Bundesumweltminister Norbert Röttgen sieht keinen Widerspruch zwischen Ökonomie und Ökologie,

Bundesumweltminister Norbert Röttgen sieht keinen Widerspruch zwischen Ökonomie und Ökologie, sondern eher eine gegenseitige Abhängigkeit (Bild: Karius).

von Daniela Hoffmann

BERLIN. Gerade rechtzeitig zu seinem Einsatz erreichte Röttgen die Bühne und wurde von Nina Ruge mit einem Zitat von Christian Morgenstern begrüßt: „Was braucht ein Volk für Gönner? Wahrheit-sagen-Könner“. Der Bundesumweltminister versprach, auf das ihm gestellte Thema „Umweltpolitik im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ökologie“ einzugehen, das er sogleich hinterfragte: „Ist es analytisch richtig, von einem Spannungsverhältnis auszugehen?“, fragte Röttgen. „Beide Bereiche sind nicht durch einen Gegensatz geprägt, sondern durch Interdependenz charakterisiert“, so der Minister. Ökologische Ziele seien nur mit ökonomischen Maßnahmen erreichbar, und umgekehrt: Eine vernünftige Wirtschaftspolitik beinhaltete auch ökologische Politik.

Mit Wachstumsgegnern ging Röttgen scharf ins Gericht: „Ein Verzicht auf Wachstum würde zum Kollaps unserer Gesellschaft führen“, so der Bundesminister. Denn selbst wenn Deutschland das so entscheiden würde – die Chinesen und der Rest der Welt würden sich davon kaum beeindrucken lassen. „Wir werden nicht gefragt: Wachstum findet statt“, konstatierte Röttgen. Gestaltungsspielraum sieht er allerdings in der Frage, um welche Art von Wachstum es sich handeln soll.

„Ein Wachstum, das sich ankettet an den Verbrauch natürlicher Ressourcen, wird in einer Sackgasse enden“, prophezeite der Minister. Und: „Das Ende der Sackgasse könnte schneller erreicht sein als gedacht“. Schließlich wächst die Weltbevölkerung rasant – bis 2050 sollen es schon gut 9 Milliarden Menschen sein. Menschen mit dem Wunsch nach höherer Lebenserwartung, Wohlstand, Bildung, Mobilität und Krankenversicherung. Kein Land wird deshalb zweistellige Wachstumsraten aufs Spiel setzen. Doch so nähern wir uns weiter einer der engsten Grenzen: Dem endlichen Deponieraum der Atmosphäre für Treibhausgas. „Wenn wir diese Grenzen weiter überschreiten, wird die Natur zurückschlagen und die natürliche Basis wirtschaftlichen Erfolgs beeinträchtigen und partiell zerstören“, mahnte der Umweltminister.

Er forderte, den Wettbewerb auf die Ressourcenknappheit auszurichten und zu führen: Dabei gehe darum, mit immer weniger Ressourcen und immer weniger CO2-Ausstoß am meisten zu produzieren. „Wer das schafft, wird Gewinner des Wettbewerbs im 21. Jahrhundert sein“, so der Minister. Erfindung, statt Ressourcenverbrauch: Ein umwelttechnologisches Mammutprojekt, für das er deutsche Kernkompetenzen insbesondere auch der produzierenden Industrie sieht. „Nicht die Japaner, Chinesen oder Amerikaner, sondern wir Deutschen sind in diesem Feld führend“, stellt Röttgen fest. Kraftwerke, Netzausbau, Wind- und Wasserkraft, Recycling: Hier sei vor allem die Kompetenz des Maschinen- und Anlagenbaus gefragt.

„Wenn es einen Konflikt gibt, dann zwischen Kurz- und Langfristigkeit“, schlägt Röttgen den Bogen zum Thema. Innovation sei mit hohen Investitionskosten verbunden, für deren Sicherung ein verlässlicher Rahmen von staatlicher Seite notwendig sei. Aus seiner Sicht hat der beschlossene Atomausstieg hier erstmals langfristige Planungssicherheit, unabhängig von Legislaturperioden geschaffen. Aus dem Kampfthema sei ein ökonomisches Gestaltungsthema geworden. Die Politik wolle hier, gerade bei der Einführung von Effizienzstandards, ähnlich wie beim Toprunner-Gesetz, von der Industrie lernen. Adressiert an den Maschinen- und Anlagenbau und den VDMA sagte Röttgen: „Ich habe Sie immer als einen hochkompetenten, kritischen Partner erlebt“.

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