Böser Chef

Von 100 Beschäftigten sind laut Studie hierzulande nur 15 Prozent Feuer und Flamme für ihren Job. 14 dagegen hätten innerlich gekündigt. Und der Rest? Macht Dienst nach Vorschrift. - Bild: Pixabay

Montag, der erste Schritt in Richtung Wochenende - so dürften Viele in Deutschland denken, jedenfalls wenn man Umfragen folgt. Demnach hängen Millionen nicht besonders an ihrer Arbeit. Jeder siebte habe innerlich gekündigt, glaubt das Beratungsunternehmen Gallup. Kein Lob, keine klaren Aufgabe, keine Perspektive für die Mitarbeiter, das seien einige Ursachen.

"Das ist kein gutes Zeugnis für die Führungskräfte", sagt Studienautor Marco Nink und warnt: Schlechte Führung drücke auf die Motivation und koste Unternehmen daher Milliarden. Ein Blick in die Zahlen zeigt aber auch: Die Chefs werden besser.

Wo Deutschlands Chefs noch Nachholbedarf haben

59 Prozent der Beschäftigten sind vollständig oder teilweise der Meinung, dass ihre Chefs sie durch ihre Führung zu hervorragender Arbeit motivieren, 8 Prozentpunkte mehr als noch vor zwei Jahren. Rund 17 Prozent stimmten dieser Aussage nicht oder größtenteils nicht zu, das sind 6 Prozentpunkte weniger.

Nachholbedarf gibt es für Deutschlands Führungskräfte aber weiterhin. Was die emotionale Bindung an den Arbeitgeber angeht, führte Gallup deutsche Arbeitnehmer im Vergleich der großen Industrienationen zuletzt irgendwo zwischen US-Amerikanern (top) und Japanern (mau).

Von 100 Beschäftigten seien hierzulande nur 15 Prozent Feuer und Flamme für ihren Job. 14 dagegen hätten innerlich gekündigt. Und der Rest? Macht Dienst nach Vorschrift.

"Führungskräfte müssen sich vom Leistungskontrolleur zum echten Coach ihrer Mitarbeiter entwickeln", fordert Nink. Seine Untergebenen zu begeistern, statt ihnen die Daumenschrauben anzuziehen, das ist eigentlich keine neue Devise für Manager.

Geben Chefs ihren Leuten eigene Handlungs- und Entscheidungsspielräume, dazu vielfältige und auch vollständig leistbare Aufgaben haben, dann fördern sie damit Gesundheit, Wohlbefinden und Motivation der Mitarbeiter, wie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erklärt.

  • Konsum- und Verbrauchsgüter

    Platz 10: Konsum- und Verbrauchsgüter. In dieser Branche verdienen Geschäftsführer durchschnittlich (Mittelwert) gut 172.500 Euro im Jahr.- Quelle: gehalt.de / Bild: Pixabay

  • Maschinenbau

    Platz 9: Maschinenbau. In dieser Branche verdienen Geschäftsführer durchschnittlich (Mittelwert) gut 182.512 Euro im Jahr. - Quelle: gehalt.de / Bild: Pixabay

  • Luftfahrt

    Platz 8: Luftfahrt. In dieser Branche verdienen Geschäftsführer durchschnittlich (Mittelwert) gut 186.800 Euro im Jahr. - Quelle: gehalt.de / Bild: Pixabay

  • Versicherungen

    Platz 7: Versicherungen. In dieser Branche verdienen Geschäftsführer durchschnittlich (Mittelwert) gut 187.300 Euro im Jahr. - Quelle: gehalt.de / Bild: Pixabay

  • Chemieindustrie

    Platz 6: Chemieindustrie. In dieser Branche verdienen Geschäftsführer durchschnittlich (Mittelwert) gut 202.300 Euro im Jahr. - Quelle: gehalt.de / Bild: Pixabay

  • Automobilindustrie

    Platz 5: Automobilindustrie. In dieser Branche verdienen Geschäftsführer durchschnittlich (Mittelwert) gut 207.750 Euro im Jahr.- Quelle: gehalt.de / Bild: Pixabay

  • Finanzdienstleistungen

    Platz 4: Finanzdienstleistungen. In dieser Branche verdienen Geschäftsführer durchschnittlich (Mittelwert) gut 208.100 Euro im Jahr.- Quelle: gehalt.de / Bild: Pixabay

  • Telekommunikation

    Platz 3: Telekommunikation. In dieser Branche verdienen Geschäftsführer durchschnittlich (Mittelwert) gut 213.000 Euro im Jahr.- Quelle: gehalt.de / Bild: Pixabay

  • Pharmaindustrie

    Platz 2: Pharmaindustrie. In dieser Branche verdienen Geschäftsführer durchschnittlich (Mittelwert) gut 214.500 Euro im Jahr.- Quelle: gehalt.de / Bild: Pixabay

  • Bankensektor

    Platz 1: Bankensektor. In dieser Branche verdienen Geschäftsführer durchschnittlich (Mittelwert) gut 215.750 Euro im Jahr. - Quelle: gehalt.de / Bild: Pixabay

Ideen der Beschäftigten sind kaum gefragt

Doch die Wirklichkeit ändert sich nur langsam. "Die Chefs haben in den meisten deutschen Firmen die Zügel fest in der Hand", folgert etwa der Personalvermittler Manpower aus einer eigenen Umfrage. Mitarbeiter hätten wenig Spielraum. Nur jeder Dritte dürfe demnach allein oder im Team selbstständig Entscheidungen treffen. Die Ideen der Beschäftigten sind demnach kaum gefragt, Fehler würden selten auch als Lernchance begriffen.

"Den wenigsten Unternehmen gelingt es zu definieren, was sie unter guter Führung verstehen", sagt Nink. Er muss das sagen, denn Gallup verdient sein Geld auch mit Führungskräfte-Schulungen. Wäre in den Chefetagen alles in Butter, bräuchte die Berater niemand mehr. Doch auch andere Studien, etwa der AOK, bestätigen: Führungskräfte in Deutschland tun sich noch schwer damit, ihre Leute zu unterstützen, zu loben und ihnen Entscheidungen zu überlassen.

Warum das so ist? Oft werden die Falschen befördert, ist Soziologe Nink überzeugt. Meist rücken die Kollegen auf, die gute Experten in ihrem Bereich seien. 2Der beste Verkäufer wird Vertriebschef." Erst danach zeige sich, dass er keine Leute führen könne. Im Unternehmen gebe es dann einen schlechten Chef mehr - und einen guten Verkäufer weniger.

"Man sollte Expertenkarrieren genauso fördern wie Führungskarrieren", rät der Fachmann und meint damit: Mehr Geld und Status für Kollegen, die bessere Produkte als die anderen abliefern - und nicht nur für die, die führen.

  • VW Matthias Müller

    Platz 15: Volkswagen. Der ehemalige CEO des Autokonzerns Matthias Müller erhielt im vergangenen Jahr 85-mal so viel Gehalt wie der Durchschnitt der Belegschaft. – Quelle: Hans-Böckler-Stiftung/Bild: Volkswagen

  • BMW harald krüger

    Platz 14: BMW. CEO Harald Krüger erhielt im vergangenen Jahr 88-mal so viel Gehalt wie der Durchschnitt der Belegschaft. – Quelle: Hans-Böckler-Stiftung/Bild: BMW

  • Merck Stefan oschmann

    Platz 13: Merck. CEO Stefan Oschmann erhielt im vergangenen Jahr 93-mal so viel Gehalt wie der Durchschnitt der Belegschaft. – Quelle: Hans-Böckler-Stiftung/Bild: Merck

  • Henkel Hans van Bylen

    Platz 12: Henkel. CEO Hans van Bylen erhielt im vergangenen Jahr 112-mal so viel Gehalt wie der Durchschnitt der Belegschaft. – Quelle: Hans-Böckler-Stiftung/Bild: Henkel

  • Continental Elmar Degenhart

    Platz 11: Continental. CEO Elmar Degenhart erhielt im vergangenen Jahr 114-mal so viel Gehalt wie der Durchschnitt der Belegschaft. – Quelle: Hans-Böckler-Stiftung/Bild: Continental

  • vonovia Mitarbeiter

    Platz 10: Vonovia. CEO Rolf Buch erhielt im vergangenen Jahr 117-mal so viel Gehalt wie der Durchschnitt der Belegschaft. – Quelle: Hans-Böckler-Stiftung/Bild: Vonovia

  • Fresenius Medical Care rice Powell

    Platz 9: Fresenius Medical Care. CEO Rice Powell erhielt im vergangenen Jahr 119-mal so viel Gehalt wie der Durchschnitt der Belegschaft. – Quelle: Hans-Böckler-Stiftung/Bild: Fresenius Medical Care

  • BASF Kurt Bock

    Platz 8: BASF. Ex-CEO Kurt Bock erhielt im vergangenen Jahr 120-mal so viel Gehalt wie der Durchschnitt der Belegschaft. – Quelle: Hans-Böckler-Stiftung/Bild: BASF

  • Siemens Joe Kaeser

    Platz 7: Siemens. CEO Joe Kaeser erhielt im vergangenen Jahr 133-mal so viel Gehalt wie der Durchschnitt der Belegschaft. – Quelle: Hans-Böckler-Stiftung/Bild: Siemens

  • Thyssen Krupp heinrich hiesinger

    Platz 6: Thyssen Krupp. CEO Heinrich Hiesinger erhielt im vergangenen Jahr 136-mal so viel Gehalt wie der Durchschnitt der Belegschaft. – Quelle: Hans-Böckler-Stiftung/Bild: Thyssen Krupp

  • SAP Bill McDermott

    Platz 5: SAP. CEO Bill McDermott erhielt im vergangenen Jahr 163-mal so viel Gehalt wie der Durchschnitt der Belegschaft. – Quelle: Hans-Böckler-Stiftung/Bild: SAP

  • Daimler Dieter Zetsche

    Platz 4: Daimler. CEO Dieter Zetsche erhielt im vergangenen Jahr 171-mal so viel Gehalt wie der Durchschnitt der Belegschaft. – Quelle: Hans-Böckler-Stiftung/Bild: Daimler

  • Adidas Kasper Rorsted

    Platz 3: Adidas. CEO Kasper Rorsted erhielt im vergangenen Jahr 192-mal so viel Gehalt wie der Durchschnitt der Belegschaft. – Quelle: Hans-Böckler-Stiftung/Bild: Adidas

  • Bernd Scheifele heidelberg cement

    Platz 2: Heidelberg Cement. CEO Bernd Scheifele erhielt im vergangenen Jahr 201-mal so viel Gehalt wie der Durchschnitt der Belegschaft. – Quelle: Hans-Böckler-Stiftung/Bild: Heidelberg Cement

  • Deutsche Post Frank Appel

    Platz 1: Deutsche Post. CEO Frank Appel erhielt im vergangenen Jahr 232-mal so viel Gehalt wie der Durchschnitt der Belegschaft. – Quelle: Hans-Böckler-Stiftung/Bild: Deutsche Post

Es gibt immer weniger Arbeitslose

Doch es kommt nicht nur auf den Chef an, das macht der Deutsche Gewerkschaftsbund deutlich. Sein jährlicher Gute-Arbeit-Index zeigt: Auch ständige Erreichbarkeit, Flexibilisierung und schlechte Vereinbarkeit mit dem Familienleben belasten Mitarbeiter und dämpfen so die Motivation.

Die DGB-Umfrage zeigt aber auch: Die Grundstimmung ist positiv. Es gibt immer weniger Arbeitslose, längst balgen sich Unternehmen um die Talente. In der jüngsten Ausgabe im vergangenen Herbst machte sich nur noch jeder Zehnte Sorgen um seinen Arbeitsplatz.

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