Magneti Marelli

Der Automobilzulieferer Magneti Marelli verbessert seine Abläufe und verfeinert die Steuerung seiner Anlageneffizienz. - Bild: Magneti Marelli/Accenture

Industrie 4.0 in der Auto-Industrie – das ist nicht nur etwas für Hersteller. Auch immer mehr Zulieferer nutzen digitale Verfahren für mehr Effizienz und Umsatz. So auch der italienische Autozulieferer Magneti Marelli: Das Unternehmen digitalisiert gemeinsam mit Accenture die eigene Fertigung.

Hauptziel des Zulieferers: mehr Effizienz in der Fertigung. Die entsprechenden Vorhaben zielen vor allem auf bessere Abläufe und eine feinere Steuerung der Anlageneffizienz. Aber auch vorausschauende Wartung kommt zum Einsatz.

Magneti Marelli

Magneti Marelli ist ein italienischer Automobilzulieferer. Er wurde 1919 gegründet und gehört zum Automobilkonzern Fiat Chrysler Automobiles. Das Unternehmen fertigt vornehmlich elektrische und elektronische Komponenten für die Automobilindustrie.

Ein Ansatzpunkt für Letztere: Die Motoren der Schweißroboter, die Magneti Marelli in der Fertigung einsetzt. Die sind strategisch wichtig und müssen vor Ausfällen geschützt werden. Hierfür setzte die Firma bisher vor allem auf Wartungs-Intervalle – und nimmt dabei einen Nachteil in Kauf: Die Intervalle werden der Maschinenauslastung nicht immer gerecht; die Motor-Versorgung ist daher nicht immer optimal.

Um dies – und Anderes – zu ändern, holte Magneti Marelli Accenture ins Haus. Gemeinsam begannen beide Unternehmen mit der Digitalisierung des Zulieferers.

Vier Handlungsfelder für mehr Effizienz

Hierzu ermittelte das Unternehmen zunächst, welche Technologien wo einzusetzen wären. Als Resultat hielten die Verantwortlichen vier Handlungsfelder fest:

1. KI-gestützte Fertigung: Magneti Marelli setzt künftig auf maschinelles Lernen und KI (Künstlichen Intelligenz); die Verfahren sollen Planung und Steuerung in der Fertigung verbessern. Einmal richtig trainiert, können KI-Modelle Maschinen- und andere Ereignisse vorausberechnen. Das unterstützt die Entscheidungsfindung und kann beispielsweise dabei helfen, Lieferengpässe zu vermeiden.

2. Predictive Maintenance: Nicht nur bei den Schweißrobotern, auch in anderen Bereichen setzt Magneti Marelli künftig auf vorausschauende Wartung. Entsprechende Lösungen werden Fehler vorhersagen und Wartungs-Verfahren einleiten. Das soll vor allem die Effizienz beim Personaleinsatz steigern: Wartungseinsätze sollen planbarer, Notfall-Reparaturen überflüssig werden.

3. Digitale Qualitätssicherung: ,Selbstlernende‘ Anlagen werden dem Zulieferer helfen, Fehler im Fertigungsablauf zu reduzieren. Maschinen werden mittels ihrer Sensoren fehlerverursachende Abweichungen wie etwa beschädigte Komponenten erkennen und entsprechende Alarme auslösen.

4. „Industrial Analytics“: Der Zulieferer wird mittels Daten-Auswertung die Materialwirtschaft optimieren. Außerdem sollen Analytics die Betriebseffizienz insgesamt erhöhen: Magneti Marelli will Wasser, Energie und Rohmaterialien sparen und die Produktivität der eignen Logistik erhöhen.

Per „PoC“ zu mehr Effizienz

Im nächsten Schritt bestimmten die Verantwortlichen, wie Magneti Marellis Fertigungs-Software ergänzt werden müsste. Dann spezifizierten sie eine Suite aus Anwendungen für die erforderliche IT- und Betriebstechnik-Integration.

Zeitgleich erarbeiteten die Berater ein erstes „Proof-of-Concept“ zur Effizienzsteigerung mittels besserer Maschinen-Überwachung. Hierfür vernetzten die Experten zunächst Anlagen in zwei Werken mit einer Versuchs-Plattform; im Mittelpunkt standen dabei kritische Ressourcen wie die Schweißroboter oder eine Spritzgussmaschine.

Der Plattform-Prototyp sammelt und verarbeitet die Sensor- und Steuerungsdaten der Anlagen und wertet diese dann mittels eigens entwickelter Vorhersagealgorithmen aus. Mit dem Prototyp können Magneti Marellis Werksleiter bereits jetzt etwa die Wahrscheinlichkeit und den möglichen Zeitpunkt von Anlagen-Ausfällen vorausberechnen.

Schon bald dürften sie überdies Zugriff auf weitere Features erhalten: Accenture entwickelt die Versuchs-Plattform bereits weiter zu einer voll-skalierbaren IIoT-Edge-Lösung auf Grundlage von Microsoft Azure; der Anschluss weiterer Maschinen ist in Vorbereitung.

Erste Erfolge

Die Digitalisierung einzelner Fertigungs-Bereiche hat Magneti Marelli schon in der frühen Phase messbare Resultate eingebracht, darunter:

  • Vereinfachte Fertigungsplanung, Vermeidung von händischen- und Papier-gebundenen Planungsabläufen (ermöglicht durch Planungs-Automation)
  • Die Vermeidung von Standzeiten (möglich durch Remote-Monitoring, -Analystics
    und -Controlling in Echtzeit)
  • Qualitätsverbesserungen in der Fertigung (ermöglicht durch Predictive Analytics und „Early-Warnings“-Alarme)
  • Verbesserte Wartungszyklen und -Abläufe, niedrigere Wartungskosten (mittels Predictive Analytics und Umstellung auf „on-demand“-Maintenance)
  •  Zukunftssichere Arbeitsabläufe (durch Vorbereitung für weiterführende Maschinendaten-Auswertung)

Nächster Schritt: Skalieren

Die Zusammenarbeit mit Accenture ist für Magneti Marelli erst der Anfang eines umfassenden Transformationsvorhabens. Was als Nächstes ansteht, ist die Weiterführung der erfolgreichen Versuche sowie der Start neuer Projekte. Abläufe optimieren, Produktqualität verbessern, Markteinführungszeit verkürzen und Wert steigern – all das will der Zulieferer künftig in erheblich größerem Umfang tun.

Accenture soll bei alldem weiterhin helfen; der nächste Meilenstein steht bereits fest: weitere Vorhaben in jedem der vier Handlungsfelder festschreiben.

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