Mexiko ist Partnerland der Hannover Messe 2018 - und könnte vom schwelenden Handelskonflikt zwischen den USA und China profitieren

Mexiko ist Partnerland der Hannover Messe 2018 - und könnte vom schwelenden Handelskonflikt zwischen den USA und China profitieren. - Bild: Deutsche Messe

In Mexiko - immerhin Mitglied der G20 - boomen Nahrungsmittel- und Elektroindustrie. Will das Land sich als großer Industriestandort behaupten, muss es allerdings innovativer werden. Zwar wird das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) mit den USA und Kanada derzeit in mühsamen Gesprächen neu verhandelt, zunächst aber bleibt der südliche Nachbar der Vereinigten Staaten von Trumps Strafzöllen verschont.

"Tatsächlich werden in Mexiko eine Reihe von Produkten gefertigt, deren Einfuhr aus China nun von Seiten der USA mit Zöllen belegt wird", sagt Florian Steinmeyer, Berichterstatter der Außenwirtschaftsgesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI) in Mexiko. "Hersteller von Elektrokomponenten und Stahlproduzenten aus Mexiko könnten deshalb profitieren."

Beispiel Unterhaltungselektronik: Bereits jetzt ist Mexiko der weltgrößte Exporteur von Flachbildfernsehern - bei Computern, Mikrofonen, Lautsprechern und Kopfhörern liegt es an vierter Stelle. Im vergangenen Jahr kauften die Amerikaner Flachbildschirme im Wert von 6,5 Milliarden US-Dollar (5,25 Milliarden Euro) aus Mexiko. "Die mexikanischen Firmen könnten einen weiteren Schub erhalten, wenn die Produkte der chinesischen Konkurrenz potenziell 25 Prozent teurer werden", sagt Caitlin Webber vom Analyse-Unternehmen Bloomberg Intelligence.

Langfristig will sich Mexiko allerdings aus der Abhängigkeit von den USA lösen und den Handel mit Europa, Lateinamerika und Asien verstärken. "Wir sind zu abhängig von den Vereinigten Staaten. Sie werden immer ein strategischer Markt bleiben, aber wir müssen unsere Präsenz in anderen Regionen erhöhen", sagt der Leiter der mexikanischen Wirtschaftsförderung ProMéxico, Paulo Carreño.

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    Der Audi Q5 auf der Bühne mit Vertretern der mexikanischen Regierung und der Audi Konzernführung während der Einweihungsfeier im Audi-Werk in San José Chiapa. - Bild: Audi

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    Dr.-Ing. Hubert Waltl, Audi-Vorstand Produktion mit Vorstandskollegen im Kreis von Journalisten. - Bild: Sabine Spinnarke

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    Endmontage des neuen Audi Q5 in San José Chiapa. Das neue Audi-Werk hat eine Fertigungskapazität von 150 000 Audi Q5. - Bild: Audi

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    Das Audi-Presswerk verfügt über eine Pressenstraße im XL-Format. Stahl und Aluminium können hier flexibel und schnell verarbeitet werden. - Bild: Audi

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    In Sichtweite des neuen Audi-Werks fertigt Thyssen-Krupp Achs- und Bremssysteme. Geliefert wird Just-in-Sequence. - Bild: Sabine Spinnarke

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    Zulieferer Thyssen Krupp leitet seine Mitarbeiter durch den Montageprozess mit einem Pick-by-Light-System. - Bild: Sabine Spinnarke

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    Der zentrale Leitstand ist der modernste im Audi-Produktionsverbund und steht sinnbildlich für die Audi Smart Factory - Bild: Sabine Spinnarke

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    In der Produktion installierte Kameras helfen bei Neuanläufen Fehler schneller zu finden.- Bild: Sabine Spinnarke

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    Ein Leitstands-Mitarbeiter beobachtet, ob in der menschenleeren Halle alles reibungslos verläuft. - Bild: Sabine Spinnarke

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    Am Meisterbock erhalten alle Karosserien den letzten Feinschliff. Mit diesem Referenzwerkzeug werden die Karosserie-Teile perfekt aufeinander abgestimmt - Bild: Sabine Spinnarke

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    Das neue Audi Trainingscenter in Mexiko: Auf mehr als 20 000 Quadratmetern findet künftig die Qualifizierung und Ausbildung der Audi-Mitarbeiter statt - Bild: Sabine Spinnarke

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    Spielerisch lernen: jeder Audi-Mitarbeiter durchläuft ein 6-wöchiges Training, bevor er in der Produktion eingesetzt wird. Neben der Carrera Rennbahn gehört modernes Produktionsequipment und Unterrichtsmaterial dazu. - Bild: Sabine Spinnarke

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    PVC-Klebepunkte setzen. Hier erwerben künftige Produktionsmitarbeiter das notwendige Feingefühl. - Bild: Sabine Spinnarke

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    Ein Ausbilder schult einen künftigen KFZ-Mechatroniker. Im Audi-Trainingscenter wird die dualen Ausbildung in fünf Berufen angeboten. - Bild: Sabine Spinnarke

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    Im Karosseriebau setzen leistungsstarke Roboter punktgenau kleinste Schweißnähte. - Bild: Audi

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    Auf einer Fläche von 400 Hektar produziert Audi den Premium-SUV Audi Q5 in San José Chiapa. - Bild: Audi

Als erstes lateinamerikanisches Land ist Mexiko nun Partner der Industrieschau Hannover Messe (23. bis 27. April). "Wir wollen das neue Gesicht Mexikos zeigen, das moderne Mexiko", sagt Wirtschaftsstaatssekretär José Rogelio Garza Garza. "Die Augen der gesamten Industriewelt werden sich auf Mexiko richten", meint Deutsche-Messe-Vorstandschef Jochen Köckler. "Die Partnerschaft ist eine Win-win-Situation und wird unsere wirtschaftlichen Beziehen ausweiten und verbessern."

Mexiko boomt - zum Teil

Tatsächlich ist Mexiko eine brummende Fabrik. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von umgerechnet 946 Milliarden Euro liegt das Land auf dem 15. Rang der größten Volkswirtschaften. Mit einem Außenhandelsvolumen von rund 760 Milliarden US-Dollar (derzeit rund 614 Mrd Euro) importiert und exportiert Mexiko etwa doppelt soviel wie Lateinamerikas größte Volkswirtschaft Brasilien.

Vor allem die Autobranche boomt. Im vergangenen Jahr liefen 3,77 Millionen Fahrzeuge vom Band. Bis 2020 will Mexiko der fünftgrößte Automobilstandort der Welt werden. Auch deutsche Autobauer mischen kräftig mit. VW betreibt in Puebla sein zweitgrößtes Werk weltweit, Audi fertigt in der Nähe den Geländewagen Q5. BMW und Daimler bauen derzeit neue Werke.

"Mexiko profitiert als Produktionsstandort von wettbewerbsfähigen Löhnen, relativ gut ausgebildeten Arbeitskräften, einem großen Netz an Zulieferern und einer soliden Infrastruktur", sagt GTAI-Experte Steinmeyer. "Das Gesamtpaket für Investoren stimmt." Zudem ist das Land eine der offensten Volkswirtschaften der Welt und unterhält Freihandelsabkommen mit mehr als 40 Staaten. Mit der Unterzeichnung des Pazifik-Handelsabkommen CPTPP schlugen die Mexikaner zuletzt eine Brücke nach Asien.

Deutsche Unternehmen in Mexiko aktiv

Das gefällt auch deutschen Unternehmen. Nach Angaben der deutsch-mexikanischen Industrie- und Handelskammer sind rund 2000 Firmen mit deutscher Kapitalbeteiligung in Mexiko aktiv. Mit einem Volumen von etwa 16 Milliarden US-Dollar ist Deutschland Mexikos größter Handelspartner in der Europäischen Union.

Will sich Mexiko allerdings dauerhaft als wichtige Industrienation positionieren, muss das Land eine Reihe von Herausforderungen meistern. Vor allem die weit verbreitete Korruption, die schlechte Sicherheitslage und die mangelnde Innovationskraft einheimischer Firmen hemmen nach Einschätzung von Experten die weitere Entwicklung des Landes.

Video: Thilo Brodtmann zur Hannover Messe 2018

So wird in Mexiko zwar kräftig gefertigt, aber nur selten Neues entwickelt. "Mexiko sollte seine Forschungslandschaft stärken. Ein guter Ansatz könnte die stärkere Vernetzung von Hochschulen und Unternehmen sein", rät GTAI-Experte Steinmeyer. Gerade bei der digitalen Vernetzung von Produktion, Energie und Logistik (Industrie 4.0) - dem Schwerpunkt der diesjährigen Hannover Messe - ist noch viel Luft nach oben.

Auch nach Einschätzung des deutschen Botschafters könnte das Land im Bereich der Innovation noch sehr viel mehr tun. "Mexiko ist dabei, von einer reinen Produktionsplattform zu einem Land zu werden, das eigene Produkte entwickelt", sagt Viktor Elbling. "Forschung und Entwicklung ist eines der großen Zukunftsthemen. Da besteht in Mexiko noch großes Potenzial."

Neues Werk: Bosch investiert noch einmal in Mexiko

Bosch setzt trotz der unklaren Zukunft der US-Handelsbeziehungen noch stärker auf Mexiko. Für mehr als 100 Millionen Euro soll in Celaya im Bundesstaat Guanajuato bis 2019 ein neues Werk für Elektronikkomponenten zum Beispiel für die vernetzte Mobilität entstehen, wie der Konzern mitteilte.

Mexiko bleibe ein wichtiger Markt und zugleich ein Knotenpunkt für den globalen Fertigungs- und Entwicklungsverbund von Bosch, hieß es. Lesen Sie mehr.