Zwei Mitarbeiter begrüßen sich mit Abstand im Werk

Accenture unterstützt Sie bei der Entwicklung eines Konzeptes zur Arbeitssicherheit für Industriemitarbeiter in Zeiten der Pandemie. - Bild: littlewolf1989/ stock.adobe.com

| von Scott Tvaroh, Accenture

Die zweite Welle der Corona-Pandemie ist da, der Lockdown bis Ende November amtlich. Büromitarbeiter waren zum Teil zwischenzeitlich an ihre Arbeitsplätze zurückgekehrt. Nun, im Lockdown arbeiten viele wieder von zu Hause aus. Für Industriemitarbeiter hingegen hat sich die Situation jüngst nicht so grundlegend geändert. Sie bleiben vielerorts – Homeoffice war und ist für sie nicht möglich. Seit Beginn der Covid-19-Pandemie ist die Arbeit dieser Menschen durch sich ständig verändernde Rahmenbedingungen geprägt. Nun ist es allerdings an der Zeit, ein neues Konzept zu entwickeln, um auch die Arbeitnehmer vor Ort langfristig vor den Risiken einer Virus-Krise zu schützen. Wie ein solches Konzept aussehen kann und worauf Sie dabei achten sollten, verraten wir Ihnen hier.

Arbeitssicherheit vs. Coronavirus: Was muss geprüft werden?

Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie gelten Mitarbeiterbefragungen, Corona-Tests sowie die Kontaktverfolgung infizierter Mitarbeiter als die wichtigsten Arbeitsschutz-Maßnahmen. Hinzu kamen Abstandsregeln, veränderte Arbeitsabläufe, besondere Hygieneanforderungen und die Überwachung der Körpertemperatur. Diese Maßnahmen waren weitgehend effektiv. Büromitarbeitern wird – nicht nur während eines Lockdowns, sondern auch präventiv – als wichtigste Arbeitsschutz-Maßnahme auch weiterhin die Arbeit im Homeoffice ermöglicht.

Um Verbesserungen im Fertigungsbereich vornehmen zu können, müssen die gesamten Prozesse dort völlig neu überdacht werden. Daher sollte auch bei der Bewertung der Covid-19-Risiken ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt werden, das heißt der gesamte Arbeitstag eines Mitarbeiters sollte im Hinblick auf die Arbeitssicherheit betrachtet werden. Führungskräfte sollten sich also nicht nur auf den kurzfristigen Gesundheitsschutz im Angesicht des Virus fokussieren. Sie sollten vielmehr prüfen, welche Maßnahmen zum Gesundheitsschutz auch langfristig den behördlichen Anforderungen genügen (also bleiben können), welche für ihr Unternehmen geeignet und welche eigentlich finanzierbar sind.

...Und so sollten Sie dabei vorgehen:

Phase 1: Warum Corona-Arbeitsschutz über Gesundheits-Checks hinausgeht

Vertrauen ist die Grundvoraussetzung aller Arbeitssicherheits-Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. So finden es die meisten Unternehmen ausreichend, wenn die Mitarbeiter vor Betreten des Werks Fragebögen über ihren Gesundheitszustand ausfüllen. Das reicht aber nicht allen: Einige der führenden Unternehmen investieren dagegen viel Zeit in die Ausarbeitung von Pandemieplänen, Schulungen, Betriebsumfragen, neuer Testverfahren, Gefährdungsbeurteilungen und entsprechender Zeitpläne. Denn: Je mehr wir über das neuartige Coronavirus lernen, desto wichtiger ist es, die Sicherheits-Maßnahmen hinsichtlich Arbeitsschutz und Gesundheit schnell an die veränderten Bedingungen und die behördlichen Corona-Regeln anpassen zu können.

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In diesen fünf Schritten sollten Sie vorgehen, um Ihre Mitarbeiter zu schützen. - Bild: Accenture

Phase 2: Wer kontrolliert die Arbeitssicherheit in der Praxis?

Viele Unternehmen nutzen digitale Systeme, um die Einhaltung der Arbeitssicherheits-Regeln vor Betreten des Werks zu überprüfen. Je nach Branche wird dabei unter anderem geprüft: Wurde die Selbstauskunft ausgefüllt? Wurde die Körpertemperatur überprüft? Wird die betriebliche Schutzausrüstung getragen? Werden die Hände desinfiziert, ein Mund-Nasen-Schutz getragen und wird der Personalplan eingehalten?

Einige Arbeitgeber treffen hier zusätzliche Arbeitssicherheits-Maßnahmen: Zum Beispiel kann Mitarbeitern der Zutritt zum Werk bei Verstößen verweigert werden. In anderen Fällen wird die Nichteinhaltung der Richtlinien oder ein versäumter Test lediglich gemeldet. Auch die Corona-Tests entwickeln sich immer weiter, die Wartezeit auf ein Ergebnis verkürzt sich für die Menschen mehr und mehr. Viele größere Unternehmen richten sogar eigene Testzentren ein oder arbeiten eng mit spezialisierten Testeinrichtungen zusammen.

Phase 3: Wie digitale Tools beim Thema Arbeitsschutz helfen

Im Werk können Führungskräfte Maßnahmen treffen, die sicherstellen sollen, dass die Arbeitnehmer die Arbeitsschutz-Bestimmungen, die zur Sicherheit gegen das Coronavirus gelten, auch wirklich einhalten. Viele davon kennen wir bereits aus dem öffentlichen Raum (Corona-Regeln):

  • Mindestabstände zwischen Arbeitsplätzen
  • Schutzwände zwischen Arbeitsplätzen
  • Stationen zur Desinfektion
  • sichere Arbeitsabläufe
  • Hinweisschilder

Es besteht sogar die Möglichkeit, Mitarbeiter während der Arbeit mit Geräten auszustatten, die bei einer Unterschreitung des Mindestabstands warnt. Umso mehr dieser technischen Hilfsmittel verwendet werden, desto größer werden die Bedenken zur Datensicherheit. Das hat wiederum neue Richtlinien der Behörden zur Folge.

Gute Beispiele für solche Tools gibt es auch im öffentlichen Bereich: Das Österreichische Rote Kreuz entwickelte etwa mit Accenture die Stopp Corona-App. Mit dieser Corona-Warn-App werden Kontakte anonym nachverfolgt und durch das Coronavirus gefährdete Menschen frühzeitig benachrichtigt. Zudem arbeitete Accenture mit dem Stadtstaat Singapur an der Entwicklung von Trace Together. Dies ist eine App, bei der sich die Bevölkerung freiwillig registrieren kann, um die Nachverfolgung von Kontaktpersonen zu ermöglichen. Diese und andere Apps basieren auf dem Bluetooth-Standard und tragen zur Sensibilisierung der Bevölkerung bei.

Hilfreich sind auch UWB-Wearables (Ultra-Breitband), die die Einhaltung der Abstandsregeln deutlich erleichtern. Aktuell sind viele Pilotprojekte dieser Technik in der Testphase. Allerdings hat sich bisher noch kein Ansatz großflächig durchgesetzt. Verantwortliche können mithilfe dieser Technologien und durch die Auswertung von Daten Risiken bewerten (Gefährdungsbeurteilung). Entsprechend dem Risiko-Level können sie dann ihr Sicherheitskonzept auf Grundlage ihrer spezifischen Bedingungen sowie potenzielle User-Cases flexibel anpassen.

Corona-Krise, Lockdown: Sie benötigen Unterstützung beim Thema Arbeitssicherheit?

Scott Tvaroh, Accenture. - Bild: Accenture

Scott Tvaroh ist Global Digital Industrial Workforce Lead im Bereich Industry X bei Accenture. Für Führungskräfte entwickelt er Prozesslösungen, um die Arbeitsproduktivität zu steigern und Arbeitsschutz-Maßnahmen zu verbessern. Mithilfe von modernen Technologien können diese Lösungen auf das jeweilige Betriebsumfeld angepasst und problemlos in Legacy-Systeme integriert werden. Setzen Sie sich mit ihm via LinkedIn in Verbindung.

Phase 4: Warum Monitoring und Risikoanalyse beim Thema Arbeitssicherheit so wichtig sind

Unternehmen sollten ihre Plattformen und Lösungen bereichsübergreifend nutzen. Dies ermöglicht es ihnen, Daten aus unterschiedlichen Arbeits-Quellen zu erfassen, um sie effektiver nutzen zu können. Mithilfe dieser Plattformen können Corona-Pandemie-Zentralen aufgebaut werden. Sie helfen, Daten zu analysieren und Echtzeit-Warnungen abzusetzen, um mögliche Risiken weiter zu reduzieren.

Diese Zentralen warnen, sollten zu viele Menschen zusammenkommen, die Kontaktzeiten zu lange sein und Beschäftigte zu lange in Risikobereichen bleiben - sofern dies nach örtlichen Datenschutzbestimmungen möglich ist. Die Erfassung von Menschen-Ansammlungen kann auch zur gezielten Durchführung von Desinfektionsmaßnahmen beitragen. Ferner können diese Informationen auch bei der flexiblen Anpassung der Arbeitsschutz- und Personalpläne helfen (Gefährdungsbeurteilung).

Phase 5: Triage und Kontaktverfolgung - wie Sie richtig automatisieren

Sollte ein Beschäftigter positiv getestet werden, ist es für ein Unternehmen zwingend erforderlich, schnell handeln zu können. In solch einem Fall sollten Tools dabei helfen, nötige Maßnahmen zur Sicherheit gut zu planen und umzusetzen. So kann das Unternehmen etwa den gesamten Ablauf neu organisieren und sowohl Erstkontakte identifizieren als auch Risiken auswerten. Accenture hilft bei der Weiterentwicklung dieser Arbeitssicherheits-Prozesse, um die Kontaktverfolgung stärker zu automatisieren. Dies ist wichtig, um unternehmensweit Menschen, die mit dem infizierten Kollegen Kontakt hatten, so schnell wie möglich ausfindig zu machen. Eine solche Automationslösung integriert Accenture derzeit in die Plattform Work.com von Salesforce.

Return to Workplace with Accenture and Salesforce

Um nicht gegen geltende Bestimmungen zum Datenschutz (zum Beispiel bei Triage und Kontaktverfolgung) zu verstoßen, sollten Anwälte für Unternehmensrecht hinzugezogen werden. In den meisten Ländern erfordert die Kontaktverfolgung die Zustimmung des Nutzers (Opt-in). Und dies nicht nur zu Beginn der Kontaktverfolgung, sondern auch in regelmäßigen Abständen immer wieder neu. Strengere Regeln sehen sogar vor, dass Mitarbeiter der Freigabe ihrer Kontaktpersonen in Echtzeit zustimmen müssen.

Auch die Verwendung von Ortungsdiensten muss genau geprüft werden. Mithilfe dieser Funktion können beispielsweise Geofences eingerichtet und lokale Ansammlungen von Mitarbeitern erfasst werden. In einigen Ländern zählen Standortdaten jedoch zu den personenbezogenen Daten. Die Bedingungen für Triage und die Methoden zur Kontaktverfolgung ändern sich Land für Land ständig. Deshalb ist es wichtig, dass Verantwortliche stets über die aktuellen Entwicklungen und Regeln, die gelten – wie zum Beispiel verursacht durch Lockdowns – informiert sind.