Luftverschmutzung

Die Europäische Union hat nach monatelangen Verhandlungen einen Kompromiss erreicht. Damit dürfte das Verschmutzen der Luft mit Kohlendioxid in Zukunft deutlich teurer werden. - Bild: Pixabay

"Die EU dreht bei der Reform des Emissionshandels an zu vielen Schrauben gleichzeitig. Das gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie, gerade in industriellen Schlüsselbranchen", beklagte der Vize-Geschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI), Holger Lösch.

Die Europäische Union hat nach monatelangen Verhandlungen einen Kompromiss erreicht. Damit dürfte das Verschmutzen der Luft mit Kohlendioxid in Zukunft deutlich teurer werden. "Unsere Unternehmen befürchten massiv steigende CO2-Preise", warnte Lösch. Der BDI erwartet Preise von 30 bis 40 Euro je Tonne Kohlendioxid. Heute kostet das Zertifikat für eine Tonne Klimagas nur rund 8 Euro.

Die Einigung in Brüssel sieht vor, dass Kraftwerke und Fabriken zwischen 2021 und 2030 jedes Jahr 2,2 Prozent weniger CO2 in die Atmosphäre blasen dürfen. Gleichzeitig werden Verschmutzungsrechte vom Markt genommen, um das Angebot zu reduzieren. Das Übereinkommen gilt als Signal an die in Bonn tagende Weltklimakonferenz.

Die Europäische Union reagiert damit darauf, dass der Emissionshandel bislang nicht funktioniert. Zu viele Zertifikate sind im Umlauf, so dass der Preis gering bleibt. Damit ist es für Industrie und Stromversorger günstiger, Treibhausgase auszustoßen als in moderne Technologien zu investieren. Die EU würde ohne das Anziehen der Zügel ihr Klimaziel im Jahr 2030 verfehlen. Am Mittwoch hatte die EU-Kommission bereits ihre Vorschläge für den Verkehrssektor vorgelegt. Bis 2030 sollen Autos und leichte Nutzfahrzeuge 30 Prozent weniger CO2 verbrauchen. Bundesregierung und die deutschen Autokonzerne halten das für viel zu streng.

Der BDI warnte in seiner Stellungnahme davor, hierzulande nun zusätzliche Klimaschutzanstrengungen zu beschließen, die die Unternehmen leisten müssten. "Ein vorzeitiger Kohleausstieg oder ein nationaler CO2-Preis würden dieses wirkungsvolle System beeinträchtigen", meinte Lösch.

Die Aktien der beiden Stromkonzerne mit hohem Anteil an Kohlekraftwerken, RWE und Uniper, reagierten am Donnerstag kaum auf das Übereinkommen auf europäischer Ebene. Der in den Sondierungsrunden zwischen Union, FDP und Grünen diskutierte Kohleausstieg bis 2030 ist für beide Versorger wesentlich gefährlicher.