Die Entscheidung von US-Präsident Trump, die Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus der EU noch einmal per Sonderregelung auszusetzen, sorgt für Unmut in Europa.

Die Entscheidung von US-Präsident Trump, die Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus der EU noch einmal per Sonderregelung auszusetzen, sorgt für Unmut in Europa. - Bild: Pixabay

Der Handelsstreit zwischen der EU und den USA droht sich wegen des Zollpokers von US-Präsident Donald Trump weiter zuzuspitzen. Die EU reagierte am Dienstag mit Verärgerung und Sorge auf Trumps Ankündigung, europäische Stahl- und Aluminiumprodukte wieder nur befristet von neuen US-Zöllen auszunehmen. "Die US-Entscheidung verlängert die Unsicherheit auf den Märkten", teilte die zuständige EU-Kommission mit. Schon jetzt seien Konsequenzen zu spüren.

Ähnlich äußerten sich Vertreter der Wirtschaft sowie EU-Staaten. Es sei "schädlich und falsch von den USA, die Ausnahmen wieder zu befristen", kommentierte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf. Trump riskiere "die Eskalation eines Handelskonfliktes mit globalem Ausmaß und eine Welle protektionistischer Gegenmaßnahmen".

Die französische Regierung teilte mit, sie werde weiter für "eine vollständige, dauerhafte und bedingungslose Befreiung" der EU von den Zöllen eintreten. Auch die Bundesregierung forderte erneut "eine dauerhafte Ausnahme".

Die Entscheidung, die Ausnahmen für die EU und einige andere Staaten um einen Monat bis zum 1. Juni zu verlängern, fiel in Washington am Montag nur wenige Stunden vor Inkrafttreten der Zölle um Mitternacht (Ortszeit/6.00 Uhr MESZ). Die EU und andere Länder wurden bis zuletzt auf die Folter gespannt. Weiteren Aufschub soll es aber nicht geben.

Trumps Sprecherin Sarah Sanders erklärte am Dienstag, die US-Regierung habe die Ausnahmeregelung verlängert, weil man Fortschritte bei den Gesprächen gesehen habe. "Wir haben 30 Tage Zeit, um die Verhandlungen fortzuführen, und hoffen, dass wir etwas bekommen, was für alle funktioniert", sagte sie.

Strafzölle auf US-Waren in der Schublade

Auf Produkte aus Ländern wie China gelten die neuen US-Zölle bereits seit März. Sie umfassen einen Zuschlag von 25 Prozent auf Stahlprodukte und von 10 Prozent auf Aluminiumprodukte.

Nach Angaben aus EU-Kreisen wird die Kommission nun die Vorbereitungen für die Einführung von Vergeltungszöllen weiter vorantreiben und eine Liste mit dafür ausgewählten amerikanischen Produkten bei der Welthandelsorganisation (WTO) einreichen. Sollte Trump die nun bis zum 1. Juni befristete Ausnahmeregelung auslaufen lassen, könnten dann schnell Aufschläge auf US-Produkte wie Whiskey, Motorräder und Jeans fällig werden.

Die Bundesregierung kündigte an, über das weitere Vorgehen solle es Gespräche auf EU-Ebene geben. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström soll unterdessen ihre Gespräche mit US-Handelsminister Wilbur Ross und dem US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer fortsetzen.

Einseitige Zugeständnisse zur Beilegung des Handelsstreits wurden in Brüssel allerdings erneut ausgeschlossen. "Als langjähriger Partner und Freund der USA werden wir nicht unter Drohungen verhandeln", hieß es in der Stellungnahme. Erst wenn der Streit um die Zölle beigelegt sei, kann es demnach Verhandlungen über Trumps Forderungen nach einem besseren Zugang zum europäischen Markt für US-Unternehmen geben.

Trump hatte zuletzt immer wieder kritisiert, dass die USA auf Einfuhren von Personenwagen lediglich Zölle von 2,5 Prozent erheben, die Europäer aber zehn Prozent auf US-Fahrzeuge. Ferner geht es auch um Handelserleichterungen für US-Agrarprodukte.

  • Insgesamt produzierten die Automobilhersteller im Jahr 2016 gut 3.453.000 Autos in Mexiko. - Bild: Mexiko

    Insgesamt produzierten die Automobilhersteller im Jahr 2016 gut 3.453.000 Autos in Mexiko. - Bild: Mexiko

  • Toyota produzierte 137.500 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 33.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Toyota

    Toyota produzierte 137.500 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 33.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Toyota

  • Kia produzierte 101.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen über 58.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: - Kia

    Kia produzierte 101.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen über 58.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: - Kia

  • Mazda produzierte 148.500 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 55.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: - Mazda

    Mazda produzierte 148.500 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 55.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: - Mazda

  • Honda produzierte 259.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen über 90.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: - Honda

    Honda produzierte 259.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen über 90.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: - Honda

  • Volkswagen produzierte 422.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen über 247.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: VW

    Volkswagen produzierte 422.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen über 247.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: VW

  • Ford produzierte 390.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 102.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Ford

    Ford produzierte 390.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 102.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Ford

  • Fiat-Chrysler (hier im Bild die Tochtermarke Jeep) produzierte 455.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 88.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Fiat-Chrysler

    Fiat-Chrysler (hier im Bild die Tochtermarke Jeep) produzierte 455.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 88.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Fiat-Chrysler

  • General Motors (hier im Bild die Tochtermarke Chevrolet) produzierte 694.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 309.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Toyota

    General Motors (hier im Bild die Tochtermarke Chevrolet) produzierte 694.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen fast 309.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Toyota

  • Nissan produzierte 846.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen mehr als 401.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Toyota

    Nissan produzierte 846.000 Autos im Jahr 2016 in Mexiko. Davon gingen mehr als 401.000 in den Export unter anderem in die USA. - Bild: Toyota

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte in Berlin, ob und wann es zu Verhandlungen mit den USA komme, müsse gemeinsam im Kreise der EU-Handelsminister entschieden werden. Grundsätzlich hält er Vereinbarungen zum Abbau von Zöllen für denkbar. "Das sollte auch mit den USA möglich sein, im Rahmen einer fairen Vereinbarung."

Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch) sagte Altmaier: "Hier geht es um mehr als nur um Zölle." Unabhängig davon, wer die Regierung stelle, müssten die USA ein enger Partner und Freund Deutschlands und Europas bleiben. Ein Zollstreit ziehe monatelange Unsicherheit nach sich: "Europa muss deshalb zügig seine Position festlegen. Ziel muss sein, eine dauerhafte Ausnahme von den US-Zöllen zu erreichen."

Den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwoch) sagte Altmaier, Europa müsse bereit sein, auch über berechtigte amerikanische Anliegen zu sprechen. Er mahnte ein geschlossenes Auftreten an: "Europa muss erkennen, dass es immer nur dann stark ist, wenn es gemeinsam auftritt."

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Die deutsche Wirtschaftsvereinigung Stahl warnte, dass die Handelspolitik von Trump schon jetzt negative Konsequenzen zeige. Es sei bereits zu erkennen, dass von den US-Maßnahmen betroffene Stahlprodukte nach Europa umgelenkt würden, weil es dort keine vergleichbaren Handelsschranken gebe, sagte ihr Präsident Hans Jürgen Kerkhoff. Wenn die EU darauf nicht reagiere, werde Europa die "Last des Protektionismus der USA und deren Wirtschaftspolitik" tragen.

Wie für die EU hatte Trump auch die Ausnahmeregelung für die Nachbarn Mexiko und Kanada verlängert. Für Südkorea wurde im Zuge des gemeinsamen Freihandelsabkommens eine Dauerlösung verhandelt. Für Argentinien, Brasilien und Australien seien Grundsatzeinigungen erzielt worden, die bis zum 1. Juni finalisiert werden sollen.

"In all diesen Verhandlungen konzentriert sich die Administration auf die Einführung von Quoten, die die Importe begrenzen, Transitlieferungen aus Drittländern verhindern und die Nationale Sicherheit der USA gewährleisten", hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses.