Ungeachtet des Atomkonsenses befürchtet die Industrie drastisch steigende Strompreise (Bild:

Ungeachtet des Atomkonsenses befürchtet die Industrie drastisch steigende Strompreise (Bild: Fotos4people - Fotolia.com).

Trotz sinkender Strompreise an den europäischen Energiebörsen geht der VIK wegen der staatlich verursachten Belastungen von weiter steigenden Stromkosten für die Industrieunternehmen aus.


BERLIN (ks). Die staatlich verursachten Strompreiserhöhungen belasten in Deutschland produzierende Unternehmen immer mehr. Zudem bringt der vom Energiekonzept der Bundesregierung eingeschlagene Weg in Zukunft ein hohes Maß an Unsicherheiten hinsichtlich Preisgünstigkeit und Sicherheit der deutschen Stromversorgung, so der VIK, die Interessenvertretung der energieintensiven Unternehmen, anlässlich seiner Jahrespressekonferenz in Berlin.
Allein die Erhöhung der EEG-Umlage um 70 % für 2011 wird die deutsche Industrie demnach 2 Mrd. Euro zusätzlich kosten. Der – wenn auch gemilderte – Anstieg der Ökosteuer komme wohl mit ca. einer halben Mrd. Euro hinzu. Die Klimaschutzerfolge der Industrie – 26 % CO2-Minderung seit 1990 – sei nicht zum Nulltarif zu schaffen. Sie konnten nur mit erheblichen Investitionen in Effizienzverbesserungen erreicht werden, erklärt der Verband.

Ab 2013 werden neue direkte Belastungen aus dem EU-Emissionshandel kommen, so der VIK. Denn trotz der politischen Entscheidung für 100 % freie Zuteilung an Carbon-Leakage-gefährdete Unternehmen läuft die Umsetzung dieser Regeln in eine andere Richtung. In Brüssel sorgt die Kommission dafür, dass diese Unternehmen in starkem Maße in die Ersteigerung der Zertifikate einsteigen müssen. Zur Begrenzung dieser drohenden Zusatzbelastungen wünschen sich die Unternehmen eine starke Unterstützung durch die Bundesregierung. Ohne Deutschland hätte die Gefahr des „Carbon Leakage“ wohl keine so starke Beachtung gefunden. Jetzt muss die Bundesregierung konsequent an diesem Thema weiterarbeiten. Denn für kein anderes Land in der EU hat Carbon Leakage eine vergleichbare Bedeutung wie für Deutschland mit seiner einzigartigen industriellen Struktur.

Beim aktuellen Energiekonzept der Bundesregierung zweifelt der VIK an der Solidität der Annahmen und Voraussetzungen, um das gesetzte Ziel von 80 % Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien 2050 zu erreichen. „Nicht Wunschdenken, sondern technische und gleichzeitig ökonomische Machbarkeit sollten Leitfaden der Energiepolitik sein“, sagte der Vorsitzende des VIK-Vorstands Volker Schwich. „Wir machen uns zudem Sorgen um die sichere Stromversorgung am Industriestandort Deutschland, denn der dafür dringend notwendige Netzausbau ist nicht erkennbar. Alle Erfahrungen mit Großprojekten zeigen ganz generell, wie schwierig das wird“, so Schwich weiter. Sich auf das europäische Ausland bei Speicher-, Transport- und Erzeugungskapazitäten zu verlassen, sei ein weiterer großer Unsicherheitsfaktor. Vor diesem Hintergrund sei die Entscheidung zur Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke – mit ihrem preisdämpfenden und für die Versorgungssicherheit stabilisierenden Einfluss – absolut zu begrüßen.

„Dies ist ausdrücklich keine Absage an Erneuerbare Energien. Ein Schwarz-Weiß-Denken im Sinne von entweder pro oder kontra erneuerbare bzw. konventionelle Kraftwerke bringt uns nicht weiter. Die Herausforderungen an die passende Stromversorgung eines so global orientierten und starken Industriestandorts wie Deutschland sind so gewaltig, dass wir eine rationale Herangehensweise brauchen, die ohne „Sowohl-als-auch“ wohl nicht auskommen kann.“