2018 gab es mehr Geld im Geldbeutel für viele Beschäftigte.

2018 gab es mehr Geld im Geldbeutel für viele Beschäftigte. - Bild: Pixabay

Mehr im Geldbeutel: Die meisten Arbeitnehmer in Deutschland haben im vergangenen Jahr Gehaltserhöhungen oberhalb der Inflationsrate erhalten. Bei den Tarifbeschäftigten stiegen die Verdienste einschließlich Sonderzahlungen im Schnitt um 2,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden berichtete. Die Verbraucherpreise kletterten lediglich um 1,8 Prozent, so dass die Menschen am Ende mehr Kaufkraft in der Tasche hatten. Das kann den Konsum ankurbeln und so die Konjunktur stützen.

Ohne die Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld, Leistungsprämien oder Gewinnbeteiligungen hatten die Beschäftigten im Schnitt 2,6 Prozent mehr auf dem Gehaltszettel als 2017.

Die gewerkschaftliche Böckler-Stiftung hatte das durchschnittliche Lohnplus für die Tarifbeschäftigten Anfang Februar knapp abweichend auf 3,0 Prozent berechnet. Im Vergleich zum Vorjahr habe die Lohnentwicklung mit dem realen Lohnzuwachs um 1,1 Prozent deutlich an Dynamik gewonnen, zeigten sich die Tarifexperten zufrieden.

Wer noch von Tarifverträgen profitiert

Nach Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus dem Jahr 2017 arbeiten rund 55 Prozent aller Arbeitnehmer in tarifgebundenen Unternehmen. Weitere 22 Prozent sind in Betrieben angestellt, die sich an den Tarifverträgen orientieren, diese aber nicht komplett erfüllen müssen. Im abgelaufenen Jahr haben aber auch viele Beschäftigte profitiert, die nicht nach Tarif bezahlt werden. Das Statistische Bundesamt hatte den allgemeinen Anstieg der Bruttolöhne im Jahr 2018 auf 3,0 Prozent beziffert.

Neben dem Geld war es in vielen Tarifrunden auch um Wahlmöglichkeiten für kürzere Arbeitszeiten gegangen, beispielsweise bei der Deutschen Bahn sowie in der Metall- und Elektroindustrie. "Mit der Tarifrunde 2018 haben die Gewerkschaften nicht nur kräftige Lohnzuwächse durchgesetzt, sondern haben auch eine Renaissance der tariflichen Arbeitszeitpolitik eingeleitet", resümierte der Leiter des WSI-Tarifarchivs der Böckler-Stiftung, Thorsten Schulten.

Der "Schluck aus der Pulle" fiel allerdings in den Branchen deutlich unterschiedlich aus. Laut Bundesamt profitierten vor allem Beschäftigte am boomenden Bau (+4,4 Prozent) sowie in den großen Industriezweigen Metall und Chemie (+3,5 Prozent). Mit den Steigerungen im Finanz-und Versicherungswesen (+1,7 Prozent) sowie in den Bereichen Information und Kommunikation (+1,8 Prozent) konnte hingegen die Teuerung bestenfalls knapp ausgeglichen werden.

Mindestlöhne in der EU: So groß sind die Unterschiede

Ein Unterschied wie Tag und Nacht: Die gesetzlichen Brutto-Mindestlöhne pro Monat in diesen 22 EU-Ländern variieren enorm. Zwischen dem Gehalt des letzten und des ersten Platzes liegen Welten. Oder um es in Zahlen auszudrücken: 1.738 Euro. Zum Ländervergleich!

Historisch gute Lage

In der Tarifrunde 2019 liegen die Forderungen der Gewerkschaften nach Angaben des Tarifexperten Schulten meist zwischen 5,5 und 6 Prozent - und damit auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr.

Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist historisch gut. Die Erwerbstätigkeit steigt, in einigen Branchen herrscht Fachkräftemangel. Dieser sehr hohe Beschäftigungsstand führt nach Angaben der GfK-Konsumforscher zu real steigenden Löhnen und Gehältern, von denen auch die Rentner profitierten.

Auch die aktuell schwächelnden Wirtschaft hat die Verbraucher daher bislang nicht in ihrer Konsumlust beeindruckt. «Trotz des rauer gewordenen wirtschaftlichen Umfelds gehen die Verbraucher davon aus, dass sich ihre Einkommen auch künftig positiv entwickeln werden», erläuterte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl jüngst.

Der Konsum wird nach Einschätzung von Ökonomen auch in diesem Jahr die Konjunkturentwicklung in Europas größter Volkswirtschaft stützen. Der Export leidet hingegen unter handelspolitischen Stürmen und der Abkühlung der Weltkonjunktur. Hinzu kommen die Unwägbarkeiten des Brexits. Bereits im vergangenen Jahr war der Export von Waren und Dienstleistungen "Made in Germany" als Wachstumstreiber ausgefallen.

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