Diese Tipps sollten Sie beherzigen, wenn Sie den digitalen Wandel Ihres Unternehmens sicher durch die Krise retten möchten. Bild: Pixabay/frei

Diese Tipps sollten Sie beherzigen, wenn Sie den digitalen Wandel Ihres Unternehmens sicher durch die Krise retten möchten. Bild: Pixabay/frei

| von Raghav Narsalay, Accenture Industry X.0 Research-Organisation

Theoretisch gehört das Aufbrechen von Silos ja seit jeher zu den Kernversprechen der Digitalisierung. Doch in der Praxis bleibt diese Nebenwirkung meist aus, schlimmer noch: es herrscht oft das Gegenteil. 75 Prozent der 1500 von Accenture befragten Führungskräfte erklärten, ihre Abteilungen würden bei der Digitalisierung nicht nur nicht zusammenarbeiten – sondern sogar miteinander um Budgets und Projekte konkurrieren. Ein Wettstreit, der die betroffenen Firmen teuer zu stehen kommt. Denn: Die Reibereien verlangsamen Projekte und zerstören Synergieeffekte, was wiederum den Return on Investment erheblich verzögert und verringert. Und wenn das Gerangel dann auch noch die Handlungsfähigkeit des gesamten Unternehmens beschneidet, entstehen gerade in der Krise erhebliche Geschäftsrisiken.

Warum die Digitalisierung in Unternehmen so oft scheitert

Eine Studie der Unternehmensberatung Accenture belegt: Besagte Reibereien und Risiken sind eher die Regel als die Ausnahme, und zwar in Unternehmen nahezu jeder Branche, Industrie und Größe. Die übliche Ursache hierfür: Die betroffenen Betriebe haben im Zuge Ihres Wachstums Silos errichtet. Eigenständig arbeitende Abteilungen also, die sich in der Regel ausschließlich auf das Erfüllen spezifischer Ziele konzentrieren. Dies sei zwar verständlich und nicht per se falsch, hemme aber eben auch schon zu normalen Zeiten die Beweglichkeit und Veränderlichkeit der Unternehmen.

Ein Nachteil, der sich jetzt, da die Corona-Krise die Digitalisierung vielerorts beschleunigt, besonders bemerkbar mache. Das Kompetenzgerangel, heißt es, führe zu Mehrausgaben, bremse Digitalisierungs-Maßnahmen, verringere das Umsatzwachstum und schmälere die Gewinne. Dies wiederum erhöhe die Gefährdung der Firmen durch einen weiteren wirtschaftlichen Abschwung, heißt es in dem Paper – „von den Erschwernissen für eine Erholung oder gar weiteres Wachstum gar nicht erst zu sprechen“.

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Tatsächlich zeigen die Studien-Resultate: Die Kosten des Abteilungs-Wettstreits sind für die betroffenen Unternehmen – jene 75 Prozent der Befragten – erheblich: Die fraglichen Betriebe investieren häufiger in per se redundante Einzelprojekte; etwa, wenn sowohl Mitarbeiter aus Forschung und Entwicklung als auch Mitarbeiter aus der Fertigung mit Digital Twin-Vorhaben experimentieren, ohne dabei viel miteinander zu sprechen. Die so verursachten Mehrkosten beliefen sich nach Einschätzung der Befragten auf rund 6,3 Prozent. Folgerichtig verfehlen diese Firmen auch ihre selbstgesteckten Ziele: Statt der erwarteten 11,3 Prozent Gewinnsteigerungen durch Digitalisierung – im Zeitraum zwischen 2017 und 2019 – erreichten die Silo-Unternehmen mit ungenügender Zusammenarbeit gerade einmal sechs Prozent. Und: 64 Prozent der Gruppe geben sogar an, dass die von ihnen getätigten Digitalisierungs-Investitionen bisher noch gar kein Wachstum gebracht hätten.

Accenture Covid-19 Response - Quelle: Youtube

Der Stellhebel bessere Zusammenarbeit in der Digitalisierung erscheint also schon beim Blick auf diese Zahlen reichlich lang. Doch der Schein trügt. Die volle Wirkkraft sieht nämlich erst, wer auch die Zahlen der Champions betrachtet. Das ist diejenige Gruppe untersuchter Unternehmen, die die Zusammenarbeit ihrer Geschäftsbereiche und Mitarbeiter schon heute fordert, fördert und bestmöglich steuert. Ein Blick auf die folgenden Resultate macht klar: Zusammenarbeit rechnet sich für die Digitalisierung richtig.

Champions erzielen den vierfachen Gewinnzuwachs mit digitalen Projekten und sie wachsen 13 Mal profitabler. Bild: Accenture
Champions erzielen den vierfachen Gewinnzuwachs mit digitalen Projekten und sie wachsen 13 Mal profitabler. Die Grafik zeigt die durch Digitalisierungs-Investitionen verursachten Umsatz-Steigerungen (links) und Ebit-Zuwächse (rechts) für den Vergleichszeitraum von 2017-2019. Bild: Accenture

Digitalisierung: Welche Unternehmen profitieren?

Beleg Nummer eins: Wachstum. Die erfolgreichen Digitalisierungs-Champions (22 Prozent der befragten Unternehmen) erzielten während der vergangenen drei Jahre Gewinnzuwächse weit über dem jeweiligen Branchendurchschnitt – auch und gerade wegen ihrer Digitalisierungsstrategie. In diese investierten die Champions zwar auch mehr als ihre Mitbewerber (rund 1,5 mal so viel im Mittel). Vor allem aber erzielten sie mit diesen Investitionen erheblich bessere Returns: Rund viermal so viel Umsatzzuwachs sowie knapp 13 mal so viel Ebit-Steigerung zum Beispiel.

Dieser Effektivitäts-Vorsprung spiegelte sich auch im Börsenwert der Unternehmen – übrigens auch während des ersten Höhepunkts der Corona-Krise im Frühling: Der durchschnittliche tägliche Aktienkurs der Champions übertraf zu Corona-Hochzeiten im März und April den der übrigen Unternehmen an nahezu jedem Handelstag – Beleg Nummer zwei.

Diese Champions erreichen also erheblich bessere Digitalisierungs-Resultate als ihre Marktbegleiter. Nur, wie genau? Die kurze Antwort: Durch bessere Zusammenarbeit zwischen den wesentlichen Geschäftsbereichen. Alle Champions ergreifen bestimmte Digitalisierungs-Maßnahmen, um die gemeinsame Arbeit sowie das Teilen von Wissen und Ressourcen gezielt zu fördern und zu regeln. Diese lassen sich in fünf Maßnahmen-Bündel im Sinne einer umfassenden Digitalisierungsstrategie gruppieren:

1. Digitalisierungsstrategie: Warum ein gemeinsames Geschäftsmodell so wichtig ist

Champions machen ihren Führungskräften unmissverständlich klar, welchen Zweck die digitale Transformation des Unternehmens verfolgt, soll heißen: Sie verwenden viel Zeit darauf sicherzustellen, dass alle Geschäftsbereiche die gemeinsame Mission und das Geschäftsmodell verstehen und sich entsprechend verhalten, und richten auch ihre Ziel- und Messsysteme entsprechend aus.

2. Digitale Transformation: Warum Zusammenarbeit messbar sein muss

Überdies machen Champions auch einzelne Führungskräfte explizit und persönlich für die Entwicklung und den Erfolg von Zusammenarbeit verantwortlich – nicht selten, in dem sie ein und derselben Spitzenführungskraft die Zuständigkeit sowohl für die digitale Transformation als auch für die Zusammenarbeit zwischen den Geschäftsbereichen übertragen. Überdies messen diese Unternehmen auch die Leistung der Geschäftsbereichsleiter an deren Bereitschaft und Beitrag zur gemeinsamen Arbeit.

3. Wie Sie die Zusammenarbeit für den digitalen Wandel mit Tools gezielt fördern

Bei der Auswahl konkreter Digitalisierungs-Vorhaben priorisieren Champions gezielt in bereichsübergreifend angelegte Projekte oder investieren in Digitalisierungsstrategien, die die Zusammenarbeit künftig erleichtern. Dies können abteilungsübergreifende Big-Data-Analytics-Vorhaben sein, die Einführungvon Innovationen zum Product-Lifecycle-Management oder großangelegte Digital-Twin-Vorhaben. Rein bereichsspezifische digitale Vorhaben – fiktives Beispiel: die Umsetzung einer neuen Knowledge-Management-Datenbank nur für F&E – werden dagegen zurückgestellt.

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4. Warum neue digitale Systeme nur so stark sind wie ihr schwächstes Glied
Champions stellen sicher, dass neu beschaffte digitale Systeme in jeder Hinsicht mit anderen bereits vorhandenen kompatibel sind. Sie unternehmen also jede Anstrengung, um Insellösungen zu vermeiden, und setzen stattdessen von vornherein auf stark standardisierte, breit einsetzbare digitale Plattformen.

5. Digitaler Wandel: Welche Rolle Governance-Richtlinien spielen

Champions scheuen nicht vor administrativer Arbeit zurück – im Gegenteil: Um nicht nur die Einfachheit, sondern auch die Verlässlichkeit der Zusammenarbeit ihrer Mitarbeiter sicherzustellen, erarbeiten sie frühzeitig wichtige Governance-Richtlinien etwa für das Zusammenspiel für Information- und Operating-Technology, für IT-Sicherheit, oder für Abläufe und Berechtigungen rund um Datenaustausch und -Schutz. Das schafft viel Klarheit für die tägliche gemeinsame Arbeit an Projekten und Systemen.

Fazit - Warum digitale Technik nur ein Hilfsmittel ist

Digitale Technik kann dabei helfen, Silos aufzubrechen und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Teilen eines Unternehmens zu verbessern. Sie tut dies aber keineswegs von allein und automatisch. Die Champion-Unternehmen in Accentures neuer Studie haben verstanden, dass digitale Veränderungen umsichtige Führung und fortlaufende Arbeit erfordern – und priorisieren die entsprechenden Maßnahmen entsprechend. In der Folge verlaufen ihre Digitalisierungsstrategien erheblich zielgerichteter, schlanker und mit höheren Returns als die ihrer Marktbegleiter – und haben daher keine Schwierigkeiten, ihre Veränderungsbemühungen auch während Corona fortzuführen.

Weitere Informationen finden Sie in folgendem Bericht: Zusammen geht besser

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