Bei der Produktentwicklung Kosten sparen

Kürzere Entwicklungszeiten und deutlich reduzierte Kosten werden in der Produktentwicklung zukünftig immer wichtiger. - Bild: Thisisengineering/Unsplash

| von Cortney Rowan, Philip Leung und Lee Powers

Das wichtigste vorab: In den meisten Fällen krempelt eine Umstellung auf "Smart Products" die Entwicklungsarbeit eines Unternehmens vollständig um. Denn bei den vernetzten, mit Software ergänzten Produkte dreht sich alles um den Kundennutzen – weshalb die Entwicklung wirklich immer genau mit diesen anfängt: "Der gesamte Prozess beginnt mit einem Kundenbedürfnis. Basierend darauf wird ein kundenzentrierter Ansatz verfolgt, um Nutzer- und Marktbedürfnisse aus Sicht des Kunden zu definieren. Denn nur dann ist es möglich, Innovationen zu entwickeln, die die Marke lebendig halten und Marktanteile sichern", erklärt Philip Leung, Senior Product Design Manager bei Accenture. Die nach wie vor weit verbreitete Vorgehensweise, neue Produkte "von der Technik her" zu entwickeln und dann zu vermarkten, gehört demnach der Vergangenheit an.

Ebenfalls überholt: Das Arbeiten in Entwicklersilos. Das wird zunehmend durch echtes, multidisziplinäres Teamwork ersetzt. Bei Altitude ist das schon länger Realität. Hier entstehen Produkt-Spezifikationen immer in der Zusammenarbeit von Geschäftsexperten, Designern und Ingenieuren. Im Idealfall arbeitet ein Verbund aus spezialisierten Einzelteams eng miteinander zusammen: "Ziel ist es, ein heterogenes Team aufzubauen, das alle Bedürfnisaspekte wie etwa Industrial Design, Marke und UX/UI oder Machbarkeitselemente wie Engineering abdeckt und gleichzeitig Viability Experten wie Design Strategists und Business Analysts umfasst", erläutert Leung weiter.

Die drei Phasen der Produktentwicklung

Bei Altitude verlaufen Entwicklungsprojekte immer entlang eines dreistufigen Prozesses: Zunächst werden

1) die Bedürfnisse der Kunden und andere wichtige Anforderungen ermittelt. Dabei prüft ein "Design Strategy Team" alle Perspektiven des Kunden detailliert, um daraus die richtigen Potenziale abzuleiten. Danach folgt

2) die Designphase, in der das Design-Team gemeinsam mit den Strategen an einer geeigneten Lösung arbeitet. Abschließend folgt

3) die Produktions-, Test- und Markteinführungsphase. An dieser Stelle stößt das Engineering Team dazu, um die Lösung in ein verlässliches Produkt zu überführen, das zu den angestrebten Kosten gefertigt werden kann. Auf Grundlage der entwickelten Lösung können dann die Hersteller beauftragt werden, die das Produkt am Ende fertigen.

Das Besondere dabei: Die einzelnen Schritte des gesamten Altittude-Ablaufs sind schon heute stark von fünf zukunftsweisenden Entwicklungstrends geprägt:

Accenture drei Phasen der Produktentwicklung
Bild: Accenture

Trend 1: Von Hard- zu Software

Laut Cortney Rowan, Managing Director bei Altitude, wird es immer wichtiger, Hard- und Software parallel zu entwickeln. Dabei verschiebt sich überdies der Focus zunehmend weg von der Hard- und hin zur Software-Entwicklung. "Je smarter oder intelligenter Produkte sind, desto komplexer werden sie. Die Design- und Engineering-Teams müssen heute sowohl über die Hardware des physischen Produkts als auch über die Softwarekomponente nachdenken." Zudem ist es wichtig, das konkrete Umfeld zu berücksichtigen, in dem das Produkt zukünftig eingesetzt wird. So stellen die Entwickler sicher, dass es korrekt arbeitet.

Dieser Trend betrifft keineswegs nur Start-ups. Auch immer mehr etablierte Unternehmen müssen die Brücke zwischen Hard- und Software schlagen, und dies - um im Bild zu bleiben - von jedem der beiden Ufer aus, sagt Rowan: "Software-Unternehmen wie Amazon und Google befassen sich inzwischen mit dem Thema Produkthardware. Denn auch sie wissen, wie dies ihre Softwareangebote sowie ihre üblichen Angebote verbessern kann." Umgekehrt investierten ehemals stark Hardware-zentrierte Industrieunternehmen wie etwa Auto-Konzern Volkswagen oder Zulieferer Bosch in ihre Software-Kompetenz. "Um wirklich erfolgreich zu sein, müssen Firmen heterogene Teams bilden, die End-to-End-Lösungen erarbeiten."

Trend 2: Agile Hardwareentwicklung

Dieser Trend verändert momentan die Entwicklung von Produkten und ist der agilen Softwareentwicklung sehr ähnlich.

Das Verfahren setzt auf das parallele Bearbeiten sogenannter "Workstreams" – das sind klar definierter Aufgabenpakete. Diese zielen meist auf die Bereitstellung präzise einer, vom Kunden gewünschten Funktionalität. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass sich die Vorstellungen des Kunden am Ende in der Lösung wiederfinden.

Diese Art des Arbeitens unterscheidet sich teils erheblich von den bisher üblichen, stark sequenziellen Abläufen – und stellt deshalb neue Anforderungen an alle Beteiligten: Strategen (Geschäftsführung, Marketing, Produkt-Verantwortlich), Designer und Ingenieure müssen dafür Hand in Hand arbeiten, in der Regel innerhalb kurzer Wiedervorlage-Zeiträume (so genannte Sprints).

Trend 3: Ein Team aus vielen Teams

Der dritte Trend ist das heterogene Team. Aktuell versuchen Unternehmen mit allen Mitteln, die Prozesse jeder einzelnen Phase zu beschleunigen. Sie versuchen also mehr und immer schneller zu fertigen. Dies schließt auch das Designelement ein. Lee Powers weiß, worin der Schlüssel zum Erfolg liegt: "Ein heterogenes Team, dessen Mitglieder parallel arbeiten, und das viele Sprints, also sehr schnelle Designzyklen, zur Produktion von handfesten Ergebnissen absolviert, die auch getestet werden können. Aus jedem dieser Sprints lernen wir etwas, bevor wir zum nächsten übergehen." Zudem erkennen heterogene Teams sehr schnell den Punkt, an dem der Produktprototyp die gewünschten Erwartungen (zum Beispiel in Sachen Kundenanforderungen und Realisierbarkeit) erfüllt.

Auf diese Weise kann das Team schnell entscheiden, welche Ideen weiterverfolgt, geändert oder vollständig über Bord geworfen werden.

Trend 4: Gemeinsam ans Ziel

Eine weitere Neuerung bei der eigentlichen Entwicklungsarbeit: die fortlaufende, enge Einbindung von Kunden. Die ist nämlich nicht nur zu Beginn der Produktentwicklung wichtig – sondern auch während des weiteren Verlaufs. Schließlich haben Kunden zu Anfang meist nur eine grobe Vorstellung von dem, was wirklich machbar ist. Entsprechend allgemein und vage sind daher meist die Wünsche und Anforderungen, die sie zu Beginn eines Vorhabens mitteilen. Wer "handfestere" Eingaben und Rückmeldungen haben will, ist also gut beraten, seine Kunden erneut zu befragen, sobald erste Konzepte, Skizzen oder gar Prototypen vorliegen. Derartige Wiederholungs-Befragungen führen meist zu sehr spezifischen Änderungswünschen und Verbesserungsvorschlägen sowie weiteren Hinweisen: Recht häufig fällt Kunden zum Beispiel später noch ein, zu welchen anderen, bereits vorhandenen Gerätschaften ein Produkt kompatibel sein sollte – eine wertvolle Einsicht, die nicht selten ganz neue Märkte erschließt.

Wichtig dabei: Die frühe Einbindung von Kunden bleibt auch bei der fortlaufenden Arbeitsweise unersetzlich. Lee Powers, Engineering Services Manager bei Altitude, bestätigt nochmal: Wenn Kunden eingebunden werden sollen, "dann am besten so früh wie möglich. Je mehr Einfluss wir auf den Entwicklungsprozess nehmen können bzw. je früher wir wissen, welches Problem wir genau zu lösen haben, desto erfolgreicher können wir sein und desto mehr erreichen wir". Wichtig sei dabei, dass es auf Kundenseite immer einen Projektverantwortlichen gäbe, mit dem die Teams eng zusammenarbeiten könnten. Die entsprechende Person solle Teil des Projektteams sein und jederzeit sicherstellen können, dass die Projektziele mit den Bedürfnissen des Kunden übereinstimmen.

Trend 5: Preiswerter entwickeln

"Mit weniger mehr erreichen": Diese Maxime wird gerade in der Produktentwicklung immer wichtiger. Haben Ingenieure den gesamten Prozess von der Idee über die Fertigung bis zur Massenproduktion früher noch "onshore", also vor Ort, abgewickelt, wird heute das "Offshoring" immer wichtiger: Gut gesteuert, ermöglicht die Auslagerung bestimmter Arbeitsschritte nämlich tatsächlich, Kosten zu senken. Bei der entsprechenden Planung ist allerdings Umsicht gefragt: Ohne effizientes Projektmanagement kann Outsourcing nämlich schnell Mehraufwand in der Verwaltung erzeugen – die dann im schlechtesten Fall erzielte Einsparungen wieder aufzehrt.

Accenture fünf Trends der Produktentwicklung
Bild: Accenture

Der externe Blick

Warum sollten Firmen mit Beratern zusammenarbeiten, wenn sie doch ihr eigenes Entwicklerteam haben? "Während Unternehmen oft intern nach Ideen suchen, ist es schwierig, über den Tellerrand hinaus zu blicken. Insbesondere, wenn das Team bereits einen längeren Zeitraum an derselben Aufgabe gearbeitet hat. Die Zusammenarbeit mit externen Beratern kann neue Ideen und Perspektiven aufzeigen. Kunden ändern sich und es braucht Zeit, Markt- und Kundenerwartungen zu verstehen. Beraterfirmen helfen, den Markt aus einer externen Perspektive zu betrachten. Das eröffnet einen objektiven Blick darauf, was das eigene Produkt eigentlich leisten muss", unterstreicht Rowan.

Philip Leung ergänzt: "Die meisten Firmen testen ihre Produkte nicht extern. Auch hier können Berater helfen. Zudem sind sie meist skeptisch gegenüber vertikalen Produktionsketten und können Ideen und Technologie aus anderen Branchen beisteuern. Diese neuen Perspektiven führen oft zu Verbesserungen. Das Übernehmen von Kompetenzen aus anderen Branchen ist ein Schlüssel, um im Markt erfolgreich zu sein."

Auf der Überholspur

Die Einbindung agiler Prozesse bei der Entwicklung von Software ist also der wichtigste Trend bei der Entwicklung smarter Produkte. Agile Hardwareentwicklung bietet ein viel besseres Verständnis des Problems und der Lösung. Hier ist es wichtig, dass Teams in parallelen Strömen arbeiten. Das führt wiederum zu einem weit einheitlicheren Ansatz der Produktentwicklung, als dies bei traditionellen Verfahren der Fall ist. Wichtig ist, dass die Entwicklerteams die Perspektive des Kunden einbeziehen. Und die Erkenntnis, dass durch Offshoring Kosten gespart werden. Die parallele Entwicklung von Hard- und Software wird durch immer komplexer werdende Produkte immer wichtiger. Und schließlich helfen multidisziplinäre Teams den Firmen, End-to-End-Lösungen zu entwickeln, die neue Innovationen antreiben.

Industrie X.0 transformiert die Produktentwicklung und ermöglicht agile Prozesse, die die Zeit von der Ideenfindung bis hin zur Vermarktung des Produkts beschleunigen. Man hat gerade erst angefangen zu verstehen, welche Vorteile Industrie X.0 für die Produktentwicklung birgt, und man wird in diesem Bereich in den kommenden Jahren wahrscheinlich immense Fortschritte sehen.

Über unsere Experten

  • Cortney Rowan ist Managing Director bei Accenture im Bereich Industrie X.0. Sie leitet das Boston Innovation, Design und Engineering Forge.
  • Philip Leung ist Senior Manager bei Accenture im Bereich Industrie X.0. Er leitet die Experience Design Group in Boston und hat in einer Vielzahl von Branchen (von Verbraucher- zu Arbeitswissenschaften bis hin zu Biowissenschaften) über 25 Jahre Erfahrung im Bereich Produktdesign und -entwicklung. Kontaktieren Sie ihn via LinkedIn.
  • Lee Powers ist Engineering Services Manager bei Accenture im Bereich Industry X.0, ebenfalls aus Boston. Er ist Spezialist im Thema Produktdesign.

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