Ulrich Ackermann VDMA

"Für rechtliche Auswirkungen auf deutsche Maschinenbau-Unternehmen gibt es derzeit keine Hinweise", sagte Ulrich Ackermann im Interview mit Produktion. - Bild: VDMA

Herr Ackermann, wie wirkt sich der versuchte Militärputsch in der Türkei auf die Beziehungen zwischen deutschen und türkischen Maschinenbauern aus?

Deutsche und türkische Maschinenbauer arbeiten seit vielen Jahren gut und vertrauensvoll zusammen. Diese Zusammenarbeit gilt es nun fortzusetzen.

Werden deutsche Investitionen in der Türkei zurückgestellt?

Es ist noch zu früh, um dazu eine seriöse Aussage machen zu können. In den letzten Jahren war der Bestand der deutschen Direktinvestitionen in den türkischen Maschinenbau nur leicht gestiegen.

Wie lauten die aktuellen Exportzahlen der deutschen Maschinenbauer in die Türkei?

Die Türkei belegt im Zeitruam zwischen Januar und April dieses Jahres Platz 12 bei den Ausfuhrländern des deutschen Maschinenaußenhandels. Die Ausfuhren beliefen sich von Januar bis April auf 1,3434 Milliarden Euro (8,2 Prozent). Im Gesamtjahr 2015 lagen die deutschen Maschinenexporte in die Türkei bei 3,8 Milliarden. Euro (8,5 Prozent).

Wie haben sich die Exporte türkischer Maschinenbauunternehmen in diesem Jahr entwickelt?

Die türkischen Maschinenbauexporte nach Deutschland sind von Januar bis April 2016 um 25,6 Prozent auf 340 Millionen Euro gestiegen. Es handelte sich dabei häufig um Zulieferungen für den deutschen Maschinenbau.

Wie wirkt sich die Entlassung von 3000 Richtern auf die Rechtssicherheit von deutschen Unternehmen in der Türkei aus?

Für rechtliche Auswirkungen auf deutsche Maschinenbau-Unternehmen gibt es derzeit keine Hinweise.

Behindern demokratische Defizite die wirtschaftliche Entwicklung der Türkei?

Für eine positive marktwirtschaftliche Entwicklung sind stabile Demokratien grundsätzlich maßgeblich entscheidend. Ungeachtet aller Krisen in der Türkei selbst und in den Ländern der Region, für die die Türkei eine Drehscheibe ist, hat sich die wirtschaftliche Entwicklung des Landes seit Jahren positiv entwickelt

Türkei-Putsch: Das sagen Unternehmen zu den Folgen

  • Der Volkswagen-Konzern berichtet bislang von keinen Auswirkungen des Putschversuchs in der Türkei auf das eigene Geschäft. Ein Unternehmenssprecher sagte auf Anfrage nur: "Wir beobachten die Situation aufmerksam." Für weitere Einschätzungen sei es zu früh. Der Sprecher fügte hinzu, es seien nach seinem Wissen keine Volkswagen-Mitarbeiter von der gescheiterten Machtübernahme durch das Militär betroffen gewesen. Für Volkswagen ist die Türkei ein bedeutender Wachstumsmarkt. Im vergangenen Jahr steigerte der Autokonzern die Zahl seiner dortigen Auslieferungen um 28,1 Prozent - und damit stärker als auf jedem anderen großen Absatzmarkt. Mit 164.787 Fahrzeugen lieferte der Volkswagen-Konzern gleichwohl nur rund 1,8 Prozent seiner weltweit verkauften Fahrzeuge in die Türkei. - Bild: Volkswagen

    Der Volkswagen-Konzern berichtet bislang von keinen Auswirkungen des Putschversuchs in der Türkei auf das eigene Geschäft. Ein Unternehmenssprecher sagte auf Anfrage nur: "Wir beobachten die Situation aufmerksam." Für weitere Einschätzungen sei es zu früh. Der Sprecher fügte hinzu, es seien nach seinem Wissen keine Volkswagen-Mitarbeiter von der gescheiterten Machtübernahme durch das Militär betroffen gewesen. Für Volkswagen ist die Türkei ein bedeutender Wachstumsmarkt. Im vergangenen Jahr steigerte der Autokonzern die Zahl seiner dortigen Auslieferungen um 28,1 Prozent - und damit stärker als auf jedem anderen großen Absatzmarkt. Mit 164.787 Fahrzeugen lieferte der Volkswagen-Konzern gleichwohl nur rund 1,8 Prozent seiner weltweit verkauften Fahrzeuge in die Türkei. - Bild: Volkswagen

  • Daimler sieht durch den Putschversuch in der Türkei "keinerlei Auswirkungen" auf die eigene Fertigung in der Türkei. Man habe mit den Kollegen vor Ort gesprochen, "wir produzieren ganz normal", sagte eine Daimler-Sprecherin auf Anfrage von Dow Jones Newswires. Man beobachte die Lage jedoch sehr genau, sagte sie weiter. Die Omnibus-Tochter Daimler Buses hat ein Werk in Istanbul, in dem rund 4.900 Mitarbeiter beschäftigt sind. In dem Werk werden Stadt- und Reisebusse gefertigt. Im Lkw-Werk in Aksaray arbeiten rund 2.000 Beschäftigte. - Bild: Daimler

    Daimler sieht durch den Putschversuch in der Türkei "keinerlei Auswirkungen" auf die eigene Fertigung in der Türkei. Man habe mit den Kollegen vor Ort gesprochen, "wir produzieren ganz normal", sagte eine Daimler-Sprecherin auf Anfrage von Dow Jones Newswires. Man beobachte die Lage jedoch sehr genau, sagte sie weiter. Die Omnibus-Tochter Daimler Buses hat ein Werk in Istanbul, in dem rund 4.900 Mitarbeiter beschäftigt sind. In dem Werk werden Stadt- und Reisebusse gefertigt. Im Lkw-Werk in Aksaray arbeiten rund 2.000 Beschäftigte. - Bild: Daimler

  • Das Geschäft des Handelskonzerns Metro in der Türkei läuft nach dem gescheiterten Putsch von Teilen des Militärs normal. "Alle Märkte von Metro und Media Markt sind geöffnet und arbeiten wie gewohnt", sagte ein Sprecher Dow Jones Newswires. Der Handelskonzern ist mit 29 Cash & Carry-Märkten und 45 Filialen der Elektronikkette Media Markt in der Türkei vertreten. - Wikipedia: Kürschner/Wikipedia

    Das Geschäft des Handelskonzerns Metro in der Türkei läuft nach dem gescheiterten Putsch von Teilen des Militärs normal. "Alle Märkte von Metro und Media Markt sind geöffnet und arbeiten wie gewohnt", sagte ein Sprecher Dow Jones Newswires. Der Handelskonzern ist mit 29 Cash & Carry-Märkten und 45 Filialen der Elektronikkette Media Markt in der Türkei vertreten. - Wikipedia: Kürschner/Wikipedia

  • "Die Vorkommnisse sind beunruhigend", sagte eine Unternehmenssprechein von ThyssenKrupp. "Inwieweit, wann und ob es Auswirkungen auf unser Geschäft geben wird, ist derzeit nicht abzusehen. Zudem haben wir einen eher vernachlässigbaren Anteil am Umsatz mit Kunden in der Türkei."

    "Die Vorkommnisse sind beunruhigend", sagte eine Unternehmenssprechein von ThyssenKrupp. "Inwieweit, wann und ob es Auswirkungen auf unser Geschäft geben wird, ist derzeit nicht abzusehen. Zudem haben wir einen eher vernachlässigbaren Anteil am Umsatz mit Kunden in der Türkei."

  • Der Putschversuch in der Türkei beschäftigt Eon: Der Energiekonzern habe einen Krisenstab gebildet, sagte ein Eon-Sprecher. Eon betreibt mit der türkischen Sabanci-Gruppe das Joint Venture Enerjisa, das rund 9.000 Mitarbeiter beschäftigt. Eine "Handvoll" der Beschäftigten stammen laut dem Sprecher aus Deutschland, sie seien "wohlauf". Enerjisa hat ein Stromnetz mit einer Länge von 200.000 Kilometern, unter anderem in Ankara und Istanbul. "Unsere Anlagen laufen, es ist nur wenig kaputtgegangen", sagte der Sprecher laut Dow Jones Newswires. - Bild: EON

    Der Putschversuch in der Türkei beschäftigt Eon: Der Energiekonzern habe einen Krisenstab gebildet, sagte ein Eon-Sprecher. Eon betreibt mit der türkischen Sabanci-Gruppe das Joint Venture Enerjisa, das rund 9.000 Mitarbeiter beschäftigt. Eine "Handvoll" der Beschäftigten stammen laut dem Sprecher aus Deutschland, sie seien "wohlauf". Enerjisa hat ein Stromnetz mit einer Länge von 200.000 Kilometern, unter anderem in Ankara und Istanbul. "Unsere Anlagen laufen, es ist nur wenig kaputtgegangen", sagte der Sprecher laut Dow Jones Newswires. - Bild: EON

  • BMW muss wegen des Putschversuchs in der Türkei derzeit länger als üblich auf die Teile einiger Zulieferer warten: Die Grenzabfertigung von Lastwagen, die Waren aus der Türkei transportierten, dauere seit der gescheiterten Machtübernahme durch das Militär länger als zuvor, sagte ein BMW-Sprecher am Montag auf Anfrage von Dow Jones Newswires. Bislang gehe es dabei allerdings um Verzögerungen, "mit denen wir umgehen können", fügte der Sprecher hinzu. BMW rechne aus dem Grund derzeit nicht mit Auswirkungen auf die eigene Produktion. Der Autohersteller analysiere gleichwohl die Lage. - Bild: BMW

    BMW muss wegen des Putschversuchs in der Türkei derzeit länger als üblich auf die Teile einiger Zulieferer warten: Die Grenzabfertigung von Lastwagen, die Waren aus der Türkei transportierten, dauere seit der gescheiterten Machtübernahme durch das Militär länger als zuvor, sagte ein BMW-Sprecher am Montag auf Anfrage von Dow Jones Newswires. Bislang gehe es dabei allerdings um Verzögerungen, "mit denen wir umgehen können", fügte der Sprecher hinzu. BMW rechne aus dem Grund derzeit nicht mit Auswirkungen auf die eigene Produktion. Der Autohersteller analysiere gleichwohl die Lage. - Bild: BMW

  • Bei Bosch sieht man die Lage entspannt: "Wir rechnen derzeit mit keinen wirtschaftlichen Auswirkungen auf unser Geschäft in der Türkei", so eine Sprecherin des Unternehmens gegenüber PRODUKTION. - Bild: Bosch

    Bei Bosch sieht man die Lage entspannt: "Wir rechnen derzeit mit keinen wirtschaftlichen Auswirkungen auf unser Geschäft in der Türkei", so eine Sprecherin des Unternehmens gegenüber PRODUKTION. - Bild: Bosch

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