüther, wenn Trump seinen Ankündigungen Taten folgen lässt und hohe Schutzzölle einführt. Bei seiner Rede zur Amtseinführung hatte Trump die Politiker in Deutschland am Freitag ein weiteres Mal geschockt, indem er "America first" vor seinen Anhängern zum Leitmotiv seiner Präsidentschaft erklärte.