Clemens Fuest

Der neue Ifo-Chef Clemens Fuest kritisiert die Kaufprämie für Elektroautos: Umweltpolitisch sei es richtig, die Verursacher von Emissionen zu belasten - nicht, das Unterlassen von Emissionen mit Steuergeldern zu fördern, so der Wirtschaftsforscher. - Bild: ZEW

"Die Prämie für E-Autos halte ich für einen schweren Fehler", sagte der neue Präsident des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Clemens Fuest. "Die 600 Millionen Euro Steuergelder wären besser in der Erforschung und Entwicklung neuer Umwelttechniken angelegt."

Umweltpolitisch sei es richtig, die Verursacher von Emissionen zu belasten - nicht, das Unterlassen von Emissionen mit Steuergeldern zu fördern. Auch fielen bei der Produktion von Elektroautos und bei der Stromproduktion erhebliche CO2-Emissionen an, "so dass die Gesamtbilanz weniger gut ist, als oft behauptet wird". Zudem sei die Technik, die hier gefördert werde, "nicht neu", monierte Fuest.

"Steuerzahler sollen in Bresche springen"

Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, äußerte sich ebenfalls kritisch. "Eine Kaufprämie für Elektroautos ist kurzsichtig und alles andere als nachhaltig," sagte sie. "Sie bringt wenig, solange die Verkehrspolitik nicht insgesamt auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist."

Die Politik sei durch "zu lasche Vorgaben" und zu geringe Emissionsgrenzwerte mit dafür verantwortlich, dass die deutsche Autoindustrie die Zukunft verschlafe und große wirtschaftliche Chancen verspiele, wofür jetzt die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler in die Bresche springen sollten. Eine solche Kaufprämie werde zudem kaum ausreichen, herkömmliche Fahrzeug zu ersetzen. "Vermutlich wird ein Zweit- oder Drittwagen gekauft, subventioniert von der Allgemeinheit", erwartete Kemfert.

Auch das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) lehnte die Prämie ab und sprach von einem "falschen Mittel zum falschen Zweck", mit dem die Bundesregierung "sprichwörtlich um jeden Preis" ihr Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 erreichen wolle. "Schon bislang greift der Bund der Elektromobilität mit Steuervergünstigungen und Forschungsförderungen kräftig unter die Arme", erklärte IfW-Experte Gernot Klepper. Bevor nun neue Anreize gesetzt würden, sollten erst einmal die Ursachen für die geringe Kauflust ergründet werden.

Ferner gelte es, "den vermeintlichen Klimavorteil kritisch zu überprüfen". Denn ein E-Auto sei nur eine klimafreundliche Alternative, wenn der Besitzer sein Auto auch mit Ökostrom betanke. Sinnvoller wäre es deshalb nach Ansicht des IfW, Rahmenbedingungen zu fördern, unter denen E-Autos sich künftig zu wettbewerbsfähigen Alternativen zum fossil angetriebenen Auto entwickeln könnten. Dazu gehöre die Weiterentwicklung der Stromnetze zu intelligenten Netzen und die Unterstützung von Forschung und Entwicklung zur Verbesserung der Batterien.