Moskau gibt seiner Wirtschaft Empfehlungen, wie westliche Maschinenimporte künftig umgangen werden

Moskau gibt seiner Wirtschaft Empfehlungen, wie westliche Maschinenimporte künftig umgangen werden sollen und hat eine ganz eigene Antwort auf die Wirtschaftssanktionen des Westens gefunden: Importsubstitution. - Bild: daskleineatelier/Fotolia, Produktion

Das bedeutet, dass das Land nicht mehr nur Gegensanktionen für Agrarimporte verhängt, sondern großflächig versucht, westliche Industrieprodukte durch Eigenproduktion oder Importe aus vorwiegend asiatischen Ländern zu ersetzen.

“Russland will seine Abhängigkeit von Industriegütereinfuhren bis 2020 senken. Einerseits handelt es sich um eine außen- und sicherheitspolitische Maßnahme. Andererseits soll der seit Jahrzehnten vernachlässigte Strukturwandel in der Wirtschaft angeschoben werden”, erläutert Ullrich Umann von Germany Trade and Invest (GTAI).

Abhängigkeit von Industriegütereinfuhren senken

So versucht das für Industriepolitik zuständige Ministerium für Industrie und Handel laut Umann bereits seit Sommer 2014, den Anteil der Importe bei öffentlichen Beschaffungen zu reduzieren. Die für den Einkauf von Waren und Dienstleistungen verwendeten Steuergelder sollen möglichst der heimischen Industrie zugutekommen. Ende März diesen Jahres hat die russische Regierung allerdings eine deutlich ambitioniertere Wirtschaftspolitik gestartet: “Die neuen Regelungen zur Importsubstitution vom 31. März 2015 setzen nun an einer anderen Stelle an – bei der Herstellung benötigter Industrieerzeugnisse im eigenen Land. Dadurch sollen Einfuhren aus der Ukraine und aus den Staaten, die Sanktionen gegen Russland erlassen haben, ersetzt werden”, weiß Umann.

800 Industrieprodukte will Russland bald selbst herstellen

Die Pläne des Industrieministeriums sehen vor, künftig 800 Produkte in Russland selbst herzustellen. Bis 2020 sollen dafür 2 059 Einzelvorhaben in 18 Industriezweigen realisiert werden. Es wurde eigens eine staatliche Kommission für Importsubstitution in der Industrie Russlands gegründet. Das Ziel ist eine Verringerung der Importabhängigkeit von zurzeit 88 Prozent auf 40 Prozent bis zum Jahr 2020. In Rüstungsbetrieben, die staatliche Gelder erhalten, sollen bis 2020 rund 60 Prozent der Maschinen aus russischer Produktion stammen.

Dass es die russische Regierung mit der geographischen Neuausrichtung der Lieferströme durchaus ernst meint, konnte schon Anfang Januar dem allerersten Entwurf des am 2. April 2015 verkündeten Programms zur Importsubstitution entnommen werden. Zwar wurde der Erstvorschlag radikal ausgedünnt – von ursprünglich 4 000 auf die nun verkündeten 2 059 Einzelvorhaben.

Doch lag im Januar noch eine Liste von traditionellen westlichen Maschinen- und Anlagenbauern bei, ergänzt von einer Aufstellung alternativer Anbieter aus Asien, die zwischenzeitlich oder dauerhaft beauftragt werden sollen. Zu verstehen ist die auf den kommenden Seiten dieser Ausgabe abgedruckte Liste als Analyse oder Handlungsempfehlung des russischen Industrie- und Handelsministeriums. Ein entsprechendes Gesetz wird laut GTAI zum Herbst 2015 erwartet.

Welche Firmen sollen ersetzt werden?

“In den bisher ausgegebenen Importsubstitutionslisten der russischen Regierung steht von Medizintechnik bis hin zum Traktor mehr oder weniger drin: ‘Was müssen wir in Zukunft noch importieren, was können wir selbst herstellen und was eventuell von wo anders importieren? – etwa aus Asien.’ Da stehen deutsche und andere westliche Firmen drauf und durch wen und bis wann sie ersetzt werden können”, sagt Bernd Hones, Korrespondent Russland im Moskauer Büro von GTAI.

Doch damit nicht genug: “In den kommenden zwei Monaten sollen zudem für quasi alle Industriebereiche der gesamten russischen Wirtschaft Lokalisierungsmaßstäbe festgelegt werden. Also ‘Wann gilt eine russische Firma als lokal?’.

Deutsche Firmen dürfen weiterhin investieren, aber…

Auch deutsche Firmen dürfen weiterhin in Russland investieren. Wenn sie diese Kriterien, die in zwei Monaten festgelegt werden, erfüllen, dann gelten sie als russischer Hersteller und können ohne Probleme an den russischen Markt liefern”, weiß der Russlandexperte Hones.

Importsubstitutionslisten exklusiv zum Download

Produktion hat die Importsubstitutionsliste der russischen Regierung übersetzen lassen. Exklusiv können Sie sich die Handlungsempfehlungen des russischen Industrie- und Handelsministeriums für die Branche “Werkzeugmaschinen” als PDF herunterladen. In Kürze werden wir die Listen für weitere Branchen wie Verkehrstechnik, Elektroindustrie, Öl- und Gastechnik und andere veröffentlichen.

Download Teil 1: Importsubstitution im Werkzeugmaschinenbau
Download Teil 2: Importsubstitution im Fahrzeugbau
Download Teil 3: Importsubstitution in der Elektronikindustrie
Download Teil 4: Importsubstitution im Schwermaschinenbau
Download Teil 4: Importsubstitution im Maschinenbau, Erdöl, Gas

Quelle: Russisches Industrie- und Handelsministerium
Übersetzung © Produktion – alle Rechte vorbehalten

Karoline Kopp