Martin Welcker, VDMA, Industrie 4.0, TTIP, Hannover Messe

"Beim Thema Industrie 4.0 müssen wir uns nicht hinter den USA verstecken", sagte Martin Welcker auf der VDMA-Pressekonerenz auf der Hannover Messe. Bild: VDW

Mit großer Sorge sehen die Maschinenbauer die Auseinandersetzungen um das geplante Freihandelsabkommen TTIP, die nach Einschätzung des VDMA häufig von Panikmache geprägt seien. Der VDMA ist bestürzt, dass gerade in einem vom Export lebenden Land wie Deutschland selbst die Gewerkschaften in die Riege der TTIP-Blockierer eingetreten seien – obwohl es ihre Mitglieder seien, deren Arbeitsplätze vom Freihandel und damit auch von TTIP abhängen würden. "Ich kenne niemanden, der durch amerikanisches Hormonfleisch gestorben ist", sagte VDMA-Vizepräsident Martin Welcker bei der VDMA-Pressekonferenz auf der Hannover Messe. "Die TTIP-Ängste sind irrational."

Allein durch die Streichung aller Zölle könnten laut Verband im Maschinenbau Kosten von jährlich 1 Mrd Euro wegfallen. Hinzu kämen erhebliche Kosteneinsparungen zwischen 5 und 18 % je Maschine, würde der aufwendige Prozess der Umrüstung auf amerikanische Standards entfallen. Der VDMA ist besorgt, dass im amerikanischen Präsidentenwahlkampf der freie Handel inzwischen ebenfalls mit so negativen Grundtönen versehen werde. Der Verband erhofft sich vom Besuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama auf der Hannover Messe auch neuen Schwung für die TTIP-Verhandlungen.

Ob die Entwicklung zu einer voll digitalisierten Produktion nun wie in Deutschland unter dem Label Industrie 4.0 oder wie in Amerika unter dem Stichwort „industrial internet“ geschieht: "Beim Thema Industrie 4.0 müssen wir Maschinenbauer uns nicht hinter den USA verstecken", meinte Welcker. Die Digitalisierung und die Einführung neuer Geschäftsmodelle sei im deutschen Maschinenbau inzwischen gelebte Praxis. Laut VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann nähern sich USA und Europa bei Industrie 4.0 langsam an. Hier finde eine Konvergenz statt.

Welcker warnte indes vor der Zusammenarbeit mit Softwarehäusern, die keine hohen Datensicherheitsstandards gewährleisten. Hier müssten deutlich die roten Linien aufgezeigt werden.

Das künftige Wachstum der Industrie in Deutschland und in Europa hänge laut VDMA auch davon ab, dass die EU einen digitalen europäischen Binnenmarkt schafft, um in Sachen Digitalisierung der Industrie mit den Amerikanern und Chinesen auch künftig mithalten zu können. Die Europäische Union könne es sich nicht leisten, dass die Digitalisierung der Industrie auf einem Flickenteppich von 28 nationalen Initiativen vorangetrieben werde, warnte der VDMA. Es wurde daher Rechtssicherheit im Umgang mit Industriedaten benötigt. Es müssen überprüft werden, ob die Sicherheitsstandards in Zukunft noch angemessen sind. Der VDMA forderte einen Digital-Check für neue und bestehende EU-Gesetzgebung.