Bei den Unternehmern in Tschechien macht sich angesichts der anhaltenden Probleme der

Bei den Unternehmern in Tschechien macht sich angesichts der anhaltenden Probleme der Gemeinschaftswährung eine gewisse Euro-Skepsis breit. Die Mehrheit unterstützt aber immer noch die Euro-Einführung (Bild: ce-press).

PILSEN (ks). Seit die Euro-Zone unter ihrer Schulden-Last zu zerbrechen droht und ein Krisengipfel dem nächsten folgt, teilen auch immer mehr tschechische Unternehmer die Skepsis ihres Präsidenten, Vaclav Klaus, der als einer der schärfsten Kritiker des Euro gilt. Und dennoch: Selbst in der größten Krise hat der Euro auch noch Freunde in Tschechien.

“Die starke Krone bereitet uns Schwierigkeiten im Export”, sagt Udo Werner, Geschäftsführer des westböhmischen Werkzeug- und Maschinenbauers SWA. Er würde daher eine Einführung des Euro in Tschechien begrüßen. Auch die Firma Lintech aus dem Bereich der industriellen Produktkennzeichnung mit Sitz in Domazlice sieht Vorteile in der Gemeinschaftswährung. “Die Wechselkursschwankungen gegenüber der tschechischen Krone bereiten uns Schwierigkeiten im Import- wie im Exportgeschäft”, sagt Lucie Švajnerová, zuständig für das Marketing bei Lintech.

Vít Linhart, Inhaber des Kompressoren-Produzenten Atmos Chrást, stand dem Euro hingegen von Beginn an skeptisch gegenüber und sieht seine Haltung in der aktuellen Krise bestätigt. “Der Euro ist anfällig für Spekulationen, und das wird mit den wachsenden Staatsschulden in der Euro-Zone nicht besser werden”, sagt Linhart. Die Tschechische Krone habe hingegen durch ihre Abschwächung in der Krise optimal funktioniert und die tschechischen Exporte gestützt. “Viele Euro-Befürworter sind inzwischen skeptisch geworden”, glaubt Linhart.

Libor Holsán, Inhaber des Pilsner Unternehmens Montan, ist einer von ihnen: “Ich war immer für den Euro, aber die Krise hat mich vom Gegenteil überzeugt”, sagt der Unternehmer. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei eine eigene Währung wichtig. “Die tschechische Zentralbank hat dank unserer nationalen Währung großen Spielraum bei der Korrektur des Wechselkurses und kann so spekulativem Druck von außen entgegenwirken”, meint Holsan. Eine zu starke Krone sei nicht im Interesse Tschechiens, denn: „Das macht die Exporte teurer und sorgt durch billigere Importe für wachsende Konkurrenz auf dem tschechischen Markt“, so Holsán. Einen Vorteil hat die starke Krone allerdings für den Unternehmer: Der Einkauf seiner Maschinen wird billiger. Denn die bezahlt er in Euro.

“Aufgrund des langen Streits um den Euro macht sich bei den Unternehmern in der Region eine gewisse Euro-Müdigkeit breit. Selbst die Euro-Befürworter gehen im Moment nicht davon aus, dass Tschechien die Gemeinschaftswährung in absehbarer Zeit einführt”, sagt der Vorsitzende der Bezirkswirtschaftskammer Pilsen, Zdenek Muzik. Auch er bemerkt, dass viele Unternehmer der Gemeinschaftswährung aufgrund der aktuellen Krise der Eurozone inzwischen skeptischer gegenüber stehen. Und dennoch: “Viele Unternehmen warten ab mit einem endgültigen Urteil über den Euro”, glaubt der Kammervorsitzende.