Zeche Zollverein Accenture Industry X Innovation Lab Essen

Inmitten der historischen „Zeche Zollverein“ eröffnet Accentures jüngstes Innovation Center. - Bild: Accenture

Backsteinschornsteine, Stahlträger, Rohre und Nieten: Wer Accentures jüngstes Industry X.0 Innovation Center in Essen besucht, bekommt erstmal wenig digitale Industrie zu sehen. Das Zentrum liegt nämlich inmitten der historischen „Zeche Zollverein“, einer stillgelegten, denkmalgeschützten Steinkohlebergwerks-Anlage aus dem vorhigen Jahrhundert. Und die
steht wie kaum ein anders Industriedenkmal für die „alte Industrie“ vergangener Zeiten.

„Die historische Umgebung ist kein Zufall“, erklärt Götz Erhardt, Geschäftsführer für den Bereich Grundstoffindustrien und Energie bei Accenture: „Unser Essener Center richtet sich ausdrücklich an die ‚Nachfahren‘ der alten Industrieunternehmen. Wir bringen Führungs- und Fachkräfte aus der ganzen Welt, die in Prozessindustrien wie Chemie, Metall, Bergbau, Ölund Gas, Kreislaufwirtschaft, Anlagenbau sowie der Energiewirtschaft hierher und arbeiten mit ihnen an industrie-spezifischen, digitalen Lösungen.“ Der Schwerpunkt liege dabei keineswegs nur auf digitalen Verfahren für mehr Effizienz – sondern gerade auch auf der Entwicklung neuer „Produkte“ und Dienstleistungen.

„Smart Products sind keineswegs nur etwas für die Industrie- und Konsumgüterhersteller“, führt Erhardt aus, während er die Tür zum eigentlichen Center öffnet: „Und die Kunden, mit denen wir arbeiten, wissen das sehr genau.“

Der Raum hinter der Center Tür scheint seine Erklärung zu unterstreichen – in dem modern eingerichteten Bereich hängen Computer-Bildschirme an den Wänden, davor Demo- Stationen im Raum mit Bezeichnungen wie „Digital Plant“, „Digital Twin“ oder „IIoT Security“.

In einem angrenzenden Besprechungsraum stehen Accenture-Mitarbeiter und Gäste vor einem Whiteboard und reichen eine Datenbrille herum; aus einem mit „Café“ gekennzeichnetem Bereich dringt Gelächter. „Willkommen in Essen“, grüßt Tobias Gehlhaar, Geschäftsführer für den Bereich Energiewirtschaft bei Accenture – und weist den Weg zu einem Besprechungsbereich mit Stehtisch.

Schwerpunkt „Co-creation für Konkretes“

„Vielleicht erklären wir kurz, was wir hier machen?“, fragt Gehlhaar. Erhardt nickt und holt eine Präsentation aus seiner Aktenmappe. Im Grunde, führen beide aus, biete Accenture Kunden mit dem Center drei Dinge auf einmal: eine ungewöhnliche Umgebung, eigens für kreatives Arbeiten entwickelt; eine Sammlung industriespezifischer Anwendungsbeispiele, die Ideen vermitteln und das Erarbeiten eigener Lösungen erleichtern soll, sowie die Möglichkeit zur Vor-Ort Zusammenarbeit mit Accenture-Experten – gern auch über mehrere Tage hinweg.

Götz Erhardt präzisiert: „Die Idee ist: Sie kommen mit ihrem Führungs- oder Projektteam hierher und bringen mehr oder weniger konkrete Fragestellungen mit. Die nehmen unsere Experten dann auf und helfen Ihnen, in einer Reihe von Workshops, Design-Thinking- Sessions und Prototyping-Sprints eine erste, konkrete Lösung zu entwickeln.“

Dabei beschränken sich diese Berater Gehlhaar zufolge keineswegs nur aufs Strukturieren und Planen, sondern packen auch wirklich mit an: „Co-creation“ wird in Essen großgeschrieben. „Schließlich ist es ja gerade die Fachexpertise in, sagen wir, Cloud-Computing, IoT oder Data Science, was unseren Kunden fehlt. Und die steuern unsere Mitarbeiter dann eben bei.“

Grafik Digitalisierungs-Vorhaben
Beispiele möglicher Digitalisierungs-Vorhaben in Prozess- und Energieindustrie. - Bild: Accenture

Gehlhaar benennt einige der Fragestellungen, die sie hier bereits mit Kunden zusammen bearbeitet hat: „Bisweilen haben die Kunden sehr spezifische Herausforderungen, häufiger stehen aber breiter gefasste Fragen im Vordergrund.“ Zu diesen gehörten solche wie: „Wie könnten Business Rules uns helfen, die Stahlverarbeitung effizienter zu machen?“, „Wie müssten wir Big Data Analytics einsetzen, um auch in unserem ältesten Polymer-Werk die Toleranzvorgaben unserer Kunden einhalten zu könnnen?“ – oder aber eben auch die Frage: „Wie könnten wir einen Service entwickeln, den wir zusätzlich zu unseren eigentlichen Erzeugnissen verkaufen können?“

Prozess- und Grundstoff-Industrien im Umbruch

Erhardt ergänzt den größeren Zusammenhang: „Die Industrien unserer Kunden befinden sich sämtlichst im Umbruch: Übergeordnete Trends und Verschiebungen wie Resourcen- Knappheit, der Übergang zu C02-neutralen Verfahren oder auch der demographische Wandel setzen die bestehenden Geschäftsmodelle unter Druck.“ Die Unternehmen suchten deshalb nach Wegen, den Strukturwandel zu bewältigen – und stützten sich hierbei eben auch auf die Digitalisierung.

Insgesamt erwarten Accenture und die Experten im Essener Center nichts weniger als die vollumfängliche Digitalisierung sämtlicher Wertschöpfungsketten in den Prozess- und Grundstoffindustrien, der Chemie- und Stahlbranche sowie der Energiewirtschaft. Zu den nächstliegenden Trends, die das Beratungsunternehmen beschreibt, gehören unter anderem
die „Circular Economy“, also die auf wiederverwerwertbaren, „smarten“ Materialien beruhende Kreislaufwirtschaft, oder auch die „Industry Reconfiguration“, heißt: die digital gestützte Erneuerung von Geschäftsabläufen zwecks Effizienzsteigerung, Abfallvermeidung und dergleichen.

„Digitale Verfahren wie IIoT, Cloud, KI und Predictive Capabilities erhöhen nicht einfach nur die Effizienz bestehender Abläufe“, führt Götz Erhardt aus, „sie erschließen auch gänzlich neue, erheblich nachhaltigere Wege der Energieerzeugung oder Fertigung.“ Im Zusammenspiel von KI-gestützter Entwicklung und digitaler Fertigung mittels 3D-Druck entstünden beispielsweise gänzlich neue, sparsame und nachhaltige Werkstoffe und - Stücke; im Energiebereich eröffneten ökologische Erzeugungsverfahren, neue Speicher- Lösungen und „Smart-Grids“ die dezentrale Erzeugung und effiziente Verteilung von Strom.

Die Digitalisierungs-Beschleuniger

„Diese Themen kann natürlich niemand als Ganzes und auf einmal angehen, stattdessen ist schrittweise Bearbeitung gefragt – und genau damit starten unsere Kunden hier“, führt Erhardt das Gespräch auf das Center zurück. „Sie kommen zu uns, um den Einstieg in übergeordnete Aufgaben zu finden, und wir helfen ihnen dabei.“

Die Accenture-Experten verstünden sich als Sparrings-Partner, Experten und Entwickler. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liege auf der Ideenentwicklung und -Prüfung in kurzen „Sprints“. „Wir wirken sozusagen wie Beschleuniger für die Digitalisierung“, fasst Götz Erhardt zusammen. „Unsere Kunden wissen schließlich meist sehr genau, in welche Richtung sie wollen. Was nicht immer so klar ist ist: wie kommen wir schneller ans Ziel?“

Mehr zum Center:

Derzeitige Schwerpunkte im Veranstaltungsplan sowie der Anwendungsbeispiel-Auswahl des Zentrums sind:

  • Digital Plant: Echtzeit-Monitoring und Optimierung von Fertigungsanlagen mittels IIoT, Big Data Analyitcs und Machine Learning.
  • Digital Workforce: höhere Betriebssicherheit, Effizienz und Mitarbeiterzufriedenheit mittels Mobility-Lösungnen, AR/VR, kontext-spezifischen Arbeitsanweisungen und mehr.
  • Supply Chain Management: Integration von Planung und Scheduling in Logistik und Fertigung; ermöglicht Echtzeit-Einblicke in Lieferketten.
  • Digital Customer: Neue Vertriebs- und Kundendienstkanäle und -verfahren für Prozessindustrien und Energieunternehmen.
  • IIoT-Retrofit und IIoT-Sicherheit: Integration von „Operational Technology“ (OT) und IT mittels Industrial Internet of Things-Lösungen; Verfahren rund um die IIoTSicherheit.

Mehr zum Thema

Weitere Infos über das Industry X.0 Innovation Center in Essen – einschließlich elektronischer Besuchsvereinbarung – auf dieser Website.

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