Korea kompensiert derzeit Lieferausfälle bei Elektrotechnik-Gütern mit japanischen

Korea kompensiert derzeit Lieferausfälle bei Elektrotechnik-Gütern mit japanischen Handelspartnern. Ein neues Abkommen erleichtert den Handel. Bild: Imago

von Dr. Thomas Kiefer

Hamburg (ilk). Nach diesem Abkommen werden zwischen der EU und Südkorea innerhalb von fünf Jahren die Zölle auf mehr als 98 % aller Waren entfallen. Der Handel legte in jüngster Zeit bereits stark zu. Nach Zahlen der Europäischen Union lag das bilaterale Handelsvolumen 2010 bei 66,56 Mrd Euro, 2009 bei 56,55 Mrd Euro. Das Freihandelsabkommen dürfte das Handelsvolumen um etwa 20 % zusätzlich erhöhen, prognostiziert das Korea-Institut für Internationale Wirtschaftspolitik. Hinzu kommen koreanische Lieferungen an europäische Unternehmen in Asien, insbesondere in China, die statistisch schwer zu beziffern sind. Dabei geht es immer weniger um die alleinige Lieferung kostengünstiger Teile. Forschungs- und Entwicklungskooperationen und gegenseitige Firmenverflechtungen gewinnen dagegen an Bedeutung.
Der wirtschaftliche und technologische Aufstieg des asiatischen Landes ist imponierend. Nach dem zweiten Weltkrieg war Südkorea ein bitterarmes Agrarland. Seitdem entwickelte sich das geteilte Land mit lediglich 50 Mio Einwohnern zu einem führenden Industriestandort und in einigen Bereichen zum weltweiten Technologieführer. Südkorea exportierte 2010 Waren im Wert von 466 Mrd US-Dollar und lag damit weltweit auf Platz sieben.
Die geplante Wirtschaftsentwicklung geschah nach japanischem Muster in enger Zusammenarbeit zwischen Regierung und Wirtschaft. Günstige Unternehmenskredite, Importrestriktionen, Exportförderung, Förderung von einzelnen Wirtschaftssektoren und Industrien und einen arbeitsintensive Produktion führten zu jahrzehntelangen enormen Wachstumsraten.
Seit der Asienkrise im Jahr 1997 baut Südkorea sein Wirtschafts- und Finanzsystem grundlegend um und ist wieder auf dem Wachstumspfad. Durch die Reformen und durch die Unterstützung durch umfassende Wirtschaftsprogramme konnte sich das Land auch schneller von der weltweiten Finanzkrise erholen, als die meisten andern Staaten. Das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt Südkoreas entspricht mittlerweile dem eines durchschnittlichen EU-Landes.
Für Deutschland ist Südkorea ein wichtiger Wirtschaftspartner. Nachdem sich das Land lange weitgehend gegen Importe abschirmte, ist es jetzt auch ein wichtiger Abnehmer von Importen aus Deutschland. 2010 lagen diese bei mehr als 10 Mrd Euro. Damit war das Land nach den USA, der VR China, Japan und Brasilien der fünftgrößte Abnehmer deutscher Waren außerhalb Europas.
Durch das Freihandelsabkommen werden deutsche Exporteure jährlich um 1,6 Mrd Euro an Zöllen entlastet, schätzt Anton Börner, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Di-enstleistungen. Börner hebt hervor, dass ein Freihandelsabkommen weit mehr als Zollabbau bewirkt: „Moderne, umfassende bilaterale Abkommen führen nicht nur zum Abbau von Handelshemmnissen, sondern auch zur Etablierung eines beiderseitigen institutionellen Dialogs beispielsweise über Transparenz, öffentliches Beschaffungswesen und nachhaltige Entwicklung, den ich für mindestens ebenso wichtig erachte wie die Reduzierung von Zöllen“.
Die Deutschen Bundesbank listet für Südkorea einem Bestand deutscher Direktinvestitionen in Höhe von 4,8 Mrd Euro, Südkorea ist damit fünftwichtigstes Zielland deutscher Investitionen in Asien. Umgekehrt war Südkorea in Deutschland mit unmittelbaren Direktinvestitionen von 4,1 Mrd Euro nach den USA, der Schweiz und Japan der viertgrößte ausländische Investor außerhalb der EU-Länder. Von der deutschen Wirtschaft dürften der Maschinenbau und die chemische Industrie am meisten von dem Abkommen profitieren. Diese beiden Branchen standen 2010 für fast die Hälfte der südkoreanischen Einfuhren aus Deutschland. Bei den wirtschaftlichen Beziehungen spielt jedoch der klassische Außenhandel eine zurückgehende Rolle. Die Bedeutung von Kooperationen, Entwicklungspartnerschaften oder Beteiligungen gewinnen an Bedeutung.
Einige Beispiele für Aktivitäten deutscher Unternehmen: Der Elektronikzulieferer Leoni möchte bis 2012 seinen Mitbewerber Daekyeung übernehmen. Damit beabsichtigt Leoni seine Marktposition in China zu verbessern und bis zum Jahr 2012 dort 500 Mio Euro umzusetzen, erklärte Konzernchef Klaus Probst. Der Anteil chinesischer Erlöse am Konzernumsatz in fünf Jahren solle dadurch bei etwa 20 % liegen. Das gesamte Volumen dürfte dann in die Nähe einer Milliarde Euro kommen, sagte Probst.
Bosch unterhält in Südkorea ein Joint Venture mit Samsung SDI zur Entwicklung und Fertigung von Lithium-Ionen-Batteriesystemen. Das Gemeinschaftsunternehmen produziert seit vergangenem Jahr in Ulsan Batteriezellen für Hybrid- und Elektrofahrzeuge. Bis 2015 soll die Kapazität für die Zellenproduktion für 180 000 Elektrofahrzeuge ausreichen.
Nach Zahlen der KoreaTrade Investment Promotion Agency (KOTRA) lag der Anteil der koreanischen Auto- und Autoteilehersteller im europäischen Markt 2010 bei 8,45 %, eine Steigerung um 73,2 % gegenüber dem Vorjahr. Für dieses Jahr rechnet KOTRA mit einer Steigerung des Marktanteils auf 10 %. Die Zölle bei Pkw in Höhe von 8 % von Südkorea und 10 % der EU entfallen drei Jahre nach Inkrafttreten für Fahrzeuge mit einem Hubraum von mehr als 1500 ccm und nach fünf Jahren für Fahrzeuge mit einem Hubraum von bis zu 1500 ccm. Bei Kfz-Teilen entfallen die Zölle sofort, die für Teile aus Südkorea bislang bei 8 % lagen.
Doch wird die nationale Zuordnung von Waren immer schwieriger. Dies zeigt die Kritik des Verbands der Deutschen Automobilindustrie an dem Abkommen. „Es war ein schwerwiegender strategischer Fehler für südkoreanische Hersteller Zollrückerstattungen für Importe aus Drittstaaten zuzulassen,“ so VDA-Präsident Matthias Wissmann. Besonders der Anteil der Teile aus China sei in koreanischen Fahrzeugen sehr hoch, für die jetzt faktisch keine Zölle bezahlt werde müssten.