Kanzlerin Angela Merkel reist nach Japan und will dort auch die seit Jahren andauernden

Kanzlerin Angela Merkel reist nach Japan und will dort auch die seit Jahren andauernden Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union vorantreiben. - Bild: Bundesregierung/Bergmann

Die deutsche Seite sei daran interessiert, “dass wir in diesem Jahr wichtige Fortschritte machen”, erklärte ein ranghoher Regierungsbeamter am Donnerstag in Berlin. Die Verhandlungen über das Abkommen wurden bereits im April 2013 aufgenommen. Beim Besuch des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe vergangenes Jahr in Berlin hatte Merkel die EU aufgefordert, die Verhandlungen in 2015 abzuschließen.

Merkel wird am Montag in Tokio erwartet und nimmt unter anderem an einem Mittagessen mit japanischen Bankenvertretern teil. Dabei werde sowohl die Lage der japanischen Wirtschaft als auch die Lage im Euroraum eine Rolle spielen, hieß es aus Regierungskreisen. Am Abend kommt es dann zu einem Treffen von Wirtschaftsvertretern beider Seiten.

Von Japan lernen

Aus Regierungskreisen in Berlin hieß es dazu, es gebe ein “Interesse von unserer Seite aus, zu lernen, wie sich die japanische Wirtschaft weiterentwickelt, was da die Pläne sind”. Japan ist nach den USA und China weiterhin die weltweit drittgrößte Volkswirtschaft, hat aber mit enormen Problemen zu kämpfen. Der Schuldenstand in Japan liegt nach Angaben des Auswärtigen Amtes bei mehr als 240 Prozent des BIP, finanzielle Spielräume gibt es kaum. Regierungschef Shinzo Abe leitete nach seinem Amtsantritt Ende 2012 ein als Abenomics bekannt gewordenes Stimulierungsprogramm ein, um die lange Phase der Deflation zu beenden.

Neue Konjunkturdaten aus Japan zeichnen bisher jedoch ein eher uneinheitliches Bild der Entwicklung in der japanischen Industrie und beim Konsum. Während die Produktion kräftig zulegte, angetrieben vom schwächeren Yen und steigenden Exporten, blieb der Konsum auch neun Monate nach einer Mehrwertsteuererhöhung flau, ebenso wie die Teuerung. Zwar hat Japan Ende vergangenen Jahres den Weg aus der Rezession gefunden, doch die jüngsten Indikatoren werfen die Frage auf, wie stark die wirtschaftliche Erholung tatsächlich ist.

Besuch bei Fuso

Die Industrieproduktion kletterte im Januar dieses Jahres um 4,0 Prozent zum Vormonat, vor allem wegen erhöhter Exporte von Elektronikkomponenten und Fahrzeugen nach Asien und in die USA. Erwartet wurde nur ein Plus von 2,8 Prozent. Die gute Auftragslage sorgte zudem für Nachfrage nach Arbeitskräften. Eine Besserung der Verbraucherstimmung resultierte daraus jedoch nicht. Die Ausgaben der privaten Haushalte schrumpften im Januar auf preisbereinigter Basis zum Vorjahresmonat um 5,1 Prozent und damit noch stärker als das von Volkswirten erwartete Minus von 4,1 Prozent. Der Einzelhandel setzte zudem 2,0 Prozent weniger um als im Januar 2014.

Am Dienstag will Merkel den Angaben zufolge der Mitsubishi Fuso Truck & Bus Corporation mit Sitz in Kawasaki einen Besuch abstatten. Mit einer Beteiligung von 89,3 Prozent ist die Daimler AG der Hauptanteilseigner neben der Mitsubishi Corporation (10,7 Prozent). Der Konzern ist eigenen Angaben zufolge einer der führenden Nutzfahrzeuganbieter in Asien. In Kawasaki ist das Hybrid-Kompetenzcenter von Daimler Trucks angesiedelt, unter anderem wird dort der elektrisch angetriebene und emissionsfreie Canter E-CELL entwickelt.

Schwerpunkt Frauenförderung

Ein weiterer Schwerpunkt der Reise ist das Thema Frauen in Führungspositionen beziehungsweise die Frauenbeschäftigung in Japan überhaupt. Merkel werde sich dazu am Dienstag mit Japanerinnen treffen, die Führungspositionen in der japanischen Wirtschaft innehaben, wie es aus Regierungskreisen hieß.

Die Förderung von Frauen ist in Japan Bestandteil der von Abe eingeleiteten Strukturreformen. Ein Gesetzentwurf, der unter anderem Unternehmen dazu anhält, konkrete Ziele für die Frauenförderung und deren Beschäftigung in leitenden Positionen aufzustellen, wurde nach Angaben des Auswärtigen Amtes in den Gesetzgebungsprozess eingebracht.

Merkel hat das Thema Frauen in Führungspositionen ganz oben auf der Agenda des G7-Gipfels gesetzt, der unter deutscher Präsidentschaft im Juni auf Schloss Elmau stattfindet.

Dow Jones Newswires/Guido Kruschke