Accenture Analyse

Hinter der Analyse von Accenture steht das Ziel, die Stärken und Schwächen der deutschen Wirtschaft zu erfassen und daraus Handlungsempfehlungen für die kommenden Jahre abzuleiten. - Bild: Adobe Stock/Sergey Nivens

Seit zehn Jahren analysiert Accenture die Entwicklung der großen deutschen Konzerne auf Basis des jährlich in der WELT erscheinenden Rankings „Deutschlands große 500“. In zahlreichen Studien wurden die Erfolgsfaktoren sowie zuletzt die Digitalisierungsstrategien der 500 umsatzstärksten Unternehmen des Landes untersucht.

Stellvertretend für die 500 Topkonzerne hat Accenture detaillierte und intensive Analysen der 50 größten Unternehmen des Landes durchgeführt, um auch Vergleiche mit den ebenso großen Gruppen aus den konkurrierenden Volkswirtschaften China und USA anstellen zu können. Für die Geschäftsjahre von 2007 bis 2017 wurden dazu die Daten der Top50 ausgewertet, um Verschiebungen in der Struktur der deutschen Konzernlandschaft sichtbar zu machen.

Hinter der Analyse von Accenture steht das Ziel, die Stärken und Schwächen der deutschen Wirtschaft zu erfassen und daraus Handlungsempfehlungen für die kommenden Jahre abzuleiten. Im Vergleich des Branchenmixes der deutschen Top50-Konzerne mit dem in den USA und in China stach besonders das wachsende Gewicht der Automobilindustrie in Deutschland heraus.

Auf der anderen Seite ist – anders als in den USA und in China – unter den deutschen Top50-Konzernen kein nennenswerter Aufbau des Sektors der Informations- und Kommunikationstechnologien (ITK) zu beobachten. Gerade in diesem Wirtschaftszweig werden aber wichtige Weichen für die Zukunft gestellt.

Für die deutsche Wirtschaft stellt sich also die Frage, wie die Automobilindustrie ihre globale Spitzenstellung verteidigen und gleichzeitig weitere Branchen zu Wachstumsmotoren ausbauen kann. Das gilt auch für die deutschen Banken, die in den vergangenen zehn Jahren deutlich an Relevanz eingebüßt haben.

„Wir müssen alles daran setzen, die enorme Stärke der Autoindustrie zu erhalten und darüber hinaus die Sektoren ITK und Finanzwirtschaft zu stärken“, unterstreicht Frank Riemensperger, Vorsitzender der Geschäftsführung Accenture Deutschland.

Grafik Branchengewichtung
Die Automobilindustrie hat den bereits dominanten Branchenanteil weiter ausgebaut – ITK hat keine kritische Größe. - Bild: Accenture

Accenture hat bei seiner diesjährigen Top500-Analyse vier Handlungsfelder ausgemacht, die derzeit besonders relevant für die weitere Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft erscheinen. In Form von vier Thesen werden sie im Rahmen dieser Studie beschrieben.

Stärken durch digitale Innovation stärken

Die deutsche Wirtschaft muss alles daran setzen, dass ihre Autoindustrie weltweit an der Spitze bleibt. Doch die Branche steht vor einem Technologiewandel und Umwälzungen in der Wertschöpfungskette. Neue Leistungsversprechen für eine zukunftsgerechte Mobilität müssen nun entwickelt werden.

Beispiel: Fahrzeuge, die autonom fahren ohne Unfälle zu verursachen. Damit verbunden ist die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle auf der Basis von intelligenten Produkten und Smart Services. Ihre Pole Position wird die deutsche Autoindustrie nur verteidigen, wenn sie neue Fähigkeiten mit digitalen Technologien wie beispielsweise der Künstlichen Intelligenz (KI) entwickelt.

Grafik Investitionen
Die Mehrheit der deutschen Unternehmen will in IoT/Smart Sensors und KI investieren. - Bild: Accenture

Wachstum durch neue Geschäftsmodelle generieren

Wenn die deutschen Leitindustrien ihre Positionen im internationalen Wettbewerb halten wollen, müssen sie neue zukunftsfähige und gut skalierbare Geschäftsmodelle entwickeln. In den USA und in China haben sich bereits Technologie- und Plattformunternehmen nach diesem Muster in ihren Märkten an die Spitze der Wertschöpfungskette gesetzt.

Anders in Deutschland: hier hat in den vergangenen zehn Jahren als einziges Unternehmen SAP ein – gemessen am Umsatz – relevantes digitales Plattform-Modell etabliert. Bislang fehlt es in den deutschen Top-Konzernen an klaren Visionen und am Mut offene und mehrseitige Ökosysteme zu gestalten.

Grafik Branchengewichtung
Auf Basis der Branchenanteile der Top50 dominieren in Deutschland unverändert die traditionellen Unternehmen. - Bild: Accenture

Deutschland braucht starke, international relevante Banken

Die deutschen Konzerne brauchen eine innovative Kreditwirtschaft, um die digitale Transformation zu schaffen und gegen neue Wettbewerber zu bestehen. Tatsächlich haben die deutschen Banken seit der Finanzkrise aber deutlich an Relevanz eingebüßt. Bemerkbar macht sich das an der Marktkapitalisierung: Die größten deutschen Institute hinken weit hinter den internationalen Spitzenbanken her.

Heute kann der deutsche Bankensektor nicht mehr wie früher Business Building betreiben – auch weil ihnen die Qualifikation als Begleiter von Digitalinitiativen fehlt. Zudem mangelt es an der Flexibilität, neue Finanzierungsangebote zu entwickeln. Dies gefährdet in der deutsche Industrie den Aufbau neuer Geschäftsmodelle.

Grafik Top 10 Banken
Deutsche Banken sind international nicht relevant. - Bild: Accenture

Menschen im Mittelpunkt – Produktivität steigern mit KI

Zukunftsfähige neue Geschäftsmodelle werden die Top500-Unternehmen nur entwickeln, wenn sie in neue Technologien investieren und gleichzeitig die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter erhöhen – und mithilfe der künstlichen Intelligenz auch deren Produktivität steigern. Das Topmanagement muss daher seine Technologie-Investments mit der Qualifizierung der Belegschaft (Up-Skilling) koordinieren.

Automatisierung wird vor allem dann zum Erfolg, wenn sie neben den gewünschten Produktivitätseffekten gleichzeitig dem Menschen in seiner Arbeitswelt neue Freiräume für eine höhere Wertschöpfung verschafft. Dabei sind insbesondere Kompetenzen wie Führungsstärke, kritisches Denken, Kreativität und emotionale Intelligenz zu fördern.

Die deutschen Leitindustrien – allen voran die Autoindustrie – müssen ihre Spitzenplätze in der Welt unbedingt verteidigen – insbesondere gegen neue Wettbewerber aus China und den USA, die auch mit disruptiven Geschäftsmodellen angreifen werden. Die Chancen der deutschen Industrie stehen aber nicht schlecht. Erst jetzt befindet sich das Industrielle Internet der Dinge im Aufbau. Die darin generierten Daten haben einen viel höheren Wert, als die Daten aus den Sozialen Medien oder den Online-Handelsplattformen.

Die Perspektiven der deutschen Industrie liegen in skalierbaren digitalen Produkten und Dienstleistungen, die ihren Kunden neue, individualisierbare Erfahrungswelten bietet. Werden diese realisiert, kann aus dem prominenten Qualitätskriterium „Made in Germany“ das digitale Gütesiegel „Operated by Germany“ werden.

Die deutsche Wirtschaft braucht einen ambitionierten Plan, der Meilensteine für den Aufbau einer nationalen Infrastruktur mit globaler Reichweite benennt – ähnlich wie die Roadmap der Chinesen, aber mit Inhalten, die unserer Kultur, unseren Wertesystemen und unserer wirtschaftlichen Basis entsprechen. Ein „Digitales Deutschland 2025”.

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