Bundeskanzlerin Merkel und der indische Premierminister Modi haben die Einrichtungen von Bosch in

Bundeskanzlerin Merkel und der indische Premierminister Modi haben die Einrichtungen von Bosch in Bangalore besucht. Foto: Bosch Media Service.

Indien sei für Deutschland nicht nur als Handels-, sondern auch als Investitionspartner sehr gefragt, sagte die CDU-Vorsitzende am Dienstag in Bangalore, wo sie zusammen mit dem indischen Premier Narendra Modi an einem Wirtschaftsforum teilnahm. Gleichzeitig mahnte Merkel eine schnelle Fortsetzung der Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien an.

Der Wertschöpfungsanteil der Industrie in Deutschland sei mit 22 Prozent nicht nur seit Jahren stabil, sondern im weltweiten Vergleich auch relativ hoch, sagte Merkel. Dies sei nur durch eine ständige Erneuerung möglich, wie sie sich im deutschen Projekt Industrie 4.0 widerspiegele. "Lassen sie uns deshalb das Knowhow und die Stärken beider Länder zusammenführen, um uns neue Türen im digitalen Zeitalter zu eröffnen", erklärte die Kanzlerin vor dutzenden Geschäftsleuten beider Länder. "Von einer engen Zusammenarbeit können wir beide gleichermaßen profitieren."

In welchem Umfang sich deutsche Unternehmen in Indien engagieren könnten, hänge aber wesentlich von den Rahmenbedingungen ab, sagte Merkel. Die Bundesregierung verfolge deshalb "mit großem Interesse" den Reformkurs der Regierung Modi.

Modi gilt als Reformer, hat es jedoch schwer, seine Absichten durchzusetzen. Dem Premier fehlt unter anderem die dafür notwendige Mehrheit im Oberhaus. Wenn die bisherigen Liberalisierungsmaßnahmen der Auftakt für weitere Reformen seien, "dann ist das für uns in Deutschland auch ein Startschuss für weitere Unternehmen in Indien", sagte Merkel.  

Merkel appellierte zudem an Indien, wieder aktiv in die festgefahrenen Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der EU einzusteigen. Es wäre zu wünschen, dass die Verhandlungen schnell weitergeführt würden. Dies wäre für die Wirtschaftspartnerschaft von EU und Indien "von großer Bedeutung" und es würde auch den Weg für indische Unternehmen nach Deutschland leichter machen, sagte Merkel.

Die Verhandlungen laufen schon seit Jahren, geraten aber immer wieder ins Stocken. Anlass für die aktuelle Gesprächspause sind indische Pharmaprodukte, die wegen angeblich fehlender Zulassungen nicht in die EU exportiert werden dürfen. Indien reagierte sauer und setzte die Gespräche vorerst aus.  

Sie höre von der deutschen Wirtschaft in Indien, "dass die Verlässlichkeit noch besser werden muss. Es gibt viele Dinge, die klappen, aber wenn man sich in den bürokratischen Fängen verfängt, dann kann es auch sehr lange dauern", sagte Merkel. Besserung ist in Sicht: Die Bundesregierung setzte die Einrichtung eines sogenannten Fast-Track-Procedure durch, mit dem deutsche Unternehmen schneller durch den Bürokratiedschungel manövrieren sollen.

Merkel zeigte sich zum Abschluss der zweitägigen Visite "sehr zufrieden", dass Modi sich so viel Zeit nehme, mit der Wirtschaft die gesamte Palette an Fragen durchzusprechen. "Das bringt die deutsche Wirtschaft auch dazu, mehr Vertrauen in Indien zu fassen, als bislang da war". In der Tat hatte sich der indische Regierungschef außergewöhnlich viel Zeit für seinen deutschen Staatsgast und die Delegation genommen.

Besuch bei Bosch


Merkel und Modi hatten zuvor zusammen das Entwicklungs- und Ausbildungszentrum von Bosch in Bangalore besucht. Geschäftsführer Peter Tyroller verwies vor allem auf die Aus- und Weiterbildung, die zusammen mit der "hohen Kompetenz unserer Entwickler vor Ort" ein "wesentlicher Bestandteil" des Unternehmenserfolges in Indien sei. Bosch werde in diesem Jahr mehr als 100 Millionen Euro in Indien investieren, um die Präsenz vor Ort weiter auszubauen, erklärte Tyroller.

Mittel- und langfristig erwartet Bosch eine positive Wirtschaftsentwicklung in Indien. Der Präsident der Bosch-Gruppe im Land, Steffen Berns, lobte die indische Regierung. Sie gehe "wichtige Themen konsequent an. Wir sind zuversichtlich, dass sich das positiv auf die Entwicklung des Landes auswirkt".

Bosch ist mit nach eigenen Angaben 29.000 Beschäftigten und 14 Niederlassungen ein wichtiger Arbeitgeber in Indien und brachte bereits 1961 das duale Ausbildungssystem in den asiatischen Staat. "Die Besonderheit ist, dass die Berufsschule quasi mit in die Bosch-Niederlassung integriert ist", sagte Merkel nach einem Rundgang. Inzwischen würden auch 15 Prozent Mädchen ausgebildet, lobte die Kanzlerin. Indien sei ein junges Land und brauche in den nächsten Jahren tausende neue Ausbildungsplätze, betonte Merkel.

Deutschland und Indien hatten am Montag in Neu Delhi die dritten Regierungskonsultationen abgehalten. 13 neue Abkommen wurden unterzeichnet, darunter eine milliardenschwere Solarpartnerschaft. Anschließend reiste Merkel nach Bangalore weiter. Am späten Dienstagabend wurde sie in Berlin zurück erwartet.