Nicht jede Firma benötigt gleich eigene Software-Entwickler oder IoT-Experten. Zum Start genügt meist schon ein Überblick über das, was IT-seitig möglich und im eigenen Betrieb gegebenenfalls schon vorhanden ist.

Nicht jede Firma benötigt gleich eigene Software-Entwickler oder IoT-Experten. Zum Start genügt meist schon ein Überblick über das, was IT-seitig möglich und im eigenen Betrieb gegebenenfalls schon vorhanden ist. - Bild: Accenture

Wie bringt man das eigene Unternehmen auf die digitale Überholspur? Sicher nicht nur mit – der natürlich notwendigen – Technik, so viel scheint klar. Neben dem IoT, Servern und Software brauchen Firmen schließlich auch Know-how im Umgang mit Daten, ein Gespür für die eigenen Kunden sowie ein Händchen bei der Zusammenarbeit mit Dritten. Stichwort: Ökosystem. Vor allem aber geht es nicht ohne den Mut, die eigenen Abläufe und Geschäftsmodelle mittels der gewonnenen Erkenntnisse zu überholen.

Oder anders gesagt: Neue Technik darf nie Selbstzweck sein. Wer sie einkauft, muss eine klare Vorstellung davon haben, wie sie sich möglichst wertschöpfend einsetzen lässt. Genau dieser strategische Ansatz stellt viele Betriebe aber offenbar noch immer vor Herausforderungen. Eine Accenture-Untersuchung zeigte erst kürzlich wieder, dass gerade dem Maschinenbau der Einstieg in die viel zitierten neuen Geschäftsmodelle noch nicht recht zu gelingen scheint. Doch: Wie kann eine Firma heute das richtige Bild von ‚morgen’ entwickeln? Wie macht man das eigene Unternehmen ‚digital’? Was sind die erforderlichen Schritte; welche geht man zuerst und welche später? Und vor allem: Welche davon geht man wirklich selbst?

Sechs Fähigkeiten, die jeder benötigt

Auch das Beratungsunternehmen Accenture hat keinen grundsätzliche Antwort auf diese Fragen. Nichtsdestotrotz sprechen die Digitalisierungs-Experten die Empfehlung aus, sechs grundlegende 'Kernfähigkeiten' zu erwerben, die vieles erleichtern. „Wir sprechen in diesem Zusammenhang gern von ,No-Regrets Capabilities‘, also Fähigkeiten, deren Erwerb Sie keinesfalls bereuen werden – weil es ohne sie kaum geht“, erklärt Patrick Vollmer, Geschäftsführer des Geschäftsbereichs Industrial-Equipment von Accenture im deutschsprachigen Raum. „Wenn Sie sie diese jedoch beherrschen, können Sie beim Digitalisieren selbständig und richtig Prioritäten setzen, Verfahren und Technologien wählen und Veränderungsvorhaben zielstrebig umsetzen.“ Hier ein Überblick über diese ‚Digitalisierungs-Fertigkeiten’, die jedes Unternehmen brauchen kann.

#1 Bereit sein für Software und Vernetzung

Nicht jede Firma benötigt gleich eigene Software-Entwickler oder IoT-Experten. Zum Start genügt meist schon ein Überblick über das, was IT-seitig möglich und im eigenen Betrieb gegebenenfalls schon vorhanden ist. Vollmer: „Viele Firmen sitzen auf wahren Datenschätzen. Da kann es schon ein Start sein zu überlegen: Was könnten wir verknüpfen? Wer gängige Industrie 4.0-Anwendungsfälle kennt, wird hier meist sehr schnell fündig.“ Erstes Know-how für die weitere Umsetzung könnten Entscheider beispielsweise in Fachveröffentlichungen erwerben, in Workshops oder auf Veranstaltungen.

„Wichtig ist zunächst ja vor allem, dass Sie die richtigen Fragen stellen können – welcher Kunden-Nutzen soll entstehen, welcher Geschäftszweck erfüllt werden? Welche Art Software hätten wir gern? Damit können Sie meist schon ein erstes Vorhaben spezifizieren“, so Vollmer. Sobald der Pilot laufe, müssten die Beteiligten sich aber einbringen und im Projekt dazulernen: „Überlassen Sie nie alles dem Dienstleister oder den Experten, sondern machen Sie mit und lernen Sie!“

Wie macht man das eigene Unternehmen ‚digital’? Was sind die erforderlichen Schritte; welche geht man zuerst und welche später? Und vor allem: Welche davon geht man wirklich selbst? Auch das Beratungsunternehmen Accenture hat keinen grundsätzliche Antwort auf diese Fragen. Nichtsdestotrotz sprechen die Digitalisierungs-Experten die Empfehlung aus, sechs grundlegende ‚Kernfähigkeiten’ zu erwerben, die vieles erleichtern.
Wie macht man das eigene Unternehmen ‚digital’? Was sind die erforderlichen Schritte; welche geht man zuerst und welche später? Und vor allem: Welche davon geht man wirklich selbst? Auch das Beratungsunternehmen Accenture hat keinen grundsätzliche Antwort auf diese Fragen. Nichtsdestotrotz sprechen die Digitalisierungs-Experten die Empfehlung aus, sechs grundlegende ‚Kernfähigkeiten’ zu erwerben, die vieles erleichtern. - Bild: Accenture

#2 Grundlagen schaffen für Data Analytics

Die wichtigste Voraussetzung für jede Art von Datenverwertung: Überblick über und Zugriff auf Daten. "Meist schlummerten die nämlich in 'Silos'", erklärt Vollmer. Diese müssten zugänglich gemacht, also mittels Big-Data und ähnlicher Lösungen verknüpft und vereinheitlicht werden. „Dafür brauchen Sie schon Fachwissen und Software. Aber eben auch eine entsprechende Haltung und Arbeitsweise in allen Geschäftsbereichen.“ Ersteres ließe sich von außen zukaufen, Zweiteres müsse erlernt werden – Wissen teilen sei nicht jedermanns Sache. „Empfehlenswert ist, mit Standard-Softwarelösungen zu starten, im Rahmen kleiner Pilotvorhaben. Hier eignen sich vor allem Anwendungsfälle rund um die Auswertung von Daten aus der Fertigung sowie von Betriebsdaten – die bringen meist sehr schnell Resultate.“

#3 Hard- und Software-Lebenszyklen verknüpfen

Entscheidend für Smart Products und Digitale Dienste: die Verknüpfung von Product- und Software-Lebenszyklen. „Viele größere Unternehmen verfügen bereits über PLM-Software zur Steuerung der Produktentwicklung und -vermarktung. Aber die eignen sich eben vor allem für Hardware-Produkte und deren Entwicklung“, erklärt Vollmer. Das reiche nicht mehr aus, sobald die Produkte um Software ergänzt würden. „Schließlich beeinflussen sich Hard- und Software-Entwicklung gegenseitig, wobei Letztere sehr viel schneller verläuft. Das muss beim Produkt-Management natürlich berücksichtigt werden.“ Hierfür sei eine Integration von PLM- und Application-Lifecycle-Management-Software empfehlenswert sowie eine Umstellung von Arbeitsabläufen vor allem in der Entwicklung. Sonst verlieren sie den Überblick.

#4 Die Fertigung flexibler machen

Auch das ist eine Schlüssel-Voraussetzung für die Industrie 4.0. Vollmer erklärt: „Gemeint ist hier vor allem, dass die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, um Fertigungsabläufe schnell umzustellen. Nur dann können Sie nämlich wirklich auf neue Erkenntnisse etwa aus Ihren Datenauswertungen reagieren – oder Änderungen vornehmen, die etwa durch Software-Updates erforderlich werden“. Der Weg zu mehr Flexibilität führe über digital gestützte Automation: Wenn Firmen etwa Shopfloor-Anwendungen wie MES und MOM mit der Warenwirtschaft und anderer kaufmännischer Software verknüpfen, entsteht meist zusätzliche Beweglichkeit.

Selbst wer nur vermehrt mit bereits vorhandenen Partnern oder Zulieferern zusammenarbeiten wolle – und etwa Daten tauschen oder Dienste gemeinsam nutzen – solle daher die entsprechenden Abläufe prüfen und gegebenenfalls neu festlegen: Rahmenbedingungen, Verpflichtungen, Zielwerte und Messverfahren.
Selbst wer nur vermehrt mit bereits vorhandenen Partnern oder Zulieferern zusammenarbeiten wolle – und etwa Daten tauschen oder Dienste gemeinsam nutzen – sollte daher die entsprechenden Abläufe prüfen und gegebenenfalls neu festlegen: Rahmenbedingungen, Verpflichtungen, Zielwerte und Messverfahren. - Bild: Accenture

#5 Vorbereitung auf ‚as-a-Service’-Geschäftsmodelle

Smart Products und digitale Dienste verlangen nach ganz eigenen Preis- und Erlösmodellen. Wer in das Geschäft mit Smart Products einsteige, benötigt daher die entsprechenden Voraussetzungen. Vollmer zählt auf: „eine entsprechende Planung, Kalkulation und Geschäftsplanung. Die passenden Verträge und AGB. Den richtigen Vertrieb. Und natürlich: eine möglichst kundenfreundliche Rechnungsstellung und Abrechnung“. Für viele Industrieunternehmen sei das eine größere Umstellung. Auf Verkauf und Abrechnung von 'Pay-per-Use' seien viele zum Beispiel nicht eingerichtet. „Das erfordert meist einige Umstellungen, vom Marketing bis in die Buchhaltung“ Vollmer rät deshalb zur Zusammenarbeit mit Experten: „Die vermeidet Fehler und führt schneller ans Ziel – rechnet sich also in den allermeisten Fällen.“

#6 Ab jetzt nur noch ‚Ökosystem’

Vernetzung bedeutet auch immer: Vernetzung mit Dritten. Und die sollten Firmen ebenfalls beherrschen, meint Vollmer: „Der Zusammenschluss mit Partnern bietet nicht nur Zugriff auf Know-how, das man selbst nicht hat – er wirkt häufig auch als echter Werttreiber, der Umsatz und Gewinne vervielfachen kann. Und das umso mehr, je besser die Partner sich auf das Steuern der gemeinsamen Arbeit verstehen.“ Selbst wer nur vermehrt mit bereits vorhandenen Partnern oder Zulieferern zusammenarbeiten wolle – und etwa Daten tauschen oder Dienste gemeinsam nutzen – solle daher die entsprechenden Abläufe prüfen und gegebenenfalls neu festlegen: Rahmenbedingungen, Verpflichtungen, Zielwerte und Messverfahren und so weiter. „Eignen Sie sich das entsprechende Know-how an und klären Sie die Regeln, bevor Ihnen teure Fehler unterlaufen“, fasst Vollmer zusammen, „dann klappt’s auch mit der Arbeit im Öko-System.“

Firmen, die diese Fähigkeiten beherrschten, dürften mit der Digitalisierung keine grundlegenden Schwierigkeiten mehr bekommen, bekräftigt Vollmer zum Schluss nochmals. Und ergänzt: „In welcher Reihenfolge Sie die einzelnen Fähigkeiten erwerben, spielt übrigens nur eine untergeordnete Rolle – solange Sie sie nur überhaupt erlernen. Also: Starten Sie in einem Bereich, in dem Sie schnell Resultate erzielen können, und arbeiten Sie sich von dort aus vorwärts. Aber: Behalten Sie die Liste der sechs stets im Blick!

Mehr zum Thema? Finden Sie hier:

Weiterführende Infos, Reports und Whitepaper zu den hier aufgeführten Digital-Fertigkeiten finden Sie auf dieser Accenture-Website – oder unmittelbar bei den Experten von Accentures Industrial Equipment Practice. Sofern Sie sich selbst unmittelbar an Patrick Vollmer wenden möchten, erreichen Sie ihn am besten online: Patrick Vollmer auf LinkedIn.