Das Original ist eine Legende. Steve McQueen raste mit ihm durch die Straßen San Franciscos. Die Rede ist vom grünen Ford Mustang aus dem Film Bullitt. Der US-Autobauer präsentierte nun auf der Detroiter Messe NAIAS ein Bullitt-Sondermodell des aktuellen Mustangs.

Das Rezept zum Verkaufserfolg: Viel PS und ein martialischer Auftritt. Die Auspuffrohre des Sportwagens qualmten noch, als Ford ankündigte die Investitionen in die Elektromobilität bis 2022 auf 11 Milliarden Dollar zu erhöhen.

Die Marke aus Dearborn, Michigan, ist nicht die einzige, die mit ihrer glorreichen Vergangenheit jetzt schnelle Profite einfahren will, um die Mobilität von morgen zu finanzieren. Viele Autobauer, insbesondere in den USA, entwickeln und bauen Pick-ups, SUVs und eben Sportwagen wie den Mustang. Sie müssen Geld verdienen für die Entwicklung von Elektroautos und dem automatisierten Fahren.

Den OEMs bleibt keine andere Wahl. Im Gegensatz zu Tesla müssen sie ihren Anteilseignern schwarze Zahlen vorweisen. Mit Elektroautos ist das scheinbar noch nicht möglich. So sagte Fiat Chrysler CEO Sergio Marchionne gegenüber der Detroit News auf der NAIAS: „Ich kenne niemanden, der mit dem Verkauf von Elektroautos Geld verdient.“

Wenige Tage vor der Detroit Autoshow fand die Elektronikmesse CES in Las Vegas statt. Zwischen den Städten liegen nicht nur über 2.000 Meilen Highway, sondern ganze Welten. Auf der Consumer Electronics Show in Nevadas Wüste zeigten OEMs und Zulieferer, wie sie sich die Zukunft vorstellen. Die Manager malten ihre Visionen der neuen Mobilität in den schillerndsten Farben. Futuristische Prototypen präsentierten die Autobauer dem Publikum. Autonom fahrende Taxiflotten chauffierten Journalisten und Interessierte durch die Straßen der Spielermetropole. Die Message: Die automobile Zukunft ist elektrisch und intelligent.

Wie Ford Lust auf den Mustang Bullitt machen will

Pick-ups statt Elektromobile in Detroit

Wenige Tage später ersetzten die Autobauer ihre Zukunftsvisionen durch Produkte, die es jetzt zu kaufen gibt und die ordentlich Marge einfahren sollen. Die Unterschiede zwischen Las Vegas und Detroit könnten kaum größer sein.

Beispiel General Motors: GM-Tochter Chevrolet präsentierte den neuen bulligen Pick-up Silverado kurz nach dem der Mutterkonzern bekannt gab eine automatisiert fahrende Fahrzeugflotte 2019 auf den Markt zu bringen.

Wie US-Medien schreiben, erwartet der US-Autoriese, dass der eben jener Silverado, neue SUVs sowie der neue Sierra Pick-up die Profite einfahren sollen, während die Entwicklungsabteilungen ein, zwei Gänge höher schalten, um die Vision der Mobilität von morgen in die Realität umzusetzen.

Wie eingangs erwähnt, läuft es bei GM-Rivale Ford ganz genau so. Neben dem Mustang Bullitt zeigte die Marke ein besonders sportliches SUV sowie einen neuen Pick-up auf der NAIAS – kurz nach dem der Autobauer seine E-Mobility-Pläne der Öffentlichkeit vorstellte. Die OEMs agieren wie ein Patient mit gespaltener Persönlichkeit.

GM und Ford sind zwei Beispiele von vielen. Insbesondere in den USA scheinen die Autobauer überzeugt, es nicht in eine Zukunft von elektrisch fahrenden Roboter-Autos zu schaffen, wenn sie nicht jetzt die Finanzierung mit emotionalen Modellen, nach dem tradierten Schema entwickelt, schaffen.

Elektrifizierungsstrategie und Messeauftritt in Detroit kein Widerspruch

Zum Widerspruch Elektrifizierungsstrategie der Hersteller und den in Detroit gezeigten Modellen, kommentiert Axel Schmidt, globaler Geschäftsführer für den Bereich Automotive bei Accenture: „Natürlich sind in Detroit überwiegend Modelle zu sehen, die während der letzten Jahre entwickelt wurden. Und die entsprechen nun mal den Kundenpräferenzen – SUVs und Sportwagen sind weiterhin beliebt.“

Dem Vormarsch der Elektromobilität tue das aber keinen Abbruch, im Gegenteil: E-Varianten – einschließlich Hybride – der Geländewagen und Supersportler dürften ein guter Weg sein, um die Nachfrage zu erschließen. „Tesla, Nio und auch Porsche machen vor, wie das geht“, so Schmidt.

Ohnehin seien die US-Hersteller bei Zukunftsthemen wie Mobilität und dem autonomen Fahren gut aufgestellt. „Die großen Spieler GM und Ford haben den Anschluss an die Spitze wiedergefunden, nicht zuletzt durch Partnerschaften und Übernahmen“, kommentiert Accenture-Experte Schmidt. GM hat beispielsweise 500 Millionen Dollar in Lyft invstiert. Ford plant autonome Autos für Ride-Sharing Dienste bis 2021.

„In diesem globalen Wettrennen haben die amerikanischen Autobauer eine starke Position: Die genannten Hersteller sind sehr groß, finanzstark, und in einem der größten Binnenmärkte der Welt zu Hause“, sagt Schmidt. Zudem werden sie nach den jüngsten Reformen in den USA auch noch steuerlich begünstigt. Ihre Investitions- und Innovationskraft dürfte also weiter zulegen. „Und der Weg bis ins Silicon Valley ist nicht weit – unter Umständen ein weiterer Vorteil“, so der Experte von Accenture.

So feiert Chevrolet seine Pick-ups