Für Matthias Wisssmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), ist TTIP sehr

Für Matthias Wisssmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), ist TTIP sehr wichtig.

Produktion: Herr Wissmann, welchen Geschäftsverlauf erwarten Sie für Ihre Branche 2015?
Matthias Wissmann: In einem konjunkturell unsicheren Fahrwasser hält die deutsche Automobilindustrie bisher Kurs. Aufgrund der politischen Spannungen in einigen Teilen der Welt haben die Unsicherheiten für die Automobilkonjunktur zugenommen, aber für Krisenstimmung sehen wir derzeit keinen Anlass.

Der Pkw-Weltmarkt wächst auch 2015. China und die USA legen weiter zu. Der westeuropäische Markt erholt sich, allerdings geht das langsam voran. Wir rechnen für die deutsche Automobilindustrie mit einem Plus bei Produktion und Export sowie mit einer stabilen Beschäftigung.

Produktion: Was treibt ihre Branche im nächsten Jahr technologisch an?
Matthias Wissmann: Elektromobilität, die weitere Reduzierung von CO2 und die Effizienzsteigerung werden uns weiter beschäftigen. Dazu kommt das Thema Vernetzung als wichtiger Innovationstreiber für eine zeitgemäße Mobilität. Es geht dabei vor allem darum, ein vielversprechendes Mobilitätsmodell zu entwickeln, das alle zur Verfügung stehenden Verkehrsträger nahtlos miteinander verknüpft und so für mehr Verkehrssicherheit auf den Straßen sorgt. Das automatisierte Fahren, die Vernetzung und die Intermodalität sind die Pfeiler, auf die sich die Mobilität der Zukunft stützt.

Produktion: Welche politischen Themen werden die Geschäfte Ihrer Branche beeinflussen und warum?
Matthias Wissmann: Die Energiekosten sind in Deutschland innerhalb von vier Jahren um 21 Prozent gestiegen. Unser Strompreis ist durch die staatlichen Belastungen teilweise doppelt so hoch wie in unseren Nachbarländern oder in den USA. Auch die Lohnstückkosten sind wieder stärker gewachsen. Sozialpolitische Maßnahmen wie Mindestlohn oder Rente mit 63 belasten besonders die Zulieferunternehmen, den Mittelstand und damit den Produktionsstandort Deutschland.

Ohne ein klares Bekenntnis der Politik zu Wachstum und Beschäftigung am Standort Deutschland wird der Erfolg unserer Branche nicht einfach fortzusetzen sein.

Von großer Bedeutung ist das geplante Handelsabkommen TTIP zwischen der EU und den Vereinigten Staaten. Es geht dabei nicht nur um den Abbau von Zöllen, die allein für die Automobilindustrie eine jährliche Belastung von einer Milliarde Euro darstellen. Es geht vielmehr um die Chance, mit einem transatlantischen Freihandelsabkommen heute Normen und Standards zu setzen, die später auch weltweit gelten können. Die Beseitigung dieser nicht-tarifären Handelshemmnisse wäre daher ein echtes Konjunkturprogramm.

Gunnar Knüpffer