Sämtliche Industrieunternehmen messen der Verbindung von künstlicher Intelligenz und Produkten eine sehr hohe Bedeutung bei - fast alle testen den Einsatz von KI in der einen oder anderen Weise.

Sämtliche Industrieunternehmen messen der Verbindung von künstlicher Intelligenz und Produkten eine sehr hohe Bedeutung bei - fast alle testen den Einsatz von KI in der einen oder anderen Weise. - Bild: Accenture

KI und Industrieprodukte? Dieses Zusammenspiel mag noch nicht alltäglich sein. Aber „ferne Zukunft“ ist es auch nicht mehr – im Gegenteil: immer mehr Unternehmen experimentieren mit der Ergänzung vorhandener Produkte und Lösungen um künstliche Intelligenz. Das geht aus einer großangelegten Marktuntersuchung hervor, die Accenture anlässlich der Hannover Messe 2018 vorgestellt hat.

Deren wichtigste Resultate: Sämtliche Industrieunternehmen messen der Verbindung von künstlicher Intelligenz und Produkten eine sehr hohe Bedeutung bei; fast alle testen den Einsatz von KI in der einen oder anderen Weise.Wirklich unterwegs in Richtung KI-gestützter „Smart Products“ ist aber bisher nur eine kleine Minderheit der untersuchten Firmen.

Was machen diese wenigen Unternehmen anders als die übrigen? Welche Schlussfolgerungen können Unternehmenslenker hieraus gegebenenfalls ziehen? Und: welche Erkenntnisse liefert die neue Studie überdies?

Wir sprechen mit Matthias Wahrendorff, Chef von Accentures Industrial-Research-Team und Mit-Autor der Untersuchung.

Herr Wahrendorff, vielleicht zum Einstieg: Was war der Hintergrund Ihrer Untersuchung, und wie sind sie vorgegangen?

Nun, wir sprechen bei Accenture ja ständig über „Industry X.0“, also unseren Ansatz zur Industriedigitalisierung. Für den spielen „Smart Products“ eine zentrale Rolle, und die wiederum könnten durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz noch erheblich leistungsfähiger, preiswerter und kundenfreundlicher werden.

Daher meinen wir: Dem Zusammenspiel von Produkten und KI kommt künftig eine extrem hohe Bedeutung zu. Und wir wollten einfach wissen: sehen unsere Kunden und andere Industrieunternehmen das genauso? Und, wenn ja: was tun sie diesbezüglich? Also haben wir 500 Industrieentscheider aus Firmen in Asien, Europa und Nordamerika eben hierzu befragt und zudem eine Reihe von Fallstudien ausgewertet.

Und, was haben Sie dabei herausgefunden? Welche Resultate haben Sie überrascht oder beeindruckt?

Wirklich überrascht hat mich zunächst, wie viele Unternehmen sich des Themas „KI und Industrieprodukte“ bereits annehmen: Unserer Befragung zufolge beschäftigen sich rund 98 Prozent der Firmen bereits auf die ein oder andere Weise mit dem Thema.

Und: sehr viele davon haben sehr spezifische Vorstellungen bezüglich der Frage, mit welchen Produkten oder Lösungen sie KI künftig einsetzen werden – die Mehrzahl zielt hierbei auf die Verbindung mit Analytics-Lösungen oder mit Mobile-Computing-Software – vielleicht auch, weil entsprechende Beispiele aus dem Konsumgüter-Geschäft oder der Medienwirtschaft geläufig sind. Man kann also durchaus sagen: Die Bedeutung des Themas ist voll erkannt, und eine Mehrzahl der Firmen weiß recht genau, wofür sie KI nutzen will.

Soweit zur Theorie. Aber Ihre Untersuchung zeigt auch, dass die meisten Unternehmen in der Praxis noch nicht besonders weit vorangekommen sind, richtig?

Ja, das ist richtig. Ich muss etwas ausholen: Wir haben unsere Stichprobe daraufhin untersucht, wie weit die einzelnen Unternehmen auf dem Weg zum Einsatz makrtreifer KI-Lösungen vorangekommen sind. Das entsprechende Clustering resultierte in vier Gruppen, die wir „Verständige“, „Visionäre“, „Planer“ und „KI-Vorreiter“ nennen: Vertreter der ersten Gruppe haben die Bedeutung von KI für ihr Unternehmen zwar erkannt, aber noch keine Strategie entwickelt.

„Visionäre“ besitzen eine solche, stellen aber bisher noch keine Ressourcen für deren umfassende Umsetzung bereit. Firmen in der „Planer“-Gruppe sind diesbezüglich weiter, und „KI-Vorreiter“ sind tatsächlich schon dabei, KI im großen Umfang in ihre Produte zu integrieren.

Damit sind wir zurück bei Ihrer Frage: Nur sechzehn Prozent aller Unternehmen in unserer Stichprobe erreichen überhaupt die zweite Stufe, bis Stufe drei schaffen’s dann nur noch 5, bis Stufe eins sogar nur zwei Prozent. Diese Prozentwerte variieren zwar je nach Industrie ein wenig – aber insgesamt ist klar: Die große Mehrzahl der Firmen steht in Sachen KI-gestüzte Smart Products noch ganz am Anfang.

Was unterscheidet die Vorreiter vom Rest? Haben Sie irgendwelche Besonderheiten entdecken können?

Ja, durchaus: „Visionäre“ haben beispielsweise nicht nur eine Strategie entwickelt – sie legen deren Schwerpunkte auch klar auf ganz bestimmte Zielbereiche. 82 Prozent dieser Visionäre sehen eine verbesserte Kundenloyalität und ein tiefgreifendes Verständnis für die Nutzung von Produkten und Services beim Kunden als wichtigsten Vorteil eines KI-Einsatzes an. „Planer“ legen darüber hinaus auch noch klare Prioritäten bei der Planung von Projekten fest – die meisten setzen auf das Schaffen technischer Voraussetzungen und auf den Know-how-Aufbau.

91 Prozent der Befragten aus dieser Gruppe sehen dabei vor allem Analytics-Fähigkeiten und Systemintegration als wichtig an. Und bezüglich der KI-Vorreiter, die die vierte Stufe erreichen: Die tun sich überwiegend dadurch hervor, dass sie eng mit einem weiten Kreis von Ökosystem-Partnern zusammenarbeiten – also etwa Dienstleistern, Analytics- oder KI-Start-ups oder mit Forschungseinrichtungen. Sprich: diese Firmen suchen auch außerhalb ihres herkömmlichen Partner- und Zuliefererumfelds nach Verstärkung.

Und – welche Schlussfolgerungen haben Sie und Ihr Team aus diesen Beobachtungen gezogen? Was empfehlen Sie Industrieunternehmern?

Vielleicht zunächst: Wir meinen, dass jedes Industrieunternehmen zeitnah damit beginnen sollte, die Reise zum KI-Einsatz in Produkten anzutreten. Denn auch wenn die Zahlen der „Visionäre“, „Planer“ und „KI-Vorreiter“ noch sehr niedrig erscheinen: Die wesentliche Botschaft ist ja, dass sie existieren, sprich, dass  durchaus bereits Firmen im Markt sind, die auf einen strategischen, umfassenden KI-Einsatz hinarbeiten. Deren Anstrengungen sind also keine Zukunftsmusik mehr, sondern Wirklichkeit. Wer das nicht berücksichtigt und nachzieht, riskiert, sehr bald erheblich zurückzufallen.

Und dann: Natürlich haben wir auch Empfehlungen für eben dieses „Nachziehen“ entwickelt. Wenn Sie unseren Untersuchungsbericht herunterladen, dann finden Sie an dessen Ende eine „100-Tage-Aufgabenliste“ für Geschäftsführer. Die ist schon vergleichsweise griffig. Und wir fügen sogar noch zwei Fallbeispiele bei – die Accenture Kunden Faurecia und Schneider Electric – von denen man sich vielleicht noch das ein oder andere abschauen kann.

Sie merken schon, worauf ich hinauswill: Laden Sie sich einfach unseren Bericht herunter und lesen Sie selbst. Und wenn Sie dann noch fragen haben: wenden Sie sich gern an mich!

Mehr zum Thema? Finden Sie hier:

Mehr zum Thema „KI und Industrieprodukte“ finden Sie hier; auf der Site steht auch der gesamte Untersuchungsbericht als kostenloser PDF-Download bereit.

Mehr über Accenture Research finden Sie auf dieser Website oder bei Matthias Wahrendorff auf LinkedIn.