Manager mit Fingerzeig

Kurz und prägnant: Wir haben die wichtigsten Tipps zur Implementierung der IoT-Konnektivität Ihres Produkts. Bild: Pixabay/frei

| von Mark Olson

Immer mehr Unternehmen möchten ihre Produkte für die digitale Transformation besser aufstellen. Allein dieses Jahr werden weltweit circa 26 Milliarden IoT-Geräte online gehen. Sie IoT-fähig zu machen ist zum einen nicht immer einfach und zum anderen auch nicht immer sinnvoll. Viele versuchen, ihre vorhandenen Produkte intelligenter zu machen und sie zu vernetzen. Dies ist in vielen Fällen möglich, aber nicht immer der geeignetste Weg. Denn im Digital-Engineering entstehen zu häufig Produkte, die weder für das Unternehmen noch für den Endnutzer einen Mehrwert bieten. Für die Produktentwicklung eines erfolgreichen IoT-Geräts muss der Ansatz kundenorientiert sein. Des Weiteren sind geeignete Digitalisierungs-Kompetenzen und nicht zuletzt die richtige Digitalisierungsstrategie unerlässlich. Denn Studien belegen: Circa 25-45 Prozent aller neuen IoT-Gerät-Entwicklungen scheitern. In einer dynamischen Digitalisierung kommen einige Produkte sehr gut an, während andere bereits bei Markteinführung zum Scheitern verurteilt sind.

Was also unterscheidet erfolgreiche IoT-Geräte vom Rest? Wenn wir in der Digitalisierung erfolgreiche Unternehmen betrachten, bekommen wir eine Vorstellung davon, wie Produkte kompatibel für das Internet of Things werden. Davon können wir lernen und Erfahrungen solcher Digitalisierungsstrategien auf die Produktentwicklung übertragen. Die Implementierung der IoT-Konnektivität auf die Digital-Devices kann schwierig sein. Insbesondere, wenn es das erste Mal ist. Was also braucht es, um ein bestehendes Produkt IoT-kompatibel zu machen? Und welche Vorteile hat die Produktentwicklung eines innovativen Digital-Devices für das Internet of Things?

1. Digitalisierung: Prüfen Sie den Mehrwert der Konnektivität!

Bevor Sie mit der Entwicklung eines IoT-Produkts beginnen, sollten Sie sich folgende Fragen stellen: Hat das Produkt für Sie und Ihre Kunden einen Mehrwert, wenn es nach dem Engineering smart ist? Und kann das Produkt nützliche Daten sammeln? Die meisten Produkte können heute schon auf irgendeine Weise Daten erfassen. Allerdings haben nicht alle dieser Daten für Sie oder Ihre Endnutzer einen Wert. Für Unternehmen muss geklärt werden:

  • Können Sie IoT-Daten in Ihre Unternehmens-Prozesse integrieren?
  • Werden Sie die erfassten Daten effektiv nutzen können, um die Dienstleistung für Ihre Kunden zu verbessern? Denn: Ein neues IoT-Gerät ist erst dann erfolgreich, wenn klar ist, auf welche Weise die Daten nach dem Engineering einen Mehrwert bieten.

2. Produktentwicklung: Rechnen Sie die Kosten für das IoT-Gerät mit ein!

Smarte Geräte erzeugen Kosten, die ein herkömmliches Produkt nicht hätte. Es ist wichtig, diese Kosten in die Digitalisierungsstrategie für die Produktentwicklung einzurechnen:

  • Wie hoch sind die Herstellungskosten? Ist klar, wie die Konnektivitätskosten gedeckt werden? Normalerweise geschieht dies über einen höheren Verkaufspreis, immer öfter aber auch durch Service- oder Abogebühren über das Produktleben hinweg.
  • Wie hoch sind die laufenden Kosten für den Gerätesupport? Generiert das Produkt große Datenmengen, die in der Cloud gespeichert werden müssen? Erfordert das Produkt rechenintensive Cloud-Dienste wie zum Beispiel zur Spracherkennung?
  • Welchen Support müssen Sie als Unternehmen dem Endnutzer bei Produktmängeln oder Upgrades bereitstellen?

Im Video: Was bedeutet der Begriff Internet der Dinge? Quelle: Accenture

3. Prüfen Sie die Marktfähigkeit Ihres intelligenten Device!

Aus Technologie-Sicht kann man jedes Produkt IoT-kompatibel gestalten. Doch ist es das auch wert? Während eine Wlan-fähige Gießkanne sicher eine nette Idee ist, wäre die Nachfrage zur Produktentwicklung eines solchen Geräts wohl eher begrenzt.

  • Wenn klar ist, welchen Wert Ihr smartes System für Sie und die Endnutzer haben wird und Sie die Kosten kennen, müssen Sie sicherstellen, dass das Produkt nach dem Engineering marktfähig ist.
  • Kann der Wert der Produktentwicklung schnell und einfach an Ihre potenziellen Kunden kommuniziert werden? Verstehen sie diesen und sind sie bereit, dafür zu bezahlen?
  • Bei Innovationen in einer neuen Kategorie sollten Sie sich insbesondere folgende Fragen beantworten: Was ist der größte Einzelwert, den Ihr IoT-Gerät dem Endnutzer bietet? Können Sie diesen Wert im Sinne Ihrer Produkt-Digitalisierungsstrategie einfach kommunizieren?
  • Seien Sie in Ihrer Engineering-Strategie vorsichtig mit neuen Features. Jede Funktion ist mit Entwicklungs-Kosten verbunden und macht das digitale Produkt komplexer. Viele Unternehmen fügen Funktionen hinzu, weil sie hoffen, dass dies das Produkt attraktiver macht. Doch oft bietet ein einfacheres Produkt mehr Freude und hat damit einen höheren Gesamtwert.
  • Um zu erfahren, ob Ihr Produkt IoT-fähig ist, sollten Sie Prototypen Ihrer Digital-Geräte entwickeln. Entwickeln Sie nicht gleich das ganze Produkt, sondern gehen Sie im Engineering schrittweise vor. Das Testen der Nutzererfahrung und Umfragen unter Bestandskunden helfen Ihnen dabei, ein mehrwertiges Digital-Produkt und ein besseres Verständnis der potenziellen Kosten zu entwickeln. Auf diese Weise werden Sie Probleme erkennen, wo Sie diese nie erwartet hätten. Und das Digital-Produkt, das dann auf den Markt gebracht wird, wird besser sein.

4. Digital-Engineering: Auf was Sie bei Technik und Design achten sollten

Sobald Sie sicher sind, dass die Digitalisierungsstrategie für Ihr Produkt Ihren Kunden verständlich ist, das Gerät einen Mehrwert hat und die Kosten ins Geschäftsmodell passen, können Sie losplanen - unter der Berücksichtigung einiger weiterer Punkte.


So gibt es für Ihre Digital-Innovation unterschiedliche Konnektivitätsoptionen, die man berücksichtigen muss. Die meisten IoT-Geräte verbinden sich per App über Bluetooth oder Wlan in ein Netzwerk. Über die App steuert der Nutzer dann das Geräte. Smart-Home-Geräte nutzen allerdings oft auch eigene Protokolle (zum Beispiel Zigbee) und es gibt auch immer mehr Geräte, die sich mobil (zum Beispiel NB-IoT oder LTE-M) mit dem Internet verbinden. Jede Technologie hat Vor- und Nachteile, je nachdem, wo und wie das Gerät genutzt wird, und je nach den Kosten, die die Digitalisierungsstrategie unterstützen kann. Sicherheit ist hier zum Beispiel wichtig. Die große Anzahl der IoT-Geräte und die inkonsistenten Sicherheitspraktiken der Geräte-Hersteller haben die Devices immer häufiger zu Zielen von Cyberattacken gemacht.

Das IIoT Innovation Center von Accenture in München. Quelle: Accenture

"Hardware is hard", ist ein beliebtes Sprichwort unter Hardware-Ingenieuren. Allerdings wird es zusehends einfacher, ein neues IoT-Gerät zu entwickeln oder bestehende Geräte IoT-fähig zu machen. Auch Prototyping ist einfacher geworden, denn Unternehmen stehen heute kostengünstige Development Boards und Prototyping-Kits zur Verfügung. Standardisierte Hardware-Komponenten bedeuten, dass Unternehmen im Engineering nicht komplett bei null anfangen müssen und zügig mit dem Testen der Ideen beginnen können.


Wenn sich die Ideen bewährt haben, können standardisierte Development Boards und 3D-Drucker durch optimierte kundenspezifische Boards und Spritzgussteile ersetzt werden, die in hohen Stückzahlen produziert werden können. Diese individuellen Design- und Engineering-Phasen zum Erstellen eines Produkts, das in Serie produziert werden kann, erfordert viele verschiedene Kompetenzen und hohe Investitionen. Gute Recherchen im Vorfeld und Prototyping, um realitätsnahes Nutzerfeedback zu erhalten, geben Ihnen Sicherheit, dass Ihr System auf dem richtigen Weg ist und sich die Investitionen auszahlen werden.

Der größte Einzelposten einer IoT-Lösung ist häufig die Software. Für ein IoT-Gerät gibt es Embedded Software für die Gerätehardware, IT für Clouddienste (IoT-Plattformen) sowie Appsoftware auf dem Smartphone oder Computer. Alle diese und weitere Elemente müssen wie in einem Netzwerk nahtlos miteinander interagieren. Dieses Eco-System erfordert viel Programmierarbeit und jede Menge Tests, um sicherzustellen, dass das System unter zahlreichen Rahmenbedingungen optimal arbeitet.


Großartiges Design und eine sorgfältig ausgearbeitete Nutzererfahrung sind nicht alles, was ein attraktives Produkt ausmacht. Die Aufgabe, ein neues IoT-Gerät einzurichten, kann bisweilen abschreckend erscheinen. Wichtig ist es deshalb, das erste Nutzungserlebnis nach der Digitalisierung so überzeugend und einfach wie möglich zu gestalten. Der gesamte Digitalisierungs-Prozess, das heißt jeder Schritt vom Anbinden des Geräts und Installieren der IT bis hin zur ersten Verwendung des Produkts, muss sorgfältig geplant und umgesetzt werden. Supportanrufe und Produktrückgaben können die Gewinne eines neuen Produkts schmelzen lassen. Die Rücklaufquote für Verbrauchergeräte liegt schätzungsweise bei 11-20 Prozent. Und 95 Prozent der Rückgaben erfolgen nicht aufgrund von Mängeln oder Defekten. Das Produkt kann wie gewünscht funktionieren und doch stellt es den Nutzer nicht zufrieden. Industrieprodukte haben zwar nicht die gleichen Rücklaufquoten, aber die Nutzerwartungen sind mittlerweile genauso hoch. Und da viele IoT-Produkte auf Servicegebühren oder Abomodellen basieren, ist es wichtig, dass die Produkte lange verwendet werden.

5. Nach der Produktentwicklung: So gehen Sie mit Mitbewerbern richtig um

Sie haben alle genannten Schritte durchgeführt. Sie wissen, was Sie im Hinblick auf Ihre Hard- und Software tun müssen. Sie wissen, wie Sie Ihr Produkt IoT-fähig machen. Doch dann stellen Sie fest, dass jemand anderes das Produkt schon entwickelt hat, dessen Implementierung Sie geplant haben. Ein Horrorszenario! Was sollten Sie jetzt tun?


Es ist nicht unbedingt eine schlechte Idee, etwas zu entwickeln, das es schon gibt. Denn das bedeutet: Es gibt schon einen Markt für das innovative Produkt. Was Sie tun müssen, ist Ihr Gerät so zu positionieren, dass es Ihren Kunden einen Mehrwert bietet. Was kann Ihr Gerät, was das andere nicht kann? Welchen Gesamtwert können Sie Ihren Endnutzern bieten, das heißt wie zeigen sie ihnen, dass Sie deren Bedürfnisse wirklich im Blick haben?


Wenn Sie Ihren Kunden zeigen können, wie sich Ihr Produkt von denen Ihrer Mitbewerber unterscheidet, können Sie Ihr Produkt besser am Markt positionieren und verkaufen. Es ist nicht immer eine gute Idee, Ihr Produkt in ein IoT-Gerät zu verwandeln. Wenn Sie allerdings ein marktfähiges Produkt haben, das einen Mehrwert bietet, und Sie die erforderliche Hard- und Software integrieren können, sind Sie auf dem besten Weg, ein erfolgreiches, smartes Digital-Gerät zu entwickeln.

Beratung: So meistern Sie den digitalen Wandel in der Produktentwicklung

Bild: Accenture

Zum Berater: Mark Olson
Mark ist Managing Director der Sparte Industry X.0 von Accenture. Er hilft Unternehmen bei der Entwicklung neuer Produkte (physisch und digital) in zahlreichen Branchen von Verbraucherprodukten über industrielle Ausrüstung, Medizingeräte bis hin zu allen Bereichen der Digitalisierung, digitalen Transformation und des Internet of Things. Setzen Sie sich mit ihm via LinkedIn in Verbindung.

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