Reinhold Festge VDMA

"Wir im Maschinenbau brauchen dringend neue Märkte", sagte Festge. Einige Märkte, zum Beispiel der russische, hätten sich deutlich verschlechtert, in China bewege sich das Wirtschaftswachstum immer deutlicher auf ein Normalmaß zu, und die Freihandelsverhandlungen kämen nicht voran. - Bild:VDMA

Angesichts der Schwierigkeiten in anderen Märkten sei es wichtig, sich neue zu erschließen, sagte VDMA-Präsident Reinhold Festge bei der Vorstellung einer Studie mit dem Titel "Wachstumsregion Afrika" in Frankfurt. Allerdings dürften die Unternehmen keine schnellen Erfolge erwarten und müssten langen Atem beweisen.

"Wir im Maschinenbau brauchen dringend neue Märkte", sagte Festge. Einige Märkte, zum Beispiel der russische, hätten sich deutlich verschlechtert, in China bewege sich das Wirtschaftswachstum immer deutlicher auf ein Normalmaß zu, und die Freihandelsverhandlungen kämen nicht voran. Warum also nicht ein größeres Engagement in Afrika? "Wir glauben, dass wir diesen Markt für uns noch deutlich entwickeln können", sagte Festge.

Derzeit rangieren deutsche Maschinenbauer auf dem afrikanischen Markt nur auf Platz vier - hinter China, den USA und Italien. Die Autoren der Studie - neben dem VDMA die Beratungsgesellschaft KPMG und das Handelsblatt Research Institute - sehen durchaus Potenzial für mehr. Ihre Botschaft: Deutsche Unternehmer müssen sich trauen.

Deutsche Maaschinenbauer nur auf Platz 4

"Jeder Unternehmer, der Geschäfte in Afrika macht, ist zufrieden. Aber alle, die nicht dabei sind, sind sehr unsicher. Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren ist, da zu sein. Wenn man da ist, dann ist Erfolg sehr wahrscheinlich", sagte KPMG-Vorstandsmitglied Karl Braun.

Diese Erfahrung hat VDMA-Präsident Festge mit dem Unternehmen gemacht, dessen Geschäftsführender Gesellschafter er selbst lange war, dem Pack- und Siebmaschinenhersteller Haver & Boecker aus Oelde im Münsterland. Dessen größter Einzelkunde sitzt nämlich in Nigeria. Damit ist er allerdings ein Exot in der deutschen Industrielandschaft, in der Unkenntnis und das Misstrauen gegenüber Afrika vorherrschen.

Das gilt teilweise auch für die deutsche Politik, die Unternehmer laut VDMA besser unterstützen könnte. "Wir müssen gucken, ob unsere jetzige Entwicklungspolitik nicht zu hilfslastig ist. Wir müssen diesen Ländern nicht helfen, wir müssen mit ihnen zusammenarbeiten", sagte Festge. Was er meint, ist eine größere Flexibilität in Finanzierungsfragen, zum Beispiel Hermes-Bürgschaften für Länder wie Nigeria oder Namibia, die derzeit noch auf der schwarzen Liste stehen. "Dort gibt es natürlich keine deutsche Demokratie, die haben ihre eigenen Regeln, aber auf die müssen wir uns einstellen."

Ein großes Problem für Geschäfte mit Afrika sieht der VDMA im schlechten Ausbildungsstand afrikanischer Arbeitskräfte. Zwar sind die Kunden dort an deutscher Hochtechnologie interessiert, doch haben sie oft nicht die geeigneten Arbeitskräfte zu ihrer Bedienung.

Der VDMA will deshalb demnächst drei Berufsausbildungsprojekte starten - nicht gleich in Nigeria oder Namibia, sondern in der "Schweiz Afrikas", in Botswana. Festge: "Wir müssen künftig nicht nur Maschinen verkaufen, wir müssen auch Bildung verkaufen. Und dazu sind wir fest entschlossen."