Arbeitsschutz, Dekra

Das Arbeitsschutzgesetz schreibt vor, dass für jeden Typ eines Arbeitsplatzes im Unternehmen beurteilt werden muss, welche Gefahren für den Arbeitnehmer davon ausgehen können. - Bild: Dekra

Was ist eine Gefährdungsbeurteilung?

Eine Gefährdungsbeurteilung ist die systematische Ermittlung und Dokumentation der bestehenden Gefährdungen für alle Tätigkeiten in einem Unternehmen sowie die Ableitung entsprechender Schutzmaßnahmen. Jeder Arbeitgeber ist nach dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) dazu verpflichtet. Die Gefährdungsbeurteilung, auch bezüglich psychischer Belastungen, bildet heute das zentrale Instrument des Arbeitsschutzes.

 

Die gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilung ist in vielen Betrieben in Deutschland nicht selbstverständlich. Das ist eines der Ergebnisse des DEKRA Arbeitssicherheitsreport 2018/2019, für den vom Institut forsa 300 zufällig ausgewählte Entscheider im Personalbereich oder Arbeitsschutz in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU von 10 bis unter 500 Mitarbeiter) befragt wurden.

Ein wesentliches Thema der repräsentativen Studie ist die Gefährdungsbeurteilung - das zentrale Element im deutschen Arbeitsschutzrecht. Dieses schreibt vor, dass für jeden Typ eines Arbeitsplatzes im Unternehmen beurteilt werden muss, welche Gefahren für den Arbeitnehmer davon ausgehen können. Die Ergebnisse sind die Grundlagen für alle weiteren Maßnahmen und Empfehlungen durch Arbeitssicherheitsfachkraft und Arbeitsmediziner.

Bürotätigkeiten oder Bildschirmarbeitsplätze nicht gefährlich?

Gefährdungsbeurteilungen sind in 59 Prozent der befragten Unternehmen für alle Typen von Arbeitsplätzen erfolgt. Bei 24 Prozent der Unternehmen gibt es nicht für alle, aber für mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze eine Gefährdungsbeurteilung, bei 6 Prozent gibt es für weniger als die Hälfte der Arbeitsplätze eine solche Gefährdungsbeurteilung.

Dekra
Grafik: Dekra

Dass es in ihrem Betrieb für gar keine Arbeitsplätze eine Gefährdungsbeurteilung gibt, geben nur wenige Befragte (5 %) an. Gefährdungsbeurteilungen für alle Typen von Arbeitsplätzen gibt es vor allem bei den größeren Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern sowie tendenziell bei den Unternehmen der Industrie und des verarbeiteten Gewerbes und bei Unternehmen aus den Bereichen Chemie, Pharma, Bio und Energie.

Von den wenigen Entscheidern, die angegeben haben, dass es in ihrem Unternehmen nicht für alle, aber für mehr oder weniger als die Hälfte der Arbeitsplätze eine Gefährdungsbeurteilung gibt, gibt etwas mehr als jeder Zweite (55 %) an, dass es in ihrem Betrieb keine Gefährdungsbeurteilung für Bürotätigkeiten oder Bildschirmarbeitsplätze gibt. 10 Prozent nennen hier speziell Arbeitsplätze im kaufmännischen Bereich.

Psychische Gefährdungsbeurteilung unterbleibt oft

Mittelständische Unternehmen in Deutschland ignorieren auch mehrheitlich gesetzliche Vorschriften zur Stress- und Burnout-Prävention. Nur in rund vier von zehn Firmen (41 Prozent) erfolgt die im Arbeitsschutzgesetz vorgeschriebene psychische Gefährdungsbeurteilung, die stressbedingte Erkrankungen und Ausfälle verhindern soll.

Neuregelung beim Mutterschutz

Auch beim Mutterschutz gibt es Änderungen im Hinblick auf die Gefährdungsbeurteilung. Das Gesetz zur Neuregelung des Mutterschutzrechts vom 1. Januar 2018 beschreibt jetzt eindeutig die Arbeitgeberpflichten bezüglich Beurteilung und Gestaltung der Arbeitsbedingungen im Falle einer Schwangerschaft, ebenso die Informations- und Unterweisungspflichten. Ein zentraler Punkt ist, dass jetzt ausdrücklich eine präventive Gefährdungsbeurteilung gefordert wird. Zeitliche Reihenfolge und Rangfolge der Schutzmaßnahmen sind ebenfalls geregelt.

Für die Arbeitgeber bedeutet dies: Sie müssen im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsbedingungen nach § 5 des Arbeitsschutzgesetzes für alle Tätigkeiten auch eine (abstrakte) Gefährdungsbeurteilung im Falle einer Schwangerschaft durchführen. Dies gilt auch dann, wenn die Tätigkeit zu diesem Zeitpunkt von einem Mann ausgeübt wird. Wenn eine Beschäftigte eine Schwangerschaft anzeigt, muss die allgemeine Gefährdungsbeurteilung für den speziellen Fall konkretisiert werden. Schwangere oder stillende Arbeitnehmerinnen dürfen dann die Tätigkeiten nur ausführen, wenn der Arbeitgeber die erforderlichen Schutzmaßnahmen getroffen hat.

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    Tipp 1: Keine waghalsigen Kletterpartien! Beim Besteigen von Leitern auf Standsicherheit, eventuell Absicherung durch zweite Person und intaktes Gerät achten. - Bild: Adobe Stock/Carlos Santa Maria

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    Tipp 2: Tun Sie selbst etwas, um Stolper- und Rutschfallen rasch zu beseitigen. - Bild: Pixabay

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    Tipp 3: Ordnung halten, Wege freihalten, Verpackungsmaterial und andere Dinge aus dem Weg räumen und entsorgen. - Bild: Pixabay

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    Tipp 4: Auf den Zustand der Böden achten. Sie müssen trocken, sauber und intakt sein. Bei Beschädigungen die zuständigen Mitarbeiter informieren. - Bild: Pixabay

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    Tipp 5: Sichere, rutschfeste Schuhe benutzen, die festen Halt geben. - Bild: Adobe Stock/pressmaster

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    Tipp 6: Vorsicht auf Treppen. Achtsam gehen, Stress vermeiden und Handlauf benutzen. - Bild: Pixabay

  • Offene Augen

    Tipp 7: Augen offen halten. Eine kleine Ursache führt oft zu schweren Unfällen. - Bild: Pixabay

  • Kisten

    Tipp 8: Beim Transportieren von größeren Dingen sich nicht zu viel aufladen und gute Sicht gewährleisten. Wenn nötig, Hilfe in Anspruch nehmen. - Bild: Pixabay

  • Beleuchtung

    Tipp 9: Schlechte Beleuchtung erhöht das Unfallrisiko. Nehmen Sie den Austausch ausgefallener Lampen und Leuchtröhren in Angriff. - Bild: Pixabay

  • Verantwortung übernehmen: Gehen Sie Auffälligkeiten an, auch wenn Sie nicht selbst dafür verantwortlich sind.

    Tipp 10: Verantwortung übernehmen: Gehen Sie Auffälligkeiten an, auch wenn Sie nicht selbst dafür verantwortlich sind. - Bild: Pixabay